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Nebelfänger : Wasser aus der Luft gegriffen

  • -Aktualisiert am

Warten auf den Nebel Bild: Hersteller

Mit Nebelfängern lassen sich trockene Gebiete mit Trinkwasser versorgen. Sie wurden in einem Forschungsprojekt so verbessert, dass sie nicht gleich beim ersten Sturm davonfliegen.

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          Dem Deutschen mit seinem Durchschnittsverbrauch von 120 Liter am Tag ist es nicht immer bewusst: Wasser ist fast überall auf der Welt ein knappes Gut, jedenfalls dann, wenn es zum Trinken geeignet sein soll. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation haben mehr als 600 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang. Brunnen sind oft viele Kilometer weit entfernt, andere Quellen rechnen mit mehr als einer Milliarde Menschen, Tendenz steigend. Entsprechend konzentrieren sich Projekte der Entwicklungshilfe darauf, Trinkwasser bereitzustellen. Neben der energieaufwendigen Meerwasserentsalzung gibt es zahlreiche Versuche, die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit einzusammeln. Erfolgversprechend in Küstenregionen und in den Bergen ist die Wasserernte aus Nebel. Hier wurde durch intensive Forschung und neue Materialien in den vergangenen Jahren die Ausbeute erheblich gesteigert.

          Das Prinzip ist nicht neu, schon die Ureinwohner der Kanareninsel El Hierro hatten sich mittels eines Lorbeerbaums mit Trinkwasser versorgt, als die Spanier im 15. Jahrhundert die Insel in Besitz genommen haben. Systematische Versuche in Regionen mit Wassermangel und Nebelbildung gibt es zunehmend seit den sechziger Jahren. Das Prinzip ist simpel: Feinmaschige Kunststoffnetze werden senkrecht aufgehängt, der Wind bläst hindurch, kleinste Tropfen lagern sich am Gewebe an und vergrößern sich durch nachfolgende Tröpfchen, bis die Schwerkraft sie nach unten zieht. Dort kann das Wasser über eine Rinne in den Auffangbehälter fließen. Das ist von der Natur abgekupfert, denn gerade so macht es der Nebeltrinkerkäfer in der Namibwüste: Er reckt den Hintern nach oben, fischt mit seinen Flügeln, die mit kleinen Noppen gespickt sind, die Feuchtigkeit aus der Luft und leitet sie über Kanäle direkt zum Mund weiter.

          Die einfache Methode hat in der Praxis allerdings ihre Tücken: Wenn ausreichend Wasser eingefangen werden soll, müssen die Netze großflächig sein. Sie hängen im Wind, bis ein Sturm sie zerreißt oder mitnimmt. Die Netze scheuern an den Trägern, Regenrinnen aus Blech verformen sich, Verankerungen werden aus dem Boden gerissen. „Im ersten Jahr ist die Begeisterung noch groß“, sagt Peter Trautwein, die Netze werden immer wieder repariert. Auf die Dauer kehrten die Menschen dann doch wieder zum gewohnten Wasserschleppen zurück. Trautwein ist Geschäftsführer der Aqualonis GmbH, einer Ausgliederung der deutschen Wasserstiftung, die sich um die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern bemüht und in einigen Ländern Nebelfänger betreibt.

          Links von den neuen Gittern sieht man alte Varianten ... Bilderstrecke
          Links von den neuen Gittern sieht man alte Varianten ... :

          „Mit unseren Anlagen versorgen wir 1150 Menschen“, sagt Trautwein, damit liege die Wasserstiftung international an der Spitze. Zusammen mit Forschungsorganisationen wie dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf, wissenschaftlich begleitet von der Universität München und mit Unterstützung des Entwicklungshilfeministeriums sowie einiger Sponsoren wurden in einer Versuchsanlage in Marokko Nebelfänger getestet, verworfen (etwa solche aus Edelstahl) und weiterentwickelt, die einen hohen Ertrag mit mechanischer Robustheit verbinden sollen. Das Prototypenstadium sei beendet, sagt Trautwein, „jetzt liegt das fertige Produkt vor“.

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