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Mikroskop : Unterwegs ganz groß

  • -Aktualisiert am

Nichts ist ihm zu klein: Stabmikroskop Bild:

Ein Stabmikroskop zeigt die Welt, wie sie im kleinen fleucht und kreucht.

          1 Min.

          Ein wenig ist es ja außer Mode gekommen, daß ein Gentleman von Stand wie der niederländische Diplomat Constantijn Huygens niemals ohne Mikroskop sein Haus verließ. Nun, das war im 18. Jahrhundert, in dem die Entdeckung der vergrößernden Eigenschaften von Linsen noch genauso frisch war wie die Neugierde auf neue Welten, die sich jenseits der unbewaffneten Sehkraft damit ergaben. Ein unter anderem von Manufactum vertriebenes Stabmikroskop scheint nicht nur durch seinen Clip vorzüglich geeignet, diese Faszination ein wenig wiederzubeleben (Telefon 02309/93900, ab 58 Euro).

          Entwickelt wurde das Mikroskop vom Fürther Unternehmen Matthäus Walther, um nach Verkauf an den 1850 gegründeten Kompaßspezialisten C. Stockert & Sohn im selben Ort weitergefertigt zu werden. Unsere Ausführung vergrößert wahlweise 40-, 50- und 60fach. Sie hat eine farbkorrigierte Optik in ihrem schwarzen Metalltubus, an dessen oberem Ende ein brillenglasschützender Einblick aus Kunststoff angebracht ist. Das antipodische Ende ist geformt wie das Mundstück einer Blockflöte. Der auf einer Seite aufgeklebte Minispiegel beleuchtet das Objekt, das tunlichst erst mit kleiner Vergrößerung zu betrachten ist. Erschreckend, wie dann der Tintendrucker den Gedankenstrich auf das Papier rotzt. Aber schön, wie Wasserkrebschen durch den Tropfen schwimmen und Kiefern- von Tulpenpollen unterscheidbar werden. Ein Dreh, und der Tubus läßt sich auf die höheren Vergrößerungen verlängern. Zur ruhigen Betrachtung setzt man ihn auf und spiegelt dem Objekt Licht zu. Am besten Sonnenlicht, denn wer bisher nur zwischen Lupe und professionellem Mikroskop wechselte, wird den Zwischenbereich etwas dämmrig finden. Die Innenfokussierung arbeitet präzise-sanft, ohne daß sich dadurch die Länge des Tubus ändert oder gar der Spiegel aus dem Licht gedreht wird. In unser Exemplar ist eine Meßskala von einem Millimeter Länge eingeätzt, die 50 Striche in Intervalle von 0,02 Millimeter zerlegen. Nichts zwischen Kieselalgen und Blattporen ist vermessen genug, um nicht in seinen Ausdehnungen bestimmbar zu sein.

          Das Stabmikroskop ist eine schöne Idee in einer gelungenen Ausführung, die Lust auf ein richtiges Mikroskop mit dem ganzen Zauber von Hell- und Dunkelfeldbeleuchtung macht.

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