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Online-Gourmet-Service : Wenn der Kurier edles Essen auf Tellern bringt

Eine Vorspeise von MChef, einem Online-Gourmet-Service Bild: Dettweiler

Der Online-Service MChef bringt edle Küche an den heimischen Esstisch. Das macht Spaß, hat seinen Preis und benötigt in der Küche eine technische Innovation.

          3 Min.

          Freitagabend, Freunde kommen zu Besuch. Sie erwarten ein gemütliches Essen, aber leider war wieder mal keine Zeit zum Einkaufen. Da hilft nur der Klassiker: Pizza bestellen. Von einem guten Italiener, auf dem Porzellanteller serviert, mit einem Rotwein aus dem Keller, ist das keine schlechte Variante. Aber: Das Essen ist nicht mehr heiß, weil es eine halbe Stunde durch die Welt gefahren wurde, es fehlen Vor- und Nachspeise, und es ist halt nur eine Pizza.

          Wieder ein Freitagabend, einen Monat später. Die Freunde sitzen am Tisch, vor ihnen rechteckige weiße Porzellanteller mit kleinen Saucenkännchen. Auf dem ersten liegt ein Rote-Bete-Carpaccio mit Kürbiskern-Vinaigrette, rosa Meerrettich und gebrannter Ziegenkäsecreme, dazu Apfel-Chutney und Cracker. Auf dem zweiten Teller Vitello Tonnato vom Kalbsrücken an einer Demiglace mit mariniertem Grillgemüse und Thunfischsauce. Auf dem dritten ein Tatar vom schottischen Lachs mit marinierten Gambas in Kokos und Limette, Koriandercreme, Quinoa-Fenchel-Salat und Gemüsecrumble. Dazu ein Roero Arneis aus dem Piemont.

          Bestellt wurde das Essen wieder im Internet – aber diesmal bei MChef, einem Online-Gourmet-Service. Bisher kommt nur Nordrhein-Westfalen in diesen Genuss, von Januar 2019 an ganz Deutschland. Die Bestellung muss am Vortag bis zwölf Uhr abgeschlossen sein, man muss sich als Kunde registrieren und kann dann auswählen zwischen Vor-, Haupt- und Nachspeisen oder fünf verschiedenen Menüs sowie 18 Rot- und Weißweinen. Alle Speisen sind auf der Homepage abgebildet und ausführlich beschrieben. Die Lieferung kommt per Kurier am Tag des Essens, ein Zeitfenster von zwei Stunden lässt sich bestimmen. Bestätigung und Rechnung werden per Mail versandt.

          In solchen Kisten kommt das Essen mit dem Kurier an. Bilderstrecke

          Freitagmorgen, zehn Uhr, es klingelt. Der Kurier ist überpünktlich. Er stellt drei riesige schwarze Styropor-Kisten vor die Tür. Weithin sichtbare Pfeile weisen darauf hin, dass die Ware nur aufrecht und vorsichtig transportiert werden darf. Die Kisten fühlen sich kühl an. Das Trockeneis, das im Innern in einem seitlichen Fach für Kälte sorgt, hält 24 Stunden lang. Danach gilt die Garantie von MChef nicht mehr, nach der das Essen so gelingt, wie es sich die Köche vorgestellt haben. Deshalb steht auf den Kisten, wann das Essen eingepackt wurde, in diesem Fall um 20 Uhr. Man kann das Essen natürlich auch nach den 24 Stunden noch im Tiefkühlfach und im Kühlschrank lagern – wenn man Schubladen hat, die groß genug sind.

          Um 19 Uhr sind alle da. In der Küche werden die schwarzen Styropor-Kisten geöffnet. Darin sind Kartons gestapelt, in einem Fach liegt der gekühlte Weißwein – wie bei einer Pizzabestellung. Dieses Essen auf Rädern ist aber etwas exklusiver: Auf rechteckigen weißen Tellern ist schon alles so angerichtet, wie man es aus guten Restaurants kennt. Nur eben noch gefroren oder stark gekühlt und mit Folie überzogen, damit es beim Transport nicht verrutscht. Die Folie wird abgezogen, der Teller in den Backofen geschoben.

          Dialoggarer macht's möglich

          Für viele potentielle MChef-Kunden ist das der Haken: Die Speisen können nur in einem speziellen Backofen so erwärmt werden, dass sie aussehen und schmecken wie in einem guten Restaurant – in einem Dialoggarer. Das Gerät, das seit dem Sommer von Miele angeboten wird, kann Lebensmittel mit elektromagnetischen Wellen garen. Sie durchdringen aufgrund ihres Frequenzbereichs bei etwa 915 Megahertz die Lebensmittel gleichmäßig, sodass sie sich erwärmen, ohne ihre Konsistenz zu verlieren. So können Fleisch, Fisch oder Gemüse in Kombinationen gegart werden, die bisher nicht möglich waren. Eine Besonderheit ist der Dialoggarer aber auch preislich: Er kostet 8000 Euro.

          Dass er per Smartphone ferngesteuert werden kann, hat MChef für seine Zwecke genutzt. Die App sagt dem Ofen, was er mit dem Essen auf den weißen Tellern tun soll. Dazu wählt man in der MChef-App die Gerichte aus und startet den Dialoggarer. Durchschnittlich braucht ein Gang etwa 20 Minuten, dann können die Teller direkt vom Backofen auf den Tisch gestellt werden.

          Rinderfilet an Barolojus statt Pizza

          Um 20 Uhr am Freitagabend liegt statt der Pizza ein gebratenes Rinderfilet an Barolojus mit Gemüsestreifen in Mangold und Kartoffel-Trüffel-Gratin auf dem Teller, drapiert wie in einem Sternerestaurant. Daneben gibt es ein Saltimbocca von der Perlhuhnbrust an Korianderjus mit einem Duo von der Karotte und sizilianischem Couscous. Zum Schluss, bei einem Délice von weißer Schokolade und Pistazie mit Erdbeermark und Pistazien-Macarons auf Schokoladenerde oder Schokoladenpudding mit Vanillesauce und Erdbeertartelette, diskutieren die Gäste darüber, was von MChef zu halten ist.

          Über das hohe Niveau sind sich alle einig: Rind- und Kalbfleisch, Lachs, Gambas und Perlhuhnbrust überzeugen durch Saftigkeit, Konsistenz und Geschmack. Klassische Beilagen wie das Kartoffel-Trüffel-Gratin und spannende Kreationen wie die gebrannte Ziegenkäsecreme oder Koriandercreme lassen fast vergessen, dass das Essen im Internet bestellt wurde. Selbst mit viel Kocherfahrung, gut ausgestatteter Küche, ambitionierten Rezepten und guten Einkaufsmöglichkeiten für Fisch und Fleisch wäre es kaum möglich, an einem Tag solche Gerichte zuzubereiten.

          Die Menüs von MChef kosten zwischen 39 und 56 Euro. Die Vorspeisen starten bei 13 Euro, das teuerste Hauptgericht verschlingt 29 Euro. Hinzu kommt eine Liefergebühr von 15 Euro. Das sind Preise, wie man sie von gehobenen Restaurants kennt – so schmecken die MChef-Gerichte aber auch. Mit den Kisten-Lieferungen, die Radfahrer an die Tür bringen, hat dieses Essen wenig zu tun. Und auch nicht mit den Gerichten, die man sonst normalerweise zu Hause kocht.

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