https://www.faz.net/-gy9-7yzui

Neue Funsportart : Surfen mit dem Elektrobrett

Benjamin Köhnsen mit seinem karbonschwarzen „Lampuga“: Eine Wasserdüse am Ende des Boards sorgt für den Antrieb. Bild: Lampuga

Bisher brauchte der Surfer Wellen und Wind. Jetzt braucht er eine Steckdose. Zwei deutsche Unternehmen präsentieren einen neuen Funsport: das elektrische Surfen.

          3 Min.

          Markus Schilcher aus Oberammergau hat eine Passion. Es hat mit Brettern zu tun. Snowboardfahrer ist er, war vor 25 Jahren deutscher Vizemeister in der Halfpipe und liebt außerdem die sommerliche Variante, das Wellenreiten. Nun hat Schilcher, der Maschinenbauingenieur aus dem Städtchen der Passionsspiele, etwas entwickelt, das sich anfühlt wie „eine Mischung aus Surfen und Snowboardfahren auf dem Wasser“.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Als Geschäftsidee war das ursprünglich nicht vorgesehen. Schilcher ertüftelte seinen Waterwolf für sich selbst. Jetzt aber ist das Ding serienreif, eine Firma gegründet, ein Patent angemeldet, die Vermarktung angelaufen. Es geht los, mit bis zu 30 km/h.

          Das reicht für spritzigen Spaß, wie Schilcher während der Düsseldorfer Messe Boot in einem Vorführbecken unterm Hallendach demonstrierte. Vor allem geht es natürlich ums Rumdüsen in freier Natur. Der Waterwolf beschleunigt vehement, wird durch Gewichtsverlagerung gesteuert, ist schnell genug, um Dünungswellen zu überholen, hineinzufahren und sie abzusurfen. Geeignet ist er nach den Worten Schilchers für alle möglichen Gewässer. Bloß zum Brandungssurfen empfiehlt er das Gerät nicht.

          Propellerantrieb spart Energie

          Die Waterwolf GmbH bezieht die Bretter von Cobra International aus Thailand, einem der Marktführer für Surfboards. Die 2,40 Meter langen Glasfaser-Epoxy-Konstrukte werden mit Karbon verstärkt, wo der Antrieb sitzt. Die gesamte technische Ausstattung stammt aus Deutschland und wird im Oberbayerischen montiert: unter der Standfläche die Boxen für den austauschbaren Lithium-Mangan-Akku und die Regelelektronik, am Heck der 5-Kilowatt-Elektromotor, an der Oberseite der stufenlos einstellbare Geschwindigkeitsregler. Die Preise betragen je nach Ausstattung rund 8000 bis 10000 Euro. Zur Premium-Version zählt ein Gasgriff, der kabellos per Bluetooth mit dem Board verbunden ist.

          „Waterwolf“ von Markus Schilcher: Der Propellerantrieb spart Energie und macht das Elektroboard leichter.

          Schilcher hat sich für einen Propellerantrieb entschieden. Im Vergleich zu einem Jetantrieb sei der Energieverbrauch geringer, was die Montage kleinerer, leichterer Akkupakete erlaube und das Gesamtgewicht niedrig halte. Der Waterwolf – es gibt ihn in zwei Größen für Fahrer bis 95 Kilo oder darüber – wiegt 23 beziehungsweise 25 Kilogramm, allein zehn Kilo entfallen auf den Akku. Ein Wasserstrahlantrieb wäre schneller, räumt der Entwickler ein, dafür reiße in enger Kurvenfahrt die Strömung eher ab.

          Damit der Propeller nicht zu weit absteht und effizient arbeitet, weist das Brett eine tunnelartige Vertiefung auf. Motor und Getriebe werden durch das Umgebungswasser und zusätzlich mit Hilfe eines Wasserkreislaufs im Motorgehäuse gekühlt, die Elektronik-Bausteine mittels Kühlrippen an der Unterseite des Boards. Die Kapazität des Speichers beträgt 34 Ah, der Energievorrat reicht Schilcher zufolge für eine halbe Stunde, bei gemütlicher Fahrt mit Pausen etwa eine Stunde. Eine Reißleine am Handgelenk, die mit einem Magnetschalter am Brett verbunden wird, verhindert, dass der Waterwolf nach Abwurf seines Reiters allein davonfährt.

