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Messer : Scharf sein ist eben nicht alles

  • -Aktualisiert am

Kein Halsabschneider: Scharfe Zier von Moki Bild: Pardey

Hand aufs Herz, wer braucht ein Tomatenmesser? Niemand wirklich. Auch kein Grapefruitmesser? Aber doch eins für Stollen? Die Welt der Messer und ihrer Einsatzgebiete ist vielfältiger, als man zunächst glauben möchte.

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          Wer Carsten Bothe, der sich schon mal zu Zwecken der Demonstration den Unterarm mit seinem Jagdmesser enthaart, nach der Notwendigkeit des Wellenschliffs beim Tomatenmesser fragt, erntet nur ein nachsichtiges Grinsen. Für Bothe ist jedes Messer ein Tomatenmesser - unter der Voraussetzung, dass es ordentlich geschärft wurde. Genau das versucht der Niedersachse den Leuten beizubringen - in Büchern und Videos, mit Bandschleifer und Schwabbelscheibe. Aber dass ein Messer scharf sein muss, ist nur die halbe Wahrheit.

          Seit der Steinzeit, als der Messermacher seine Angebetete mit einem besonders fein abgesplitterten Feuerstein zu bezirzen versuchte, ist das Messer einerseits ein Universalwerkzeug, das andererseits an den Verwendungszweck und seinen Benutzer aufs genaueste angepasst sein kann und sein sollte. Deshalb gibt es nicht nur Messer in den verschiedendsten Größen, sondern auch die unterschiedlichsten Typen. In dem gut sortierten Frankfurter Fachgeschäft Dotzert sind wir mit der Inhaberin überschlägig auf ein aktuelles Angebot von etwa siebenhundert verschiedenen Messern gekommen.

          „Combat“ und „Kalashnikov“ einmal ausgenommen

          Lassen wir als Erstes alles beiseite, was sich mit Begriffen wie „Tactical“ oder „Combat“ schmückt, die richtigen Halsabschneider und Totstecher also - und auch das, was bloß Kalashnikov heißt und nach Militär aussieht. Soll derlei sammeln und sich in die Vitrine oder aufs Buffet stellen, wer mag, genauso wie die Kunstobjekte in Messerform und die Fantasyschwerter der Elben von Mittelerde oder das Handwerkszeug des Samurais. Auch was Tool genannt wird und einer faltbaren Kombizange mit Messerklinge im Handgriff gleicht, bleibt außen vor wie alles, was zum sportlich-kunstvollen Werfen gedacht ist oder artigerweise nur Briefe aufschlitzt. Der Satz „Jedes Messer kann ein ,Tactical Knife', also ein Kampfmesser, sein“ ist fraglos richtig. Aber auch wenn man sich nur mit den Messern beschäftigt, die ausdrücklich keine Waffen, sondern friedliches Werkzeug sein wollen, kommt man so schnell an kein Ende.

          Borstig: Opinel Pilzmesser

          Schauen wir uns doch einmal zwischen Wurstkessel, Fischteich und Küche um: Es gibt ja nicht nur das Butter- und das Käsemesser, und die in unterschiedlichen Größen und für ganz Hartes oder Weich-Klebriges optimiert; es gibt Spick- und Schälmesser, das Tournier-, das Steak-, das Schinken- und das Aufschnittmesser oder das handliche Officemesser, das für alles Mögliche in der Küche gut sein will. Vom Jagd- und Schlacht- über das Ausbeinmesser begleiten spezialisierte Schneidwaren natürlich schon die gröbere Fleischzurichtung, bis dann das Hackmesser an der Verkaufstheke ein Kotelett sauber abtrennt, wenn Rinderspalter und Fleischersäge längst ihren Dienst getan haben.

          Fisch mit Messer?

          Nicht anders bei allem Essbaren, das aus dem Wasser kommt: Das Anglermesser mit dem schweren Knauf des Fischtöters arbeitet vor dem Filetiermesser, das jetzt geächtet werden soll (siehe „Drucksache 701/07“), und wenn die geräucherte Lachsseite zu mundgerecht hauchzarten Happen werden soll, gibt es dafür natürlich wiederum ein Spezialmesser, genauso wie das Öffnen von Austern unterschiedlich brachial mit scharfkantig brechender oder schneidender Klinge geschehen kann. Dass zum Tranchieren einer Pute oder einer Rehkeule bei Tisch ein besonderes Besteck gehört und dass man auf seinem eigenen Teller dem Filet vom Rind genauso wie einem kompletten Rouget à la Catalane abermals mit Spezialmessern des Bestecks zu Leibe rückt, sei als Allgemeingut betrachtet.

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