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Lieferdrohnen : Luftpost

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Hochfliegende Pläne oder bald Realität? Bild: dpa

Hochfliegende Pläne und ihre Realität: Das Thema Lieferdrohne mal ganz bodenständig betrachtet.

          Die Logistikdienstleister Hermes und DPD erwägen „Haustürlieferungen“, also die Lieferung von Sendungen bis zum direkten Einflussbereich des privaten Endkunden, aufgrund der Kosten künftig mit höheren Gebühren zu belegen. Eine Alternative, die weiterhin Lieferungen bis zum Kunden ermöglichen und dennoch eine Kostenreduzierung erzielen könnte, ist die Zustellung mit Lieferdrohnen. Im Gegensatz zu der landläufigen Vorstellung sind diese unbemannten Fahrzeuge allerdings nicht ausschließlich fliegende Logistikhelfer. Auch wenn Unternehmen wie Amazon sich fleißig Patente für futuristisch anmutende Technologien wie über den Wolken schwebende Warenlager in Verbindung mit Paket ausliefernden Flotten kleiner Flugdrohnen sichern, ist die Drohnenlieferung in der nahen Zukunft wahrscheinlich relativ bodenständig. Nicht zuletzt die potentiellen Gefahren von vom Himmel fallenden Objekten und die dadurch leidende Akzeptanz sorgen dafür, dass verschiedene Unternehmen an den Bürgersteig gebundene Alternativen entwerfen, welche die Lieferungen zum Kunden übernehmen sollen.

          So entwickelt beispielsweise Postmates den auf Gehwegen fahrenden Lieferroboter „Serve“. Postmates bringt Kunden mittels App mit lokalen Kurieren zusammen und ermöglicht die Lieferung jeglicher Produkte wie Mahlzeiten oder Kleidung aus jedem Restaurant oder Geschäft im Umkreis innerhalb weniger Minuten. Ausgestattet mit modernen Technologien für Navigation, Abstands- und Geschwindigkeitsmessung soll der strombetriebene, autonome Logistikroboter in der Lage sein, bis zu 23 Kilogramm zu transportieren, und dabei eine ungefähre Reichweite von 48 Kilometern aufweisen. Erste Lieferungen mit „Serve“ sollen schon in diesem Jahr in Los Angeles erfolgen.

          Auch Logistikkonzerne, die nicht nur lokal innerhalb bestimmter Radien agieren, zeigen Interesse an fahrenden Robotern. Diese Dienstleister könnten ihre bestehenden Logistikprozesse beibehalten und die „letzte Meile“ zum Kunden mit autonom fahrenden Robotern bedienen. Das Kurier- und Logistikunternehmen Fedex plant, seinen fahrenden Logistikhelfer „Sameday Bot“ noch in diesem Jahr in Testmärkten einzusetzen. Der Sameday Bot soll durch sein Radsystem in der Lage sein, sich auch auf schwierigem Gelände wie Sand fortzubewegen, Pfützen zu meistern oder Treppen zu erklimmen. Seine Sensoren, gepaart mit Künstlicher Intelligenz, sollen Ampelzeichen erkennen und dafür sorgen, dass Fußgänger und Verkehr nicht gefährdet werden.

          Gemeinsam haben alle fahrenden Lieferhelfer bisher den Betrieb in klar definierten Gebieten wie Innenstädten. Aber sogar noch kleiner gefasste Gebietsabgrenzungen sind denkbar und ergeben spannende Anwendungsperspektiven. Im Januar gab der Entwickler Starship Technologies gemeinsam mit Sodexo, einem Unternehmen unter anderem für Catering und Gemeinschaftsverpflegung, die Einführung eines auf Lieferbot gestützten Lebensmittel-Lieferdienstes auf einem Campus der George Mason University bekannt. Ermöglicht wurde der Start nicht zuletzt durch die Vorreiterrolle des Staates Virginia, der schon 2017 als erster Bundesstaat Gehwege und Fußgängerüberwege für autonome Lieferfahrzeuge freigab. Seit dem 22. Januar 2019 können nun Studenten und Dozenten über die Starship-Deliveries-App gegen eine Gebühr von 2 Dollar auf dem Fairfax County Campus Lebensmittel und Getränke bestellen, die ihnen dann innerhalb kurzer Zeit von einem der zunächst 25 Roboter zugestellt werden.

          Ähnliches gibt es an anderen Universitäten, etwa von dem Getränke- und Lebensmittelkonzern Pepsico oder dem Start-up Kiwi. Dessen „Kiwibot“ gelangte zu unvorteilhafter Bekanntheit, als im Dezember 2018 ein Modell auf dem Gelände der University of California in Berkeley durch einen defekten Akku Feuer fing. Zwar zeigen die Videos vom Brand des kleinen Lieferroboters, dass in diesem Fall nur wenig Gefahr für die umstehenden Passanten bestand. Indes könnte ein Vorfall wie dieser in einer anderen Situation zu einer lebensbedrohlichen Katastrophe führen. Wahrscheinlicher sind allerdings Unfälle mit Haustieren oder Kleinkindern. Entsprechend wird es im Kontext von solchen Robotern zu ähnlichen Fragestellungen bezüglich der Haftung kommen, wie sie für autonome Autos diskutiert werden. Gleichzeitig ergeben sich neben Sicherheitsaspekten weitere Herausforderungen für den erfolgreichen Betrieb. Neben dem Wegfall der Arbeitsplätze von Paketzustellern und Lieferanten müssen die Unternehmen auch versuchen, den Diebstahl der transportierten Sendungen und des Roboters durch Schutzmechanismen zu verhindern.

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