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Lego-Modelle : Der Mond hat Noppen

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Heute: Das aktuelle Lego-Modell der Mondfähre samt Astronauten. Bild: Peter Thomas

Anlässlich der ersten bemannten Mondlandung vor 50 Jahren bietet Lego jetzt einen Bausatz der Mondlandefähre „Eagle“.

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          Zwei Abende bis zum Mond: So lange dauert es, den Lego-Bausatz 10266 zu montieren, der im Minifiguren-Maßstab die Landefähre „Eagle“ der Nasa-Mission Apollo 11 darstellt. Das 90 Euro teure Set aus 1087 Teilen ist unter der Regie von Lego-Designer Lars Joe Hylding entstanden. Neben der Landefähre, die sich durch eine im Modell verborgene Klickverbindung vorbildgerecht zwischen Abstiegs- und Aufstiegsstufe trennen lässt, gehören zu der Miniatur ein Stück Mondoberfläche sowie die Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin als Minifiguren. Die vergleichsweise detaillierte Bedruckung der Figuren verschwindet allerdings unter den voluminösen Kombinationen aus Helm und Schutzanzug.

          Was das Set so interessant macht? Es ist nicht das Thema Raumfahrt an sich. Denn Lego hat dazu ja immer wieder Miniaturen aufgelegt. Allein dem Space Shuttle beispielsweise widmete das dänische Unternehmen über die Jahre hinweg unter anderem die Bausätze 6346 (1992), 8480 (1996), 7470 (2003), 10231 (2011) und 31091 (2019) in verschiedenen Maßstäben und mit ebenso unterschiedlicher technischer Komplexität. Nein, besonders spannend ist aus unserer Sicht der Vergleich dieser jüngsten Interpretation der Mondlandung mit dem ersten Lego-Set, das sich konkret diesem Thema angenommen hat. Denn die Mondlandefähre der Mission Apollo 11 von 1969 unterscheidet sich in ihren Grundzügen nicht von der Landefähre von Apollo 15 aus dem Jahr 1971. Und dieser Mondreise hatte Lego im Jahr 1975 das Set 367 gewidmet, inklusive des Mondautos „Lunar Roving Vehicle“.

          Der Unterschied zwischen beiden Bausätzen ist immens: In den 1970er Jahren bestehen die Astronauten noch aus klassischen, dicken Kunststoff-Bausteinen mit Armen aus Gelenkelementen, die Helmvisiere werden durch transparente Bauklötze dargestellt. Auch die blaue Landefähre ist aus massiven Elementen zusammengesetzt. Das führt zu einem recht hohen Abstraktionsgrad, was ja andererseits damals dem astronautischen Rollenspiel entsprechende Freiheiten verschafft haben dürfte. 44 Jahre später setzt das Modell von Apollo 11 auf erheblich größere Detailtreue. Das beginnt bei filigranen Technic-Elementen (zum Beispiel für die Verstrebung der Stützen, auf denen die Landefähre spinnenbeinig steht) und reicht bis zum Ansatz, dem Betrachter des Modells möglichst glatte Flächen zu präsentieren. Dabei wird hier allerdings nur wenig mit modernen Spezialteilen gearbeitet, wie sie bei den Technic-Großmodellen stark zum Einsatz kommen. Stattdessen verschwinden die für die Klemmverbindung unerlässlichen Noppen eher durch konstruktive Kniffe im Innern der Konstruktion.

          Wesentlich abstraktere Lego-Kombination aus der Mitte der 1970er Jahre.

          Der Konstruktionsprozess ist in vier Teile strukturiert, dabei helfen wie gewohnt die durchnumerierten Plastikverpackungen. Die Vielfalt insbesondere der kleinen Elemente bleibt dabei recht überschaubar. Stattdessen sind auch einige alte Bekannte dabei: zum Beispiel Stein Nummer 6030235, 4x2 Noppen in normaler Höhe – aus persönlicher Erinnerung der Lego-Bauklotz schlechthin. Am häufigsten werden die Noppen ganz einfach mit glatten Verkleidungsplatten überzogen. Immerhin verbindet die Miniatur diese Praxis auch mit dem Anspruch der modellbauerischen Realitätsnähe. Das wird zum Beispiel an den Seitenwänden der Landefähre deutlich: Sie ist mit Dutzenden goldener Verkleidungsplatten zu beplanken. Das sieht ein wenig ungewöhnlich aus, verglichen mit den klassischen, stark farbigen Steinen. Aber mit den schimmernden Elementen soll die Folienverkleidung des Landemoduls dargestellt werden.

          Jede Menge glatter Platten kommen auch für die Bodenplatte zum Einsatz, auf welcher die Miniatur später präsentiert wird. Dazu gehört zudem ein schmaler schwarzer Rand inklusive einer Hinweistafel auf das Sujet. Diese vitrinentaugliche Basis rückt den Bausatz in die Nähe der Architecture-Sets von Lego und lässt vermuten, dass das Modell vor allem auf erwachsene Kunden abzielt. Letztlich ist das Modell aber doch Teil einer Spielwelt. Denn viel näher als dem Modell von 1975 mit seinem rauhen Charme ist das neue Set einer anderen Tradition: 1979, die Minifiguren waren noch ganz neu im System, brachte Lego die ersten Space-Sets heraus. Sie bildeten eine freundliche, konstruktive Gemeinschaft von rot und weiß gekleideten Astronauten.

          Die Männchen kümmerten sich um Transport und Kommunikation, rollten mit grauen Fahrzeugen über die Oberfläche ihres nicht näher definierten Planeten (oder war es doch der Mond?) und starteten mit blauen Raumschiffen ins Weltall. Der einheitlich-freundliche Gesichtsausdruck unter den schmalen Helmen war damals der gleiche wie heute bei den beiden Nasa-Astronauten aus dem neuen Set. Während das dänische Klötzchen-Imperium so vor 40 Jahren das Weltall erstmals mit seinen Minifiguren bevölkerte, nahm die Eroberung der endlosen Weiten vor 20 Jahren noch einmal an Tempo auf: Damals erschienen die ersten Bausätze mit Star-Wars-Lizenz. Diese Spielwelt hat sich seither zu einem der erfolgreichsten Lego-Themen überhaupt entwickelt. Und zumindest was Verkaufszahlen angeht, kann die Geschichte der ersten Mondlandung nicht mit der erzählerischen Macht mithalten, die von diesem Science-Fiction-Epos ausgeht.

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