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Mobile Hausüberwachung : Alarm für Anfänger

Abschreckend: Die Alarmanlage von Abus an der Wand. Bild: Hersteller

Viele Menschen fahren mit der Sorge in den Urlaub, jemand könnte in das eigene Haus eindringen. Alarmanlagen-Hersteller Abus will dieser Angst entgegenwirken und funkt dem Einbrecher mit Smartvest dazwischen.

          3 Min.

          Urlaubszeit ist Erholungszeit. Doch fährt oft die Sorge mit in die Ferien: Werde ich mein Haus so vorfinden, wie ich es verlassen habe? Aufmerksame Nachbarn sind gut, stabile Türen und Fester auf jeden Fall besser. Und zudem womöglich eine Alarmanlage. Die bringt zunächst Nachteile mit sich, sie ist teuer und erfordert zumindest in einem bestehenden Gebäude unangenehme Eingriffe. Es müssen Löcher gebohrt und Kabel verlegt werden. Abus ist einer der Spezialisten, wenn es um die Sicherung des Eigentums geht, und wer will, kann mit deren Gerätschaften seine vier Wände in Fort Knox verwandeln. Dafür sind schnell ein paar Tausender anzulegen. Das ist nicht jedermanns Sache, hat Abus – wohl auch unter dem Konkurrenzdruck zahlloser Do-it-yourself-Lösungen – erkannt.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Smartvest lautet die Antwort, ein nur 350 Euro teures Einsteiger-Set. Darin enthalten ist eine Basisstation, die an den Internetrouter angeschlossen werden muss. Ein Bewegungsmelder und ein Türkontakt sind im Paket, die ohne die Verlegung von Kabeln über Funk mit der Station verbunden werden. Die Anbindung erfordert einige Zeit und Konzentration, gelingt aber auch dem Laien. Zur Steuerung und als Alarmzentrale dient eine App, die mit Apple iOS und Android funktioniert und für mehrere Familienmitglieder eingerichtet werden kann. Die Installation über W-Lan funktionierte bei uns nicht, die mittels Lan-Kabel umso problemloser. Sodann lässt sich über die App alles Wichtige steuern. Das ist modern, allerdings muss man jedes Mal das Handy herauskramen, wenn man das Haus verlässt oder es betritt. Für die altmodischeren unter uns legt Abus einen Handsender bei, der an den Schlüsselbund gehängt werden kann, diese simple Lösung hat was.

          Überwachung von überall aus: Der Dieb ist auf dem Handy zu sehen.
          Überwachung von überall aus: Der Dieb ist auf dem Handy zu sehen. : Bild: Hersteller

          Wird Alarm ausgelöst, heult in der Basisstation eine eher zarte Sirene los. Die schreckt wohl Eindringlinge auf, wer aber die Umgebung aufmerksam machen will, erwirbt zusätzlich die Außensirene mitsamt Blitzlicht für 189 Euro. Auch sie verbindet sich über Funk, benötigt allerdings eine Stromversorgung oder die regelmäßige Kontrolle der Bordakkus, weshalb die Anbauposition gut überlegt sein will. Schließlich soll sie der Gauner nicht leichterhand erreichen und mit PU-Schaum oder einem überstülpten Karton zur Wirkungslosigkeit verdammen können. Der Bildschirm des Smartphones färbt sich zugleich rot. Abus sagt, nach Verifizierung könne der Nutzer den Alarm dortselbst abschalten, was logisch ist. Wir haben diesen virtuellen Knopf auf der Handyoberfläche in der Hektik nie gescheit gefunden und den Alarm über den Handsender erstickt. Das taugt natürlich wenig, weil man in der Regel nicht vor seiner Wohnung steht, wenn das Handy Alarm meldet. Wahrscheinlich hülfe Übung oder ein idiotensicheres Tastenfeld.

          Typisch solider Eindruck

          Sodann wäre sinnvoll, den Ort des Geschehens einsehen zu können, wofür Kameras innen und außen installiert gehören. Sie kosten 170 bis 250 Euro je Stück und liefern scharfe Bilder. Gespeichert werden die Daten im Gerät oder auf einer darin eingesteckten SD-Karte, der Einbrecher sollte also tunlichst so freundlich sein und die Anlage nicht mitnehmen. Wer Hund oder Katze hat, muss auf die Raumüberwachung verzichten, der Bewegungsmelder ist nicht tierimmun. Öffnungsmelder müssen dann genügen. Auch mangelt es an Zwangsläufigkeit, die Anlage wird also nicht automatisch ge- oder entschärft, wenn die Haustür geschlossen oder geöffnet wird. Man kann zu dem Preis eben nicht alles haben. Die Verarbeitung macht den für Abus typischen soliden Eindruck, die Erweiterungsmöglichkeiten etwa um Anwesenheits-Simulationen sind zahlreich, das Design ist adrett, der Preis ist heiß, es entstehen keine Abo-Folgekosten, kurzum: Die überwiegende Zahl der auf Einsteigerniveau antretenden Konkurrenten schlägt Abus mit Smartvest aus dem Rennen.

          Mit allem Drum und Dran: Das Alarmanlagen-Set von Abus.
          Mit allem Drum und Dran: Das Alarmanlagen-Set von Abus. : Bild: Hersteller

          Wer auf die modernen Insignien der Wacht verzichten kann und einer Routeranbindung misstraut, muss sich eine vollständig autarke Alternative suchen. Die gibt es nur noch selten, zum Beispiel von Bublitz. Dessen rustikal aussehende Anlage wird einfach in die Steckdose gesteckt, sie misst den Luftdruck im Haus, weitere Teile außer der lautstarken Sirene und Handsendern werden nicht benötigt. Das nach unserem Eindruck zuverlässige Gerät ist teurer, eine Smartphone-App hat Bublitz nicht, die Zwangsläufigkeit fehlt auch, aber es verträgt sich mit Bello und Kitty und ist simpel zu bedienen. Als Ergänzung sei eine elegante 360-Grad-Überwachungskamera von Bosch empfohlen, schon verläuft der Urlaub etwas unbeschwerter.

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