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Modellbundesbahn : Nostalgie ist ein feiner Zug

  • -Aktualisiert am

Die Deutsche Bundesbahn im Kleinformat Bild: Peter Thomas

Die Modellbundesbahn bietet eine Zeitreise direkt ins Jahr 1975. Stars der Schauanlage sind die schweren Güterzugloks der Baureihe 44 und die aufwendig gebauten Modelle.

          Wir befinden uns im Jahr 25 nach der Bahnreform: Für den Betrieb des Schienennetzes in ganz Deutschland und für einen Großteil des Verkehrs darauf zeichnen seit 1994 die Deutsche Bahn AG und ihre Tochtergesellschaft verantwortlich. Die Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) sind also längst Geschichte.

          In ganz Deutschland? Nein, im nordrhein-westfälischen Brakel lebt die Bundesbahn-Welt mit ihren Fahrzeugen, Abläufen, Infrastruktur und Architektur weiter, wenn auch nur im Maßstab 1:87. Denn hier residiert in einer Halle in Sichtweite zur Eisenbahnstrecke von Ottbergen nach Altenbeken die Modellbundesbahn (www.modellbundesbahn.de). Trotz der Asterix-Analogie: diese 100 Quadratmeter große Schauanlage ist alles andere als ein kleines gallisches Dorf in Nenngröße H0. Vielmehr hat sie den Anspruch, den realistischen Betrieb eines Sommertages im Jahr 1975 zu zeigen.

          „Wir haben es geschafft, den Betrieb so nachzubilden, dass rund 80 Prozent aller Züge ein authentisches Vorbild auf dieser konkreten Strecke im Sommer 1975 haben, der Rest ist typisch für die Zeit“, sagt Karl Fischer. Der Betriebswirt und ehemalige Unternehmensberater betreibt zusammen mit Norbert Sickmann die Modellbundesbahn. Zwölf Jahre lang war das Projekt seit 2005 im Bahnhof Bad Driburg zu erleben. „Das Gebäude steht als Modell hier auf der Anlage“, lacht Fischer und zeigt auf den Miniaturbahnhof. Im vergangenen Jahr ist die Schauanlage nun in die eigene, 2017 gebaute Halle nach Brakel umgezogen.

          Angefangen hat die Geschichte der Modellbundesbahn im Jahr 2000. Eisenbahnfan war Karl Fischer da längst, mit dem Bahnvirus wurde er schon als kleiner Junge infiziert. Besondere Begeisterung weckte in ihm seinerzeit der reale Betrieb in und um Brakel – also genau das, was heute auf der Anlage im Modell zu erleben ist. Dankbar ist der Schöpfer der Modellbundesbahn bis heute dem ehemaligen Fahrdienstleiter des Bahnhofs Brakel, Franz Babik, der dem jungen Karl Fischer in den 1970er Jahren Einblicke gewährte, wie die echte Eisenbahn organisiert wird und funktioniert.

          Maßstab 1:87 Bilderstrecke

          Aber warum ausgerechnet 1975? „Es war das letzte volle Dampfjahr im Betriebswerk Ottbergen,“ erzählt Fischer. Das habe den Ausschlag gegeben, die Anlage in diesem Jahr historisch zu verorten. Während nun auf der Anlage eine Lok der Baureihe 44 im Betriebswerk (BW) entschlackt wird, dann zur Bekohlung und zum Wasserfassen rollt, ziehen auf den Streckengleisen die Jumbos wie in den 1970er Jahren ihre langen Güterzüge in Richtung Bad Driburg. Dazwischen knattern Schienenbusse, die „Retter der Nebenbahn“, durchs Weserbergland. Eine mächtige V 200 wartet vor einem Militärzug auf die Weiterfahrt. Und Personenzüge mit klassischen Silberling-Wagen rollen durch die Kulisse.

          So richtig an Fahrt nahm das Projekt der Schauanlage 2001 auf. Aber bevor es ans Bauen ging, investierten Fischer und seine Mitstreiter viel Zeit in die Recherche. Sie führten Zeitzeugengespräche, werteten Archivmaterial aus, suchten historische Fotos von Strecke, Landschaft und Bebauung zusammen – selbst Wetterdaten flossen in die Recherche ein. Aus den Interviews ergab sich ein faszinierendes Bild des Jahres 1975: Hotelbetreiber der Region beispielsweise erinnern sich bis heute an den Hochbetrieb, der durch Bahnfans herrschte, die noch einmal den Dampfbetrieb erleben und fotografieren wollten. Aus den Recherchen sind fünf Bücher entstanden, geschrieben von Bernard Huguenin und Fischer.

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