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Navigationssysteme : Musik im Polo und ein Festkonzert im Passat

Schlichte Technik für den Polo Bild: Michael Spehr

Navigation bei Volkswagen im Vergleich: Für den Polo gibt es nur ein Modell, das nicht ganz billig ist. Wer einen Passat hat, kommt etwas günstiger weg.

          3 Min.

          Zweimal ist in der Familie ein Volkswagen angesagt, sagen wir, für Vater und Tochter. Beide wollen auf den Komfort eines elektronischen Navigationssystems nicht verzichten, und wir haben uns die damit ausgerüsteten Fahrzeuge angesehen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für den Polo hält der Hersteller genau ein Produkt parat, nämlich das Radio-Navigationssystem MCD, das mit vier Lautsprechern 1785 Euro kostet und mit acht 1870 Euro. Ein stolzer Preis, denkt die Tochter. Läßt sie die Anlage in den günstigsten Polo Trendline mit der 55-PS-Maschine einbauen, wird ein Siebtel des Kaufpreises in Unterhaltung und Routenführung investiert. Allerdings sollte man berücksichtigen, daß der Polo in keiner Ausstattungslinie serienmäßig ein Radio mitbringt und die kleinste HiFi-Anlage schon 450 Euro kostet.

          Papa zahlt weniger

          Etwas günstiger kommt der Vater mit seinem Passat davon, wenn er das kleine Radio-Navi RNS 300 für 1265 Euro bestellt. Der Wunsch nach etwas mehr Komfort und Routenführung durch ganz Europa geht jedoch auch hier ins Geld: Zwischen 2700 und 3800 Euro stellt Volkswagen für die DVD-Navigation mit Farbdisplay und Landkarte in Rechnung. Wobei man wissen sollte, daß das teuerste Paket eine erstklassige Dynaudio-Soundanlage mit 600 Watt und zehn Lautsprechern mitbringt.

          Power für den Passat

          Zunächst zum Polo: Das MCD-System in der Mittelkonsole ist mit seinen beiden Drehstellern und den englisch beschrifteten Tasten schnell zu erfassen. Der linke Drehsteller ist nur für die Lautstärke der HiFi-Abteilung zuständig, mit dem rechten bewegt man sich durch die Menüs, die in klarer, schnörkelloser Schrift auf dem Monochrom-Display angezeigt werden. Ein kurzer Druck bestätigt die Eingabe.

          Karten nur für Deutschland

          Daß die Navi-CD nur deutsche Ziele kennt und die Tochter für ihren Ausflug nach Frankreich zusätzliches Kartenmaterial kaufen muß, findet sie nicht so toll. Aber alles andere stimmt: Sonderziele wie Parkhäuser und Restaurants sind dabei, die Bedienung des Ganzen ist überaus logisch. Daß sich hinter der „Tele“-Taste keine Telefonabteilung, sondern die Telematik verbirgt, ist schnell gelernt.

          Bei der Berechnung des Ziels ist die Anlage eher gemütlich, aber dann kommt schnell die mustergültige Blaupunkt-Präzision bei den akustischen und optischen Hinweisen zum Tragen. Klare Kommandos zum richtigen Zeitpunkt erleichtern die Strapaze der ersten Tour durch die Berliner Innenstadt. Der Bildschirm zeigt zwar nur eine Pfeildarstellung, aber das reicht in der Praxis vollkommen aus. Wer auf dem Display lieber die Einstellungen des Radios sieht, kann die Navi-Anweisungen auch auf dem Multifunktionsdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser einblenden.

          Keine Musik, wenn die Navi-CD läuft

          Wirklich ärgerlich ist für die Tochter nur eins: Während der Routenführung muß die Navi-CD im Laufwerk bleiben. Wer unterwegs gern seine Lieblingshits von der Silberscheibe hören will, muß entweder auf die Zielführung verzichten oder einen 6fach-CD-Wechsler für weitere 450 Euro hinzukaufen. Auch ein iPod-Anschluß für portable Musikspieler ist weder für Geld noch gute Worte bei Volkswagen zu haben. Keine fünf Euro würde so ein Adapter kosten. Alles in allem ist die Tochter indes mit ihrem MCD zufrieden.

          Doch nun vom Polo in den Passat: Das wunderbar große 16-Zentimeter-Farbdisplay fällt bei der Kommunikationstechnik als erstes auf. Große und präzise beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs, die Softkeys links und rechts vom Bildschirm wechseln ihre Bedeutung hingegen je nach Kontext. Auch hier gibt es ein zweites Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser, das die Daten des Bordcomputers zeigt oder bei aktiver Navigation die Fahranweisungen.

          Großes Farbdisplay

          Ort und Straße in ganz Europa sind flink erfaßt, der Zielort läßt sich auch über seine Postleitzahl eingeben, und das Menü der Sonderziele ist reichhaltig bestückt. Wie im Polo muß allerdings die Karten-DVD während der Routenführung im Laufwerk bleiben. Das ist bei einem hochwertigen System in dieser Preisklasse unangemessen.

          So ist auch hier der Kauf des 6fach-CD-Wechslers für 345 Euro angesagt, der im Handschuhfach verstaut und mit einem niedlichen Bändchen nach unten geklappt wird. Ihre Stärken spielt die DVD-Anlage während der Führung aus: Im kleinen Display zeigen Symbole und ein Balken auf einen Blick die Annäherung an den nächsten Abbiegepunkt. Auf dem großen Farbdisplay sieht man derweil die Landkarte mit Sonderzielen in der Umgebung.

          Präzise Ansagen

          Die akustischen Anweisungen mit einer „Jetzt“-Ansage kommen zum richtigen Zeitpunkt und sind sehr präzise. Daß der Zoom zum Vergrößern oder Verkleinern des Kartenausschnitts ebenso langsam arbeitet wie die Routenberechnung am Start und die physikalische Bildschirmauflösung eher mickrig ist, kann man angesichts der Vorzüge verzeihen. Für den Ausflug in die europäischen Nachbarländer ist die Tele Atlas-DVD eine wahre Freude. Fährverbindungen werden für den kurzen Abstecher nach England oder Irland ermittelt, und man kann mautpflichtige Straßen sperren lassen.

          Ein Höhepunkt ist die Dynaudio-Soundanlage, die es nur in Verbindung mit der Navigation gibt. Klare Bässe und eine ungemein präzise Durchzeichnung können täglich begeistern. Selbst anspruchsvolle Klaviermusik kommt ausgesprochen gut und neutral. Die Anlage kann viel, trägt aber nicht dick auf und verzichtet auf die sonst üblichen Tricks und Effekthaschereien. Liebhaber von Klassik und Jazz sollten auf dieses Extra im Passat nicht verzichten.

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