https://www.faz.net/-gy9-78ksc

Neue LKW-Wasserpumpe : Einfach mal abschalten

Testbetrieb am Volvo Bild: Hersteller

Die Wasserpumpe eines LKW schluckt etwa 7 kW. Da die volle Leistung auf der Autobahn oft gar nicht gebraucht wird, kann mit einer elektromagnetischen Kupplung viel Kraftstoff gespart werden.

          Manche guten Ideen sind so einfach, dass man sich fragt, warum man nicht selbst darauf gekommen ist. Jeder Automotor schickt seine Kraft nicht nur an die Räder, sondern auch an etliche Nebenaggregate. Das geschieht normalerweise über Keilriemen, also abhängig von der Drehzahl, und stimmt deshalb mit dem tatsächlichen Bedarf selten überein. Was liegt also näher, als sie abzuschalten, wenn sie nicht gebraucht werden?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          “Das lohnt sich wegen der hohen Leistungsaufnahme vor allem in Lastwagen“, sagt Kurt Peter, Vertriebsleiter der Licos Trucktec GmbH. Das mittelständische Unternehmen baut seit 1998 für Daimler und andere große Hersteller Kupplungen, mit denen der Lüfter des Kühlers in drei Stufen geschaltet werden kann. Neu ist, das System auch auf andere Leistungsfresser anzuwenden: Licos hält Patente auf eine zweistufige elektromagnetische Kupplung, mit der die Drehzahl der Wasserpumpe halbiert wird, wenn der Motor auch so ausreichend gekühlt wird. Das ist im Fahrbetrieb oft der Fall. Lastkraftwagen sind weit überwiegend auf den Autobahnen im Langstreckenverkehr unterwegs, so dass in 90 Prozent der Fahrzeit die reduzierte Drehzahl reicht. Quält sich der Transporter die Kassler Berge hoch, wird die Pumpe in die zweite Stufe geschaltet. Eine Wasserpumpe im Lastwagen frisst etwa 7 kW. „Zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Treibstoffs lässt sich damit sparen“, erklärt Peter. Das ergebe bei 150 000 Kilometer im Jahr und einem Durchschnittsverbrauch von 33 Liter auf 100 Kilometer je Fahrzeug und Jahr 500 Liter weniger Verbrauch. Die Kupplung ist seit 2009 auf dem Markt, alljährlich werden in Markdorf am Bodensee 100 000 Stück gebaut. In den drei Jahren Produktion bis Ende 2012 habe Licos allein durch die Wasserpumpenkupplung also schon 125 Millionen Liter Diesel gespart.

          Die Riemenscheibe (dunkelblau) wird vom Keilriemen mit Motordrehzahl angetrieben. Die Magnete (violett) sind mit der Pumpenwelle fest verbunden. Unter Strom ziehen die Elektromagnete die Ankerplatte (dünne gelbe Scheibe) an, erst dann dreht auch die Pumpe mit Motordrehzahl.

          Offenbar hat diese schlichte Möglichkeit, ohne Nachteile und zu geringen Kosten Treibstoff zu sparen, die großen Lastwagenhersteller überzeugt. Denn im Zuge der verschärften Abgasvorschriften seit Anfang der neunziger Jahre hat sich die Tendenz früherer Jahrzehnte, immer sparsamere Motoren zu entwickeln, nicht fortgesetzt. Wie Studien belegen, ist im Gegenteil der Durchschnittsverbrauch neuer Modelle seit etwa zehn Jahren wieder etwas gestiegen, so dass die parasitären Verluste durch die Nebenaggregate stärker in den Blick rücken. Der Aufpreis amortisiere sich schon im ersten Jahr, sagt Peter. Das hat die Geschäftsentwicklung des schwäbischen Mittelständlers befeuert; sowohl Daimler als auch Volvo rüsten ihre Modelle mit Euro 5 inzwischen mit der neuen Kupplung aus, Volvo auch die mit Euro 6. Mit einem dritten großen Hersteller ist jetzt ein Vertrag unterzeichnet worden, so dass die Produktionsmenge verdoppelt werden soll. Schon jetzt erreicht die Wasserpumpenkupplung bei Licos einen Umsatzanteil von 40 Prozent.

          Weitere Themen

          Das Darknet - Ort der Kriminalität? Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Das Darknet - Ort der Kriminalität?

          Die internationalen Polizeibehörden haben ein Pädophilen-Netzwerk zerschlagen, das im Darknet operierte. Diesen dunklen Bereich des Internets nutzen Menschen, die verborgen unterwegs sein wollen. Dazu gehören neben Schwerkriminellen auch Whistleblower und Regimekritiker, die Zensur umgehen wollen.

          Warum die Vereinigten Staaten keinen ICE haben Video-Seite öffnen

          Geisterbahn : Warum die Vereinigten Staaten keinen ICE haben

          2008 stimmten die Kalifornier in einem Referendum für eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco, passiert ist bis heute wenig. Weil die Baukosten explodiert sind, strich der neue Gouverneur unlängst die Mittel für das Projekt zusammen. Nun wird es womöglich nie kommen.

          Topmeldungen

          Rezos Video : Jeder Like ein Armutszeugnis

          Das Video „Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo ist ein Dokument der Zeitgeschichte: Propaganda von der ganz feinen Sorte.

          Spekulationen über May : „Es ist Zeit für sie zu gehen“

          Die Zeit von Theresa May ist endgültig vorbei – dessen ist man sich in London immer sicherer. Selbst alte Gefolgsleute legen der Premierministerin einen schnellen Rücktritt ans Herz – aber was kommt danach?

          Mit der Europawahl : Kann Schottland ein Zeichen gegen den Brexit setzen?

          Unverhofft nimmt das Vereinigte Königreich an der Europawahl teil. Im pro-europäischen Schottland hoffen Aktivisten, eine Botschaft nach Westminster schicken zu können. Gleichzeitig droht ein neues Unabhängigkeitsreferendum.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.