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Messe Ispo 2020 : Fasern for future

Sparsam mit Farbe: Trailrunnigschuh von Merrell

Mit dem Weglassen von Farbe oder zumindest der Spinndüsenfärbung der Fäden anstelle eines späteren Färbens der Kleidungsstücke lässt sich den Herstellern zufolge der Verbrauch von Wasser, Energie und Chemikalien mindern, allerdings zu Lasten der Fähigkeit, flexibel auf Farbwünsche aus dem Handel reagieren zu können. Das amerikanische Unternehmen Merrell bietet vier Laufschuh-Modelle in farbigen, aber auch ungefärbten, polyesterweißen Recycling-Versionen an, was in der Produktion den Wasserverbrauch um rund 80 Prozent reduzieren und den Energieverbrauch halbieren soll. 115 Euro beispielsweise kostet der Trailrunnig-Schuh MTL Skyfire mit dem Namenszusatz Undyed, also ungefärbt.

Noch einmal zum Adidas-Anorak, der Vorbote sein soll für erste Produkte dieser Art, mit denen der Konzern im Herbst 2020 auf den Markt kommen will. Für die isolierende Füllung verarbeitet Primaloft nicht sortenreine Pet-Flaschen, sondern an Küsten gesammelten und aus Gewässern gefischten Plastikmüll aller Art. Die Aufgabe, aus inhomogenem, verdrecktem Müll brauchbares Kunststoff-Granulat zu erzeugen, das erhitzt werden und mittels Spinndüsen zu neuen Fasern verarbeitet werden kann, ist Primaloft zufolge erheblich anspruchsvoller. Mit Primaloft Bio bietet das Unternehmen zudem neuerdings ein recyceltes Polyester an, das auf Deponien oder im Meer biologisch abbaubar ist. Eine nicht näher genannte „spezielle Ausrüstung“ des Materials bewirkt, dass Mikroben es in ihren Speiseplan aufnehmen.

Vergänglich: Kompostierbare Daunenjacke von Klättermusen

Vaude verwendet Primaloft-Zutaten, die aus alten Fischernetzen ebenso wie aus Pet-Flaschen gewonnen werden, für die Manaku-Padded-Jacke; Hanffasern zählen zu den Bestandteilen des Außenmaterials. Plastikmüll aus Sri Lanka will YKK künftig in Reißverschlüsse verwandeln. Als Weltneuheit bezeichnet Klättermusen aus Schweden seine 700-Euro-Daunenjacke Farbaute, die bis auf Reißverschlüsse und Druckknöpfe kompostierbar sein soll. Bio-Baumwolle in Form von äußerst dünnen Fasern wird den Angaben zufolge durch eine spezielle Webtechnik winddicht und wasserabweisend. Jack Wolfskin polstert Rucksäcke mit Algenschaum, Bergans of Norway stellte einen Rucksack-Prototypen aus Holzfasern vor.

Wer eine Jacke trägt, trägt auch Verantwortung: Helly Hansens Elevation Infinity Shell Jacket

Die Bekleidungsmarke PYUA, die zum Portfolio des Münchener Investors Spin Capital gehört, reklamiert für sich, durch Zusammenarbeit mit Recyclingunternehmen einen geschlossenen Kreislauf der Wiederverwertung seiner Funktionstextilien hergestellt zu haben. Dank einer ausgeklügelten dreilagigen Gewebekonstruktion soll Helly Hansens Wintersportjacke Elevation Infinity Shell wasserdicht sein, ohne Membran, ohne Chemie. Dass Meeresmüll-Recycling vor der Unterhose nicht halt macht, veranschaulichte Odlo anhand einer Boxershort namens Active Everyday SUW.

Bio läuft: Der „vegane“ Joggingschuh von Veja

Tentree aus Kanada pflanzt je verkauftem Textil zehn Bäume, sieht sich eigener Darstellung zufolge eher als Baumpflanzunternehmen, das seine Mittel durch den Verkauf von umweltfreundlich hergestellter Kleidung (Kokosnussknöpfe!) aufbringt, als umgekehrt. Einen „veganen“ Laufschuh bringt das in Brasilien produzierende französische Unternehmen Veja auf den Markt. Das 140 Euro kostende Modell Condor besteht zum Teil aus wiederverwertetem Kunststoff, zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie Rizinusöl, Zuckerrohr, Wildkautschuk sowie Reisabfällen. Traditioneller Kleber lasse sich noch nicht vermeiden, wie auf Nachfrage eingeräumt wurde.

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