https://www.faz.net/-gy9-7scfs

Neue Gotthard-Röhre : Der längste Eisenbahntunnel der Welt

Panoramaansicht des Gotthard Basis-Tunnel Bild: Siemens

Der neue Gotthard-Basistunnel ist eine technische Herausforderung. In diesem Eisenbahntunnel soll ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem dafür sorgen, dass nichts passiert. Die erste Testphase ist jetzt abgeschlossen.

          Manchmal wirkt auch das beklemmend, was man nicht sieht. Mehr als 2000 Meter Fels über dem Kopf und konstante drückende Hitze, so muss sich ein Zwerg in den Minen von Moria fühlen. Nur dass tief im Gotthard statt spitzen Gesteins blanker Beton die Besucher umgibt. Das ist unter der funzeligen Beleuchtung ein wenig trostlos, aber für Fußgänger ist der neue Basistunnel auch nicht gemacht, denn im ordentlichen Betrieb, der in gut zwei Jahren beginnen soll, werden ausschließlich Züge hindurchfahren. Aussteigen ist nur im Notfall erlaubt. Beides, der Betrieb und der Notfall, werden derzeit geprobt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der erste Test auf einem vollausgebauten 17-Kilometer-Teilstück wurde im vergangenen Dezember gestartet. Er ist jetzt abgeschlossen und ganz zur Zufriedenheit des Bauherrn Alptransit Gotthard AG verlaufen, einer Tochtergesellschaft der Schweizer Bahn (SBB). Ein zweiter monatelanger Test ist geplant, sobald alles fertiggestellt ist.

          Der Gotthard-Basistunnel ist ein Mammutprojekt. 28 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial wurden bewegt, um zwei Röhren von neun Meter Innendurchmesser durch tiefes Gestein zu fräsen. Der Durchbruch gelang im Oktober 2010 für die Ost- und im März 2011 für die Weströhre, aber gerade erst sind in der ersten der zwei Röhren die letzten Schienen verlegt worden. Ganz durchzufahren wäre jetzt technisch möglich, wenn auch nicht sinnvoll, erklärt Raoul Harlacher, Projektleiter des Transtec Gotthard Konsortiums, das für die Alptransit den Tunnel baut. Weil auf einem großen Teil der Strecke außer den Schienen noch nichts verlegt ist, dürfen die Dieselloks der Versorgungszüge nicht schneller als ein Moped fahren - da werden die 57 Kilometer Strecke bis zum Ausgang arg lang. Damit ist der Gotthard-Basistunnel, der die Züge mittendurch statt über das Gebirge schickt, der längste Eisenbahntunnel der Welt - länger als der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal. Der tiefste unter der Erde ist er ohnehin.

          Lückenlose Überwachung: Alles, was in den Röhren passiert, wird im Leitstand angezeigt

          Damit es den Passagieren ohne Aussicht auf die Berge nicht zu lang wird, werden die Personenzüge mit bis zu 250 km/h hindurchsausen. Die Flachbahn mit nicht mehr als 6,76 Promille Steigung (die alte Strecke hat 27 Promille) und fünf Kilometer Kurvenradius macht es möglich. Das ist Teil der Tests: Der ICE nimmt Anlauf und donnert in die Öffnung in Erstfeld oder in Bodio. Im Tunnel beschleunigen ist mühsam, wie Peter Müller, Projektleiter von Siemens, berichtet; das deutsche Unternehmen hat das komplette Tunnelleitsystem geliefert. Denn unter der Erde schiebt der Zug eine Luftsäule vor sich her. Deswegen werde gegenüber der Reise über den Berg auch gar nicht viel Energie eingespart.

          Aber es geht viel schneller. Wenn die gesamte, rund 10,5 Milliarden Euro teure Nord-Süd-Verbindung einschließlich des mit 15,4 Kilometer deutlich kürzeren Ceneri-Basistunnels (voraussichtlich 2019) ausgebaut ist, wird man in rund eineinhalb Stunden von Zürich ins Tessin und in weniger als drei Stunden nach Mailand kommen, das ist eine Stunde weniger als heute. 220 bis 260 Züge sollen dann täglich den Tunnel passieren, auf der alten Bergstrecke sind es höchstens 180. Ein großer Teil davon ist Güterverkehr im Dreiminutentakt mit Zügen bis zu 750 Meter Länge, die Transportkapazität soll von heute 20 Millionen auf 50 Millionen Tonnen steigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fed-Präsident Jerome Powell : Donald Trump und sein Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.
          Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Aufsichtsrat bei Aldi Süd. Das liegt auch an seiner Freundschaft zum ehemaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

          Ehemaliger Daimler-Chef : Zetsche geht zu Aldi Süd

          Nach dem Ende seiner Karriere bei Daimler hat Zetsche einen Posten bei Aldi Süd übernommen. Wie die F.A.Z. erfahren hat, ist er schon seit Juni im Beirat des Discounters. Das hängt mit einer Männerfreundschaft zusammen.
          Sie kann für ihre Wikingerfahrt keine Mannschaft gebrauchen, der die einfachsten geographischen Grundbegriffe fehlen: Greta Thunberg.

          Klimadebatte : Gretas kindische Kritiker

          Das Kindische an der Klimadebatte ist die gespielte Naivität der Kritiker Greta Thunbergs. Der Kulturhistoriker Johan Huizinga hatte einen Begriff für solches Verhalten, mit dem eine Gesellschaft hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.