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Neue Seewege : Das Schiff, das aus der Kälte kam

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Kommunikation in der Arktis ist ein Problem, der Funkverkehr eingeschränkt. Ultrakurzwelle ist nur auf kurze Distanzen nutzbar, vor allem in Küstennähe, über Mittelwelle und Kurzwelle können keine großen Datenmengen gesendet werden, Voraussetzung für die unabdingbaren Eiskarten. Geostationäre Satelliten, die über dem Äquator stehen, erreichen die Arktis aufgrund des flachen Einfallwinkels nur eingeschränkt.

Rein rechnerisch ist zwar erst bei 81,3 Grad nördlicher Breite Schluss, doch fangen die Schwierigkeiten bereits bei 75 Grad an, südlich von Spitzbergen. Iridium, der arktistaugliche Satellit, ist störanfällig und hat oft Unterbrechungen. Es gibt in der Arktis funkschwache Gebiete und solche, die ohne Funkverkehr durchfahren werden müssen.

Um flächendeckenden Funk zu haben, schickte die Sowjetunion in den sechziger Jahren Satelliten vom Typ „Molnija“ ins All, die aufgrund ihrer exzentrischen Bahn stundenweise den hohen Norden überflogen. Für eine vollständige Abdeckung war eine Serie von Satelliten auf dem sogenannten Molnija-Orbit erforderlich. Ende der neunziger Jahre begann Russland, die Veteranen durch moderne Meridian-Satelliten zu ersetzen; von sechs Starts waren drei erfolgreich, was für einen flächendeckenden Funkverkehr knapp ausreicht. Inwieweit Russland die im Prinzip militärischen Meridian-Satelliten auch für kommerzielle Nutzung freigibt, ist eine ungeklärte Frage.

Ein eklatanter Mangel an genauen Seekarten

Hinzu kommt ein eklatanter Mangel an genauen Seekarten. Für nicht wenige Gebiete sind immer noch Karten im Umlauf, die auf die britische Admiralität Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Russland hat angekündigt, bis 2016 diesen Mangel zu beheben. Weiterhin fehlen Häfen mit Reparaturwerften und Schwimmdocks, es gibt keine Verkehrsüberwachung, es fehlen navigatorische Hilfsmittel und Rettungsmöglichkeiten. Im Fall einer Havarie würde es viele Tage dauern, bis Rettungsschlepper oder Eisbrecher an Ort und Stelle wären. Mit dem Aufbau von Rettungszentren an der langen sibirischen Küste hat Russland inzwischen begonnen.

Demgegenüber ist der andere „Nördliche Seeweg“, die Nordwest-Passage durch die kanadische Inselwelt, ins Hintertreffen geraten. In den vergangenen Jahren gab es dort nur wenige Passagen, meist von Kreuzfahrtschiffen, nicht jedoch von Frachtern. Obwohl beide Routen etwa gleich lang sind, gilt die Nordwest-Passage als schwieriges Terrain - eistechnisch, aber auch juristisch. Kanada und die Vereinigten Staaten haben sich bisher nicht auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Zudem fehlt es beiden Staaten an Eisbrechern, eine Infrastruktur ist kaum vorhanden.

Gut möglich, dass noch andere Routen ins Spiel kommen

Kurzum, die Nordost-Passage wird die neue Schiffahrtsroute im hohen Norden sein, nicht die Nordwest-Passage. Russland baut zur Zeit die Verwaltung des Nördlichen Seewegs in Moskau um, der Aufbau einer Infrastruktur geht voran, wenngleich in kleinen Schritten. Noch immer ist der bürokratische Aufwand für eine Reederei, die ein Schiff auf die Passage schickt, immens, nicht zu vergleichen mit einer Fahrt durch den Suezkanal. Allerdings wird eine einfache Rechnung der russischen Bürokratie die Grenzen aufzeigen: Wartet ein Schiff auch nur eine Woche auf die Erlaubnis zur Passage, ist der wirtschaftliche Vorteil dahin.

Gut möglich, dass daher noch andere Routen ins Spiel kommen, schließlich führt der kürzeste Weg über den Nordpol. Den hat Russland im Jahr 2007, als ein U-Boot die russische Flagge auf dem Meeresboden absetzte, zwar auch schon für sich reklamiert, aber so ernst hat diese PR-Aktion niemand genommen. Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles erwarten für Mitte des Jahrhunderts einen eisfreien Nordpol in den Sommermonaten.

Für eine Reihe von Staaten ist der Nördliche Seeweg von größtem Interesse, zum Beispiel für Norwegen, vor allem aber für China, das einen großen Teil der Rohstoffe über die Arktis erhalten wird. Das Land ist - im Gegensatz zur EU - Beobachter im Arktischen Rat und hat inzwischen Verbindungen zu einem arktischen Anrainerstaat geknüpft. Chinas Partner ist weder Russland noch Kanada oder die Vereinigten Staaten, sondern Island.

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