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Messe Ispo 2020 : Fasern for future

Maske runter: In der Outdoorbranche setzen immer mehr Unternehmen auf Transparenz hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks. Bild: dpa

Alles wird gut. Die Rettung des Planeten ist im Gange. Den Eindruck jedenfalls vermittelte die Ispo 2020 in München, wo ein Thema alles andere überstrahlte: Nachhaltigkeit in allen Facetten. Und ja, schöne Skier gab es auch.

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          Chemikalieneinsatz, fossile Rohstoffe, Plastikmüll, Transport-Irrsinn, Schweinereien in der Produktion, gigantischer Energie- und Wasserverbrauch – all das treibt die Wintersport- und Outdoorindustrie um. Sie will das hinter sich lassen. Einige Vorreiter wollen das schon eine ganze Weile, arbeiten seit geraumer Zeit daran, die Kurve zu kriegen. Aber die Vehemenz, mit der die Branche insgesamt sich vergangene Woche in das Thema verkrallte, war erstaunlich.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Hatte man in zurückliegenden Jahren beim Messerundgang das Gefühl, vorwiegend Mikroplastik einzuatmen, wehte diesmal wieder so etwas wie frische Bergluft durch die Münchener Hallen. Der großen Schau rund um Fitness, Fun und Fasern gelang es, ein kräftiges Signal zu setzen.

          Sei es aus Überzeugung, sei es aus Kalkül: Fast alle sind aufgesprungen auf den Zug. Wer als Unternehmen nicht mitzieht, ist bald weg vom Fenster, lautet die allgemeine Einschätzung. Kaum einer, der jetzt nicht eifrig Öko-Zertifizierungen ins Feld führt, mit den Schlagworten Nachhaltigkeit und Verantwortung operiert, CO2-Kompensation und Kreislaufwirtschaft proklamiert, über Fairtrade und Fußabdruck philosophiert, auf Regionalität setzt sowie den freundlichen Reparaturservice zur Verlängerung von Lebenszyklen der Produkte. Einer recycelt mehr als der andere. Eine Zahl in diesem Zusammenhang: 1,5 Milliarden Plastikflaschen hat der Faser- und Stoffhersteller Polartec aus Amerika eigenen Angaben zufolge seit 2012 wiederverwertet.

          Zweifellos passiert schon eine ganze Menge. Ob nun die junge Generation die Branche durch ein verändertes Konsumverhalten vor sich hertreibt, wie einige es formulieren, oder eher umgekehrt die Industrie die Verbraucher auf dem Weg in eine sauberere Klamotten-Ära mitziehen muss, ist durchaus umstritten. Bei manch einem Firmenlenker hört man Skepsis heraus und Frustration über das Missverhältnis zwischen gesellschaftlichen Diskussionen einerseits und tatsächlichem Kaufverhalten andererseits. Schnäppchenjagd und schnelllebige, sich zu Müllbergen türmende Wegwerfmode vertragen sich nicht mit Öko-Idealismus.

          Was sich erst noch zeigen muss: Wie viele Käufer sind bereit, höhere Preise zu zahlen? CO2-Ausgleich, Aufforstungsprojekte, veränderte Herstellungsverfahren, Recycling-Kreisläufe, Reparierdienstleistungen – das kostet. Und allen technischen Fortschritten zum Trotz, hört man hier und dort, ließen sich ökologisch unerwünschte Bestandteile nicht durchweg von heute auf morgen durch „Bio“ ersetzen, ohne dass Funktion oder Haltbarkeit von Sportkleidung beeinträchtigt würden. Was nicht funktioniere, sei auch nicht ökologisch, lautet eine gängige Weisheit, langlebige Produkte seien die nachhaltigsten.

          Schlau mit Schlaufen: Ungefärbte Recycling-Jacke von Adidas

          Wie dem auch sei. Es wimmelte auf der Ispo vor Produkten, die als besonders nachhaltig gepriesen werden. Adidas präsentierte den Prototypen eines Futurecraft.Loop genannten Anoraks, der in Partnerschaft mit Parley und Primaloft entstand. Die Jacke repräsentiere „all das, wofür wir in Zukunft stehen wollen“, teilte ein Sprecher mit. Sie besteht im Sinne des einfachen Recyclings aus „Mono-Material“, also zu 100 Prozent aus Polyester, weist weder Knöpfe noch Klett- noch Reißverschlüsse auf, kann geschreddert, zu Granulat und zu neuem Garn verarbeitet werden, ohne dass zuvor etwas getrennt werden muss. Zudem wird keine Farbe verwendet, sondern das ursprüngliche Milchweiß des Polyesters beibehalten.

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