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Megabrücke : Auf zahllosen Stützen über das flache Wasser

  • -Aktualisiert am

42 Kilometer Brücke Bild: Maurer Söhne

Lange Brücken sind spektakulär, aber nicht unbedingt technisch anspruchsvoll. Jetzt hält den Weltrekord die neue Qingdao-Haiwan-Brücke im Osten Chinas - sie ist 42 Kilometer lang.

          4 Min.

          Die Qingdao-Haiwan-Brücke ist kein technisches Wunderwerk. Sie ist nur lang. Mit ihren 42 Kilometern hält sie momentan den Weltrekord unter den Straßenbrücken, gilt doch der unter tatkräftiger Mithilfe des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger vor elf Jahren fertiggestellte zwölf Kilometer längere Bang Na Expressway in Bangkok lediglich als Hochstraße.

          Der neue Rekordhalter verbindet im Osten Chinas die Innenstadt von Qingdao, das von 1897 bis 1914 als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebiets Kiautschou“ diente, mit dem Stadtbezirk Huangdao und dem Flughafen Qingdao-Liuting. Die Brücke verkürzt den Weg zwischen den beiden Orten um rund 30 Kilometer; die Fahrzeit vermindert sich entsprechend. Und die Brücke kann mit einer weiteren Besonderheit aufwarten: Sie ist die erste Mammutbrücke, zu der eine Kreuzung hoch über dem Wasser gehört.

          Dieses Merkmal fehlt der 38,6 Kilometer langen, auf zahlreichen Pfeilern ruhenden Balkenbrücke „Pontchartrain“ bei New Orleans, die seit 1956 als längste Brücke der Welt galt. Ein Superlativ, den die Tsingtau-Brücke, so der deutsche Name von Qingdao und gleichzeitig Markenname eines nach deutschen Braugesetzen aus der Region stammenden Exportbiers, schnell wieder verlieren kann: Denn geplant sind allein in China zwei weitere Langbrücken. Deutlich die 40-Kilometer-Marke übersteigen wird eine aufgeständerte Fahrstraße zwischen Hongkong, Macao und Zuhai. Und noch länger soll die Danyang-Kunshan-Brücke werden, die im Zuge des Schnellbahnbaus zwischen Peking und Schanghai errichtet wird. Ihre Länge wird mit sage und schreibe 164 Kilometer angegeben. Auf ihr werden keine Autos, sondern Eisenbahnzüge rollen.

          Tausendfüßler: Rund 200 Dehnungsfugen schlucken in der Qingdao-Haiwan-Brücke die temperaturbedingten Längenänderungen

          Bewegungen von bis zu 1,12 Meter

          Lange Brücken dehnen sich an heißen Tagen aus und schrumpfen bei kühler Witterung. Damit sie das folgenlos überstehen, baut man zwischen die auf den Pfeilern abgesetzten Fahrbahnträger Lamellenfugen ein, die im Fall der Weltrekordbrücke von dem Münchner Unternehmen Maurer Söhne stammen, dem Marktführer unter den Herstellern von Brückenübergängen und Dehnfugen. Knapp 200 Stück wurden in nur fünf Monaten in München gefertigt und auf die Baustelle nach China verschifft. Ein Rekord, der nach Aussage von Projektleiter Wolfgang Fobo von Maurer Söhne nur „dank eines Gewaltaktes“ geschafft wurde.

          Die Dehnungsfugen der Tsingtau-Brücke bringen es zusammengerechnet auf eine Ausgleichsstrecke von 3359 Meter. Zwar müssen vom Gros der Übergänge lediglich Dehnwege von bis zu 32 Zentimeter aufgenommen werden. Einen deutlich größeren Schlupf haben nur die Dehnungsfugen im Bereich der zentralen Schrägseilbrücke, die mit einer deutlich größeren Spannweite die Durchfahrt der Schiffe ermöglicht. Von den hier auf beiden Seiten der Hochbrücke eingebauten Fugen können Bewegungen von bis zu 1,12 Meter klaglos kompensiert werden.

          Wie eine Ziehharmonika

          Und wie funktionieren Dehnungsfugen? Je nach Hersteller fallen die Systeme etwas unterschiedlich aus, aber das Grundprinzip ist stets gleich: Zwischen die an Eisenbahnschienen erinnernden „Lamellen“ der Übergänge wird ein V-förmiges Dichtungsband aus Gummi eingeklemmt, das sich auseinanderziehen und zusammendrücken lässt, aber auch Wasser und Dreck zurückhält. Ein solches Gummiband kann einen Dehnweg von sechs bis sieben Zentimeter überbrücken. Ist die Strecke länger, werden mehrere Lamellen nebeneinander eingebaut, so dass sich der Gesamtdehnweg vergrößert.

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