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Mundschutzmasken von Trigema : Maske statt Mode

Trigema hat schon vor fünf Wochen eine Anfrage des Klinikums Konstanz erhalten, ob er Atemschutzmasken herstellen könne. Bild: Trigema

Ein Beispiel unter vielen während der Corona-Krise: Trigema stellt seine Produktion um und fertigt Mundschutzmasken an. Dafür mussten noch nicht einmal die Maschinen umgerüstet werden.

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          In diesen Krisenzeiten steht die Gesellschaft zusammen. Immer mehr technisches Gerät wird zur Produktion von jetzt benötigten Hilfsmitteln umfunktioniert. Aus Italien erreicht uns die Meldung, die Ärzte trügen bald Prada. Der Mailänder Modekonzern habe mit der Herstellung von Arztkitteln und Atemmasken begonnen. Der Autokonzern Fiat-Chrysler will eigenen Angaben zufolge eine seiner Fabriken in China zur Herstellung von Atemschutzmasken umrüsten. Eine Million Stück sollen dort je Monat hergestellt und an medizinisches Personal gespendet werden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Liste ließe sich erfreulich verlängern. Weil uns Fragen der Machbarkeit und Flexibilität umtrieben, haben wir Wolfgang Grupp von Trigema angerufen. Der Inhaber des deutschen Bekleidungsherstellers hat schon vor fünf Wochen eine Anfrage des Klinikums Konstanz erhalten, ob er Atemschutzmasken herstellen könne. Einmalprodukte nein, solche zur mehrfachen Verwendung vermutlich ja, wir werden das ausprobieren, ließ der Unternehmer die Klinik wissen. Und so wurden verschiedene Stoffe auf ihre Tauglichkeit geprüft. Trigema ist nicht gänzlich unbedarft, es werden seit je in kleinen Stückzahlen Kittel für Mitarbeiter von Altenheimen hergestellt. Schnell war klar, eine Maske nach strengsten medizinischen Vorgaben werde nicht machbar sein, auch weil deren Zertifizierung Monate in Anspruch nimmt. Ärzte auf der Intensivstation wird Trigema folglich nicht beliefern können. Wohl aber Pflegepersonal, Patienten und andere, die sich und ihre Mitmenschen vor Tröpfcheninfektion schützen möchten.

          Maschinen umzurüsten sei für die Produktion der Masken nicht notwendig, sagt Grupp, Erfahrung freilich schon. Für modische Kollektionen fertigt Trigema schon mal ein außergewöhnliches Teil, und so gehen die Burladinger nun auch den Mundschutz an. Grupp wählte als Maschenart Piqué, die Menschen kennen das von Polohemden. Weil die Masken Kochwäsche sind, bestehen sie je zur Hälfte aus supergekämmter Baumwolle und Polyester. Baumwolle allein wäre untauglich, weil beim Kochen die Einlaufwerte zu groß ausfielen, wie Grupp erklärt. Den Stoff habe Trigema ohnehin, die erforderlichen Gummibänder würden von sonst produzierten Unterhosen entliehen, sie müssten nur ein wenig schmaler gearbeitet werden.

          Verschiedene Stoffe wurden auf ihre Tauglichkeit geprüft. Bilderstrecke
          Trigema : Maske statt Mode

          Eine Herausforderung sind die Nasenbügel, es muss beschichteter Draht eingearbeitet werden. Grupp hat einen Lieferanten aus Holland gefunden, der liefert ihm Draht, Mindestabnahmemenge eine Rolle. Die genügt für eine Million Masken. Die Näherinnen werden nun auf das neue Produkt eingelernt, ein Mundschutz muss anders zugeschnitten und genäht werden als ein T-Shirt. Als aufwendig erweist sich schließlich die Verpackung, beim Eintüten der in Chargen zu zehn Stück verpackten Masken baumeln die Bändel heraus. Hier muss per Hand nachgeholfen werden. Aber Hexerei sei all das nicht, versichert Grupp, eher kollektiver Wille eines Unternehmers und seiner Mitarbeiter, von denen sich viele freiwillig für Sondereinsätze am Samstag meldeten. Sie produzieren täglich in zwei Schichten von 4.45 Uhr bis 21.30 Uhr, wie gesagt einschließlich samstags.

          Die Menge wird sukzessive hochgefahren, in der vergangenen Woche sollten 60.000 Masken genäht werden, von dieser Woche an sollen es 100.000 werden. Trigema verkauft sie vornehmlich an Kliniken und Pflegeheime, als Stückpreis werden teure 12 Euro aufgerufen. Für Groß- und Bestandskunden gibt es freilich beträchtliche Rabatte, so dass 6 Euro realistischer seien, sagt Grupp. Er wolle damit seine Kosten decken, Gewinn zu machen habe nicht zur Diskussion gestanden.

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