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Metallbaukästen : Der Spaß hat ein Loch

  • -Aktualisiert am

Große Tradition: Rennwagenminiaturen Bild: Peter Thomas

Das Original gewann 1931 die Mille Miglia. Als Metallbaukastenmodelle sind im vergangenen Herbst gleich zwei Varianten des Mercedes-Benz SSKL präsentiert worden.

          5 Min.

          Das Prinzip des Metallbaukastens wird der berühmte Rennfahrer Rudolf Caracciola sicher gekannt haben. Denn er feierte seine großen Erfolge von der Mitte der zwanziger Jahre bis Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und erlebte den Neubeginn des Rennsports nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv mit. In dieser Zeit erlebte auch das Konstruktionsspielzeug aus standardisierten Lochblechen, Schraubverbindungen und anderen Bauteilen eine Blütezeit. Ob dem in Remagen geborenen Motorsportler aber die Verwandtschaft zwischen seinem Mercedes-Benz SSK mit Erleichterungsbohrungen im Rahmen (später unter dem Kürzel SSKL berühmt geworden) und den gelochten Elementen der Systeme wie Märklin und Meccano aufgefallen ist?

          Beim Treffen des Freundeskreises Metallbaukasten im vergangenen Herbst ließ sich über diese Parallele bestens sinnieren. Denn dort waren gleich zwei Modelle des Rennsportwagens zu erleben: eine silber-grüne Miniatur aus Teilen der zueinander kompatiblen Systeme Meccano und Märklin im Maßstab 1:8 von Fabian Kaufmann und ein Modell in den klassischen Farben des Märklin-Systems (Grün, Rot, Blau und Schwarz) im Größenverhältnis 1:4,5 von Wilfried von Tresckow.

          Was der Betrachter im Gespräch mit den Konstrukteuren schnell merkte: Die Modelle waren nicht nur verkleinerte Abbilder historischer Fahrzeuge, sondern erzählten auch ihre ganz eigenen Geschichten: Narrative des Maschinenbaus im Miniaturformat, die von der Suche nach kreativen Lösungen auf kleinstem Raum handeln, von der Ästhetik der Schraubverbindung und vom Ringen mit der Form des Originals.

          Göppinger Gene: Der SSKL von Wilfried von Tresckow Bilderstrecke
          Kleine Bastelei : Narrative des Maschinenbaus im Miniaturformat

          Die beiden Rennwagenminiaturen stehen damit in einer großen Tradition. Denn Funktionsmodelle nach dem Vorbild echter Kraftfahrzeuge gehörten schon früh zu den typischen Konstruktionen, die aus Metallbaukästen entstanden. Einige Motorsportmodelle gab es auch als Themenbausätze, beispielsweise einen Bugatti-Rennwagen von Trix und einen Formel-1-Monoposto von Meccano – beide Artikel sind schon lange aus dem Spielwarenhandel verschwunden. Wer Nutzfahrzeuge und Landmaschinen mag, der wird aber heute noch bei Sets von Merkur (zum Beispiel ein Zetor-Traktor mit Hänger) und Tronico (bis hin zum großen Claas Lexion 770 Mähdrescher) fündig.

          Viel Aufwand für die Gangschaltung

          So richtig passen solche auf ein einziges Modell zugeschnittenen Bausätze aber nicht zum Konzept des Metallbaukastens, das in seiner heutigen Form vor rund 120 Jahren von dem Briten Frank Hornby erfunden wurde. Schließlich soll doch die große Auswahl verschiedener Standardelemente den Bau von immer anderen technischen Modellen mit denselben Teilen erlauben. Dabei kann man sich einer Anleitung bedienen oder komplett frei planen. Dann liegt der große Reiz gleichermaßen in der Formgebung wie in der Nachbildung funktionierender Baugruppen –zum Beispiel einem Schaltgetriebe.

          Die Gangschaltung nahm auch bei Tresckows mehr als 18 Kilogramm wiegendem SSKL einen Gutteil der Bauzeit in Anspruch. Die Mechanik aus Messingzahnrädern und Stahlwellen ist ein im besten Sinne internationales Element, denn der Bauplan dafür stammt von einem britischen Meccano-Konstrukteur. Solcher Austausch findet in der weltweit vernetzten Szene der Metallbaukastenfreunde häufig statt. Sonst besteht der Rennsportwagen des schwäbischen Betriebswirts hauptsächlich aus Märklin-Teilen, dazu kommen auch Elemente des amerikanischen Baukastens Gilbert Erector, der Motor ist aus dem tschechischen Merkur-System gebaut.

          Im Jahr 1931 gewann Rudolf Caracciola mit einem Mercedes-Benz SSKL als erster nicht aus Italien stammender Rennfahrer das legendäre Straßenrennen Mille Miglia von Brescia nach Rom und zurück. Dass 90 Jahre später gleich zwei aufwendig konstruierte Modelle des Rennsportwagens aus einem zeitgenössischen Konstruktionsspielzeug Premiere hatten, war auch eine schöne Reminiszenz an den damaligen Motorsport­erfolg.

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