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Massagepistolen im Test : Gun ohne Waffenschein

Die größere und teurere Theragun Elite für 400 Euro lässt sich besser greifen. Bild: Hersteller

Mit Theragun Mini und Elite friedlich die Muskeln massieren: Das schnelle Klopfen auf Arme und Beine lockert nicht nur die Tiefenmuskulatur. Eine App hilft auch dabei.

          2 Min.

          Die Wade ist verhärtet. Sie hat zugemacht, wie mancher Fußballer sagen würde. Nach zwei Kilometern Dauerlauf war es einfach so geschehen. Da hilft nur pausieren. Oder massieren. Wer solche Muskelprobleme auch an Nacken, Rücken, Oberschenkel oder Armen und kein Dauerabo beim Physiotherapeuten hat, kann versuchen, sich selbst zu heilen: Mit Gerätschaften, die einer Pistole ähneln. Die Hersteller heißen Hyperice, Oxaoxe, Flow, Orthogun oder Therabody.

          Um die Wade wieder geschmeidig zu machen, haben exemplarisch Theragun Mini für 200 Euro und Elite für 400 Euro zeigen sollen, was sie können. Es sei das einzige Produkt auf dem Markt, das von einem Arzt entwickelt wurde, sagt der Hersteller Therabody. Die Amerikaner haben ihre Geräte erst vor kurzem auf den deutschen Markt gebracht. Im Vergleich zur Konkurrenz haben sie mit die teuersten Produkte im Angebot.

          Schon beim Einschalten der kleinen Pistole Theragun Mini erschrickt man ein bisschen, mit welcher Frequenz und Kraft auf einmal der Ball an der Spitze sich hin- und herbewegt. Das ganze Gerät fängt an zu vibrieren wie ein leiser Presslufthammer und klopft mit 30 bis 40 Hertz 16 Millimeter tief in die Muskeln. Eine befreundete Physiotherapeutin war äußerst skeptisch, als wir ihr Theragun Mini zeigten, weil sie Sorgen um Lymphbahnen und Gefäße hatte.

          Während wir wegen eines Schulterleidens eine Praxis aufsuchten, packten gleich zwei Physiotherapeuten eine Pistole aus, um den Trizeps zu lockern. Sie nutzen das Gerät von Hyperice, um ihre Patienten zu massieren. Das tun laut Therabody die Physiotherapeuten von englischen Fußballvereinen wie Manchester City oder FC Liverpool und amerikanische Footballteams wie New England Patriots oder New York Giants mit den Theraguns.

          Den Aufsatz zieht man einfach ab. Bilderstrecke
          Im Test : Massagepistolen

          Wer ob der Schlagkraft einer Theragun besorgt ist, kann die Stärke des Drucks und somit die Tiefe des Eindringens in den Muskel sowie die Frequenz jederzeit selbst bestimmen. So haben wir anfangs die Kugel sanft über die Haut gleiten lassen, so dass sie nicht allzu tief in die Muskulatur dringen kann, wenn die Hand nicht stark dagegen drückt. Nach zwei Minuten sollte eh Schluss sein, empfiehlt Therabody. Mit Hilfe der App ist die Maximalzeit einfach einzuhalten, weil sie die Dauer misst und danach das Gerät stoppt. Sie zeigt auch, welche Muskelpartien massagebedürftig sind, wie man Theragun Elite halten und welchen Aufsatz man wählen soll.

          Es liegen bei dieser teuren Variante sechs verschiedene Aufsätze bei, die sich nach Härte und Form unterscheiden. Das Modell Elite kostet doppelt so viel wie Mini, hat dafür einen stärkeren Akku, lässt sich besser greifen und zeigt Batteriestand und Frequenz auf einem kleinen Display an. Das ist komfortabel. Aber das Charmante an Mini ist die kompakte Größe.

          Das schnelle Klopfen auf Arme und Beine lockert nicht nur die Tiefenmuskulatur. Therabody beruft sich auf Erkenntnisse der perkussiven Therapie: „Sie steigert den Blutfluss, verhindert und beseitigt Verklebungen, schafft eine Mechanotransduktion, hydratisiert das Gewebe, entlastet periphere Nerveneinschränkungen, stimuliert den Gewebeumbau, reduziert Schmerzen und Dehnungsempfindlichkeit.“ Im Gespräch fallen noch Begriffe wie Reperfusion und Gate-Control-Theorie.

          So tief wollten wir weder in die Materie noch in den Muskel eindringen. Um die Muskeln vor der nächsten Verhärtung zu bewahren, wanderte der weichste Aufsatz immer wieder ohne großen Druck die Arme und Beine hinauf und hinab. Der Nacken war übrigens für uns tabu. Das tut gut, macht Spaß, zeigt Wirkung und hinterlässt noch ein paar Minuten ein schönes Kribbeln auf der Haut. Therabody empfiehlt ebenso eine Massage der Fußsohlen. Dann könne man besser einschlafen. Na dann: Gute Nacht.

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