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Mechanische Uhren : Sprunghafte Sekundenzeiger

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Richard Lange Springende Sekunde Bild: Häußermann

Der zuckende Sekundenzeiger entlarvt einen Zeitmesser als Quarzticker – oder als eine besonders hochwertige mechanische Uhr. Hier sind drei Beispiele.

          Am Sekundenzeiger sollt ihr sie erkennen. Bei einer mechanischen Armbanduhr gleitet er gleichförmig übers Zifferblatt, bei einer Quarzuhr springt er einfach von Sekunde zu Sekunde. Es ist die Frage des Antriebs und dessen Steuerung. Ein von Federkraft angetriebenes Armbanduhrwerk wird von einer Unruh gesteuert, die gemeinhin mit 4 Hertz – also 28.800 Mal je Stunde – hin- oder herschwingt, das sind acht Halbschwingungen in der Sekunde. Deshalb zuckt der Sekundenzeiger auch achtmal je Sekunde vorwärts, was unser Auge als eine schleichende Bewegung wahrnimmt.

          Batteriegetriebene Uhren werden elektronisch von einem Schwingquarz gesteuert, der millionenfach schneller schwingt als die Unruh einer mechanischen Uhr, im Regelfall mit 4 Megahertz. Das sorgt zwar für hohe Präzision bei der Zeitmessung, doch die hohe Frequenz äußert sich nicht in einer fließenden Bewegung des Sekundenzeigers. Im Gegenteil, dieser springt nur einmal je Sekunde – angetrieben von einem Schrittschaltmotor, der seine Energie ebenso wie der Schwingquarz von einer Batterie bezieht. Die Preise für Quarzuhren, die nach dem letztgenannten Prinzip funktionieren, beginnen schon im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich. Dennoch sollte man Zeitmesser mit springenden Sekundenzeigern nicht pauschal als Billigticker abqualifizieren. Erstens täte man hier vielen qualitativ hochwertigen elektronisch gesteuerten Uhren unrecht. Und zweitens muss die springende Sekunde nicht zwingend auf eine Quarzuhr hindeuten.

          Es kann sich auch um eine hochwertige mechanische Uhr handeln, für deren Konstruktion sich der Uhrmacher gehörig den Kopf zerbrochen hat. Schließlich gilt es, die Uhrwerksfrequenz von 4 Hertz in eine Zeigerfrequenz von 0,5 Hertz zu untersetzen.

          Classica Secunda von Sattler Bilderstrecke

          Dazu muss er ins Zeigerwerk eingreifen, dabei aber negative Einflüsse auf die Hemmung – und damit die Ganggenauigkeit – vermeiden. Deshalb scheidet eine direkte Untersetzung über Zahnräder aus. Als gute Lösung erweist sich ein Remontoir, auch Nachspannwerk genannt, das außerhalb des Kraftflusses vom Räderwerk zu Unruh, Anker und Ankerrad angeordnet ist. Das funktioniert, stark vereinfacht, so: Das Rad, auf dessen Achse der Sekundenzeiger sitzt, wird mit einem Hebel blockiert, während eine mit diesem Rad verbundene Feder durch das sich ständig vorwärts bewegende Räderwerk aufgeladen wird. Nach einer Sekunde gibt der Hebel das Rad frei, das nach vorne schnalzt und nach dem Sekundensprung wieder aufgehalten wird. Was sich hier so einfach anhört, ist mechanisch äußerst komplex und auf verschiedenen Wegen zu erreichen.

          Deshalb setzen die Hersteller der drei vorgestellten Uhren alle auf unterschiedliche Konstruktionen, die wir hier aber nicht im Detail erklären wollen, das würde den zur Verfügung stehenden Raum sprengen. Möglicherweise sprengt eine solche Uhr auch das Budget. Die sächsische Manufaktur A. Lange & Söhne legt den Verkaufspreis für die Richard Lange Springende Sekunde im massiven Roségoldgehäuse auf 74 500 Euro fest. Als Gegenwert bekommt man einen noblen Zeitmesser mit extravaganter Erscheinung – zum Beispiel einem Zifferblatt mit drei sich überlappenden Skalenkreisen für Stunden, Minuten und ebendie springende Sekunde. Genau 100 Stück werden weltweit verkauft und weitere 100 Exemplare im Platingehäuse für 79 600 Euro. Um eines dieser Stücke zu ergattern, braucht es nicht nur ein gutgefülltes Portemonnaie, sondern auch einen guten Kontakt zum Konzessionär.

          Deutlich günstiger ist die Geophysic True Seconds, eine schlichte Stahluhr, die den Pelz nach innen trägt. Das Schweizer Manufakturprodukt, das vom hauseigenen Kaliber JLC 770 angetrieben wird, steht mit genau 9050 Euro in der Preisliste. Gerade 50 Euro mehr verlangt der bayerische Uhrenhersteller Sattler, der hauptsächlich hochwertige Wand- und Standuhren baut, für seine Armbanduhr Classica Secunda, deren Regulatorzifferblatt einer Präzisionspendeluhr des Hauses nachempfunden ist. Das Uhrwerk dafür haben Maria und Richard Habring konstruiert, die im österreichischen Völkermarkt eine eigene Uhrenmanufaktur betreiben und hier ebenfalls Uhren mit springender Sekunde bauen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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