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Linguatec Voice Pro 12 : Elektronischer Horchposten mit Microsoft-Genen

Ferner: Während bei Dragon eine in vielerlei Weise bedienbare Korrektur zum Einsatz kommt, ist das Voice-Pro-Verfahren ebenso unausgereift wie beim Original von Microsoft. Steht keine Alternative parat, lässt sich der richtige Begriff keineswegs flink mit der Tastatur eingeben. Man muss vielmehr buchstabieren, und das ist im praktischen Einsatz so mühselig und zeitaufwendig, dass sich damit der Einsatz von Voice Pro im professionellen Umfeld eigentlich schon erledigt hat. Zudem fehlen etliche der raffinierten Dragon-Kommandos, die beim Ausbügeln von typischen Erkennungsfehlern ungemein hilfreich sind, etwa „Auswahl verbinden“, um mit diesem einen Befehl aus „Polizei Auto“ ein „Polizeiauto“ zu machen.

Wenn es um das letzte Quentchen Präzision geht

Wenn man sich länger mit Voice Pro 12 beschäftigt, stößt man also an Grenzen. Im Vergleich erscheint uns Dragon Naturally Speaking wie eine riesige Maschine, in der man an allen Ecken und Enden kleine Stellschrauben justieren kann, um das Programm auf seinen persönlichen Sprach-, Schreib- und Diktierstil einzustellen. Das ist gewiss anstrengend, man lernt nie aus und benötigt häufig die Hilfe von Experten, aber dafür entschädigen die Ergebnisse. Voice Pro 12 hingegen ist in vieler Hinsicht einfacher. Zwar gibt es die Möglichkeit, Formatierungsoptionen einzusetzen und stets falsch Erkanntes durch den gewünschten Begriff ersetzen zu lassen. Aber man kann beispielsweise das mitgelieferte Vokabular nicht einsehen, bearbeiten oder mit lautsprachlichen Hinweisen auf die Aussprache versehen. Nur selbst hinzugefügte Begriffe lassen sich anzeigen, bearbeiten und löschen (leider nur einzelne Wörter, nicht en bloc). Auch aus diesem Grund ist Dragon für den Vielnutzer, der sich ernsthaft mit der Technik beschäftigen will, die bessere Wahl. Die vergleichbare Dragon-Version 10 „Preferred“ kostet derzeit bei Amazon rund 110 Euro.

Die spannende Frage nach der Güte der Erkennung kann selbstredend nicht mit einer simplen Prozentzahl beantwortet werden. Das gilt für jede Spracherkennung. Bei einfachen Texten mit bekanntem Vokabular überschreitet Voice Pro ebenso wie Dragon Naturally Speaking 10 mühelos die 95-Prozent-Grenze. Fehler bei der Groß- und Klein- sowie Getrennt- und Zusammenschreibung machen beide Programme. Voice Pro 12 liegt aber sehr häufig bei Kasus und Genus falsch, hier ist Dragon haushoch überlegen. Insgesamt kann man mit Voice Pro 12 sehr schnell sehr überzeugende Ergebnisse erreichen, ein Programm für den Showroom also. Wenn es aber um das letzte Quentchen Präzision geht, ist es keine ernstzunehmende Konkurrenz für den Drachen.

Der Gebrauch zusammen mit Diktiergeräten enttäuscht

Auch der von Linguatec beworbene Einsatz mit Diktiergeräten ist bei näherem Hinsehen enttäuschend. Das stark komprimierende DSS-Dateiformat der professionellen Geräte von Olympus und Philips wird nämlich nicht unterstützt. Während der Arzt oder Anwalt mit Dragon seine unterwegs aufgezeichneten Diktate mittels Knopfdruck an die Spracherkennung abschickt, fehlt Voice Pro die entsprechende Schnittstelle. Der Hersteller meint, dass sich MP3- oder Wav-Dateien verarbeiten lassen und denkt bei „Diktiergeräten“ vermutlich an simple elektronische Notizbücher, die aber wiederum zum professionellen Diktieren ungeeignet sind. Man kann sich allerdings behelfen: die DSS-Datei manuell ins Wav-Format umwandeln und dann Voice Pro vorsetzen. Allerdings ist das Ganze doch erheblich aufwendiger als beim Dragon.

Wer Voice Pro benutzt, wird über kurz oder lang bei Dragon Naturally Speaking landen. Dass das wichtige und zukunftsweisende Thema Spracherkennung nun mit Voice Pro mehr Aufmerksamkeit findet, ist in jedem Falle begrüßenswert.

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