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Messinstrumente für Rio : Bis auf das Millionstel einer Sekunde genau

Noch mit dem Auge erkennbar, wer hier gewonnen hat. Bild: Picture-Alliance

Bei den Olympischen Spielen geht es um Hundertstelsekunden. Die Messinstrumente kommen, natürlich, aus der Schweiz.

          6 Min.

          Im Sommer des Jahres 1932 macht sich ein Schweizer Uhrmacher auf eine lange Reise. Mit Zug und Schiff legt er mehr als 10.000 Kilometer zurück, bis er schließlich an der amerikanischen Westküste landet. Dabei hütet er ein Gepäckstück wie seinen Augapfel: den Koffer mit 30 Stoppuhren. Denn sie stehen vor einem wichtigen Einsatz. Die Chronometer der Marke Omega sollen die Zeiten der Athleten messen, die in der ersten Augusthälfte 1932 an den Olympischen Spielen in Los Angeles teilnehmen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Bis zu diesen Wettkämpfen hatten die Kampfrichter einfach ihre eigenen Uhren mitgebracht. Dabei handelte es sich um unterschiedliche Fabrikate, die nicht alle genau gleich liefen. Das schrie zum Himmel, und das Internationale Olympische Komitee (IOC) erkannte: Wir müssen etwas tun. Man beauftragte die Schweizer Uhrenmanufaktur Omega mit der Zeitmessung. Der Name des im Jahr 1848 gegründeten Herstellers steht bis heute im Zusammenhang mit der Zeitnahme beim größten Sportereignis der Welt - auch wenn längst die Schwestergesellschaft Swiss Timing für das High-Tech-Geschäft verantwortlich ist. Omega und Swiss Timing gehören zur Swatch-Gruppe, dem größten Uhrenkonzern der Welt.

          Es braucht heute auch schon etwas Gewicht, um als Uhrenanbieter im Sport auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Die Dimensionen haben sich enorm verändert: An den Sommerspielen des Jahres 1932 nahmen 1300 Sportler aus 37 Ländern teil; in diesem August treten in Rio de Janeiro fast 10.000 Athleten mit 206 Nationalitäten an. Den 30 Handstoppuhren von anno dazumal stehen in Brasilien 450 Tonnen Material gegenüber, das einzig und allein dazu dient, Laufzeiten oder Wurflängen ruckzuck auf die Hundertstelsekunde oder den Zentimeter genau zu ermitteln und die Ergebnisse blitzschnell weiterzuleiten.

          Wem die Glocke schlägt Bilderstrecke

          Die Vorbereitungen begannen schon vor drei Jahren. Mitarbeiter von Swiss Timing waren sogar in den Bau der Stadien involviert, um dort die notwendige Verdrahtung sicherzustellen. Insgesamt wurden 200 Kilometer Kabel verlegt. Während der Spiele in der brasilianischen Stadt sind zudem fast 500 geschulte Zeitmesser am Start, die von 850 Freiwilligen unterstützt werden. Die Anspannung ist entsprechend groß.

          "Wir dürfen keine Fehler machen", sagt Alain Zobrist, der Chef von Swiss Timing. "Wir können den Marathonläufern ja nicht sagen: ,Sorry, das mit der Zeitmessung hat irgendwie nicht geklappt, lauft bitte nochmal von vorne los.'" Der 33 Jahre alte Schweizer Manager, selbst begeisterter Hobby-Sportler, fühlt sich verantwortlich gegenüber den Athleten, von denen viele ihr Leben lang auf das große Ziel hin trainierten, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen. Will heißen: Dem Sportler mag im Schlussspurt die Puste ausgehen, oder er mag bei der letzten Hürde ins Straucheln geraten - aber er sollte keinesfalls von handwerklichen Fehlern Dritter um den Lohn seiner Mühen gebracht werden. Dazu indes musste das schwächste Glied in der Messkette weitestgehend unschädlich gemacht werden: der Mensch.

          Genau daran tüfteln tagaus, tagein die 450 Mitarbeiter von Swiss Timing. Das Testlabor am Firmensitz in Corgémont, einem kleinen Ort im Kanton Bern, sieht aus wie die Werkstatt von "Q", dem spleenigen Tüftler aus den James-Bond-Filmen. So wie "Q" seinem Geheimagenten 007 für jede Schurkenjagd eine neue technische Wunderwaffe übergibt, so lassen sich Zobrist und seine Leute auch alle vier Jahre für Olympia etwas Neues einfallen. Ihr neues Herz der Zeitmessung heißt "Quantum" und kommt erstmals in Rio groß zum Einsatz.

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