          Leise Elektroblätter statt röhrender Jetskis

          Mancher Messebesucher staunte: eine Funsport-Neuheit wie diese mal nicht aus Amerika, sondern aus Deutschland. Das gilt auch für das zweite Elektrobrett der Saison, das Lampuga des Hamburger Unternehmens Sashay GmbH mit Fertigungsstätte im schleswig-holsteinischen Norderstedt. Benjamin Köhnsen, Betriebswissenschaftler „mit Leidenschaft für Technik“, Erfinder, Gründer und Geschäftsführer in Personalunion, brachte die Sache gemeinsam mit dem Schiffsmaschinenbau-Ingenieur Olaf Jacobsen zum Laufen.

          „Lampuga“ aus Hamburg: Wasserdüse am Heck.

          Bei dem 15.400 Euro kostenden schwarzen Brett handelt es sich um eine 39 Kilo wiegende Karbonkonstruktion von 2,56 Meter Länge. Das Konzept ist dem des Waterwolf ähnlich, die Unterschiede im Detail jedoch sind gravierend: Das Board besteht aus einem Kohlefaser- statt Glasfaser-Laminat, die Motorleistung ist mit 11 Kilowatt (15 PS) erheblich höher, die Höchstgeschwindigkeit mit 54 km/h ebenso. Statt auf eine Schraube setzt Köhnsen auf einen Jetantrieb (das Wasser tritt mit 80 km/h aus der Düse aus) und hat ein Patent darauf angemeldet, dass diese Düse in Kurvenlage im Sinne gesteigerter Wendigkeit mitschwenken kann.

          Die Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 58,8 Ah soll auch bei strammer Fahrweise annähernd eine halbe Stunde durchhalten. Sie ist fest installiert und nicht austauschbar, um Probleme mit möglicher Fehlbedienung und der Dichtigkeit des Deckels zu vermeiden, wie Köhnsen sagt. Das aufwendige Kühlsystem besteht aus einem Frischwasserkreislauf nach Jetski-Art sowie einer Helium-Füllung des Hohlraums für die technischen Komponenten plus integriertem Lüfter und einer Art Wärmetauscher an der Unterseite des Lampuga. Die Notstoppleine mit Magnetsensor wird ans Fußgelenk geklettet, der Daumen-Gasgriff ist per Steuerleine mit dem Bug verbunden.

          Maschinenbauer Markus Schilcher auf seinem Waterwolf: Bis zu 30 Kilometer pro Stunde schafft das Board.

          Die relativ leisen Elektrobretter eignen sich für Strände, an denen Jetski verpönt sind, und für Gewässer mit Verboten für Verbrennungsmotoren. Privatleute, Verleihgeschäfte, Yachtbesitzer zählen zu den Zielgruppen, wie Köhnsen sagt. Er hat inzwischen Investoren gefunden, will die Produktionskapazitäten und die Modellpalette erweitern. Eine günstigere Version ist in Planung sowie eine mit einem extralangen 3,60-Meter-Brett für die Wasserrettung.

          Weitere Themen

          Sturmwarnung

          Schlusslicht : Sturmwarnung

          Wo sind die Grünen, wenn man sie braucht? Wieso heißt der Sturm Sabine? Und welche Messe fegt das Coronavirus als nächstes weg? Die Fragen der Woche.

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Endzeit- und Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.
          In einem Landtag: Björn Höcke, AfD-Fraktionschef, und weitere Mitglieder der AfD-Fraktion verfolgen in Erfurt die Regierungserklärung von Ministerpräsident Ramelow (Linke)

          AfD und Linke : Streitbare Demokratie

          Ob eine Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hängt auch vom Verhalten ihres Führungspersonals ab. Und hier marschiert die AfD bewusst in Richtung Verfassungsfeindlichkeit.
          Eingang zur Zentrale der BBC in London

          Rundfunkgebühren : Droht das Ende der BBC?

          Schlechte Nachrichten aus der Downing Street für die BBC: Der Konfrontationskurs mit dem öffentlich-rechtlichen Sender erreicht die nächste Eskalationsstufe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.