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Modellbahn-Neuheiten : Digital gesteuert, fährt Nostalgie am schönsten

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Die Modellbahn-Neuheiten auf der Nürnberger Spielwarenmesse sehen nicht nur so aus wie ihre großen Brüder und Schwestern, sie klingen und dampfen auch so. Digitaltechnik macht viele Effekte erst möglich.

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          Die Elektrolok brummt sonor oder surrt wie eine Nähmaschine, ihre Pantografen lassen sich ausfahren oder einziehen, die Diesellok nagelt wie acht Traktoren, und die Dampflok zischt, pfeift oder läßt Dampf ab; die Kohleschaufel ihres Heizers knirscht, die Bremsen quietschen. Nach Bedarf lassen sich die Scheinwerfer ein- oder ausschalten, Beschleunigungs- oder Bremsverzögerung regulieren. Von der kleinen Spur N im Maßstab 1:160 über TT (1:120) und die meistgefahrene Spur H0 (1:87) bis zu den großen I und IIm auf 45 Millimeter Spurweite in den Maßstäben 1: 22,5 und 1:29 bis 1:32 hält die Digitalelektronik Schritt für Schritt Einzug in die Modellbahnwelt.

          Die für sie reservierte Halle 7 der Nürnberger Spielwarenmesse war nur deshalb kein Dauerthema in den Verkehrsnachrichten des Rundfunks, weil Fußgängerstaus dort auch sonst keine Beachtung finden. Neben den Wundern der Digitaltechnik, von deren natürlichen Effekten Modellbahner bis vor wenigen Jahren kaum je träumten, steht nach wie vor die Nostalgie hoch im Kurs. Deren neuesten Vertreter hat Lehmann im Programm: Die Ellok 101, die modernste Schnellzuglok der Deutschen Bahn, erscheint als 705 Millimeter langes LGB-Modell im eleganten Metropolitan-Kleid, welcher der komfortabelste und schnellste lokgezogene Zug war, der je fahrplanmäßig DB-Gleise befuhr. Die DB hat ihn gerade im Dezember beerdigt.

          Elektroloks und Coca-Cola

          Nicht nur im Export sind amerikanische Züge stark gefragt. Diesel- und Dampfloks, bei hinreichendem Alter des Vorbilds selbstverständlich mit imponierendem Kuhfänger vor dem Bug, gesellt sich nun eine rare US-amerikanische Elektrolok bei, die es in H0 bisher nur aus chinesischer Produktion bei amerikanischen Anbietern gab: Die bis zu 8000 PS starke GG-1 der Pennsylvania Railroad aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, deren 137 von General Electric und Baldwin gebaute Exemplare gestaltet worden waren vom berühmten Designer Raymond Loewy, bekannter für die Eleganz von Studebaker Automobilen und die Coca-Cola-Flasche.

          In Nürnberg ist sie gleich mehrfach zu sehen: Im Maßstab 1:220 in Conrail-Farben als Märklin Z-Modell, in originalen Pennsylvania Railroad-Lackierungen im Maßstab 1:87 bei Märklin und Trix sowie in der Spur I als LGB-Modell. Eine beeindruckende Spur-I-Neuheit präsentierte Märklin. Die unter dem Spitznamen Jumbo bekannte schwere Güterzuglok der Baureihe 44, ausgestattet mit allen heute möglichen Digitalfunktionen, glänzt mit perfekter Detaillierung, mißt stolze 71 Zentimeter in der Länge und benötigt einen Kurvendurchmesser von mindestens 204 Zentimeter.

          Winkende Frauen

          In H0 wiederum brilliert Roco mit neuen Modellen etwa der BB 9004 der französischen Staatsbahn SNCF, die ebenso wie die CC vor nunmehr 50 Jahren auf der Strecke Bordeaux-Dax den Weltrekord von 331 km/h erreichte und nun im Eisenbahnmuseum Mülhausen im Elsaß ausgestellt ist. Aber auch Minderheitsinteressen unter den Modellbahnern kommt Roco entgegen, zum Beispiel mit der E 80 von 1930, Achsfolge A1A-A1A, die Anschlußgleise ohne Fahrdrahtüberspannung, etwa bei Industriekunden der Bahn, dank mitgeführter Akkus befahren konnte. Märklin stellt gleichzeitig in H0 und Z den berühmten Henschel-Wegmann-Zug vor, der mit seiner Stromliniendampflok der Baureihe 61 von 1936 bis 1939 Berlin und Dresden in nur 95 Minuten verband.

          In jedem Maßstab bedienen die Zubehörhersteller die Modellbahner mit statischen ebenso wie mit funktionellen Neuheiten. Während fast alle ausgiebig süddeutscher Fachwerkgemütlichkeit frönen, wie Vollmer mit seinem Rathaus Fürstenberg oder dem Bahnhof Bad Berg, bieten Faller und Kibri auch norddeutsche Klinkerbauten, Spezialitäten der Nordseeküste wie Leuchttürme, Windmühlen, Klappbrücken und Fischkutter an. Selbst figürliche Staffagen entbehren nicht der Bewegung: Bei Vießmann staunten die Fachbesucher über eine 20 Millimeter große Frau, die dank miniaturisiertem Elektromagneten freundlich winkt. Für sein „car system“, das den Eisenbahnanlagen auch regen Straßenverkehr beschert, motorisiert Faller seit jeher Modellautos, nun auch einen Feuerwehrwagen von Herpa, zusätzlich ausgestattet mit Blinkelektronik, und ein Startset mit Bundeswehr-Lastwagen von Roco. Kibri ergänzt seine schienengebundenen Gleisbaufahrzeugbausätze um den Tiefladewagen Uaai 687.9. Unter den Eisenbahnfunktionsbauten sticht schließlich Vollmers modernes Bahnbetriebswerk hervor, das Elektro- wie Diesellokomotiven nach getaner Arbeit beherbergen kann.

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