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Lichtwecker von Philips : Da geht dem Schläfer ein Licht auf

Bild: F.A.Z.

Mit einem simulierten Sonnenaufgang wacht es sich leichter auf. Das behauptet jedenfalls Philips. Wir haben es ausprobiert und uns mit dem Wake-Up-Licht wecken lassen.

          Morgens aus dem Bett zu kommen ist für manche Leute keine leichte Übung. Wenn der Wecker plärrt und den Ruhenden jäh aus dem Tiefschlaf reißt, ist das ein guter Grund für schlechte Laune. Sich von Radiomusik berieseln zu lassen ist auch nicht für alle die ideale Lösung. Wer möchte schon von Herbert Grönemeyer angeschrien werden statt sich von den Wildecker Herzbuben wachstreicheln zu lassen?

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Von der Natur vorgesehen ist vermutlich, dass das sanft einsetzende Tageslicht die Nacht beendet. Das lässt sich simulieren: Lichtwecker beginnen zur eingestellten Zeit zuerst zart, dann nachdrücklich zu leuchten. Wer dann noch nicht Morpheus’ Armen entrissen sein sollte, wird auf herkömmliche Weise geweckt. In den frühen Morgenstunden, so wirbt der Beleuchtungspionier Philips für seine Produkte, seien unsere Augen lichtempfindlicher als während des Tages. In dieser Phase bereite sich der Körper dank der relativ geringen Lichtintensität eines simulierten Sonnenaufgangs auf das Aufwachen vor. Durch die Anwendung des Wake-up-Lichts werde man leichter wach und fühle sich wohler und energiegeladener.

          Wer könnte das nicht brauchen? Nach Aussage von Philips ist die Wirkung seiner Wake-up-Modelle klinisch erwiesen. Das funktioniere im arktischen Norden ebenso wie in einem Hühnerstall, wo ein Hahn mit dem falschen Sonnenaufgang düpiert wurde. Und rund 90 Prozent der Kunden sagen demnach, dass sie besser aufwachen und leichter aufstehen als früher. Die Lichtwecker gibt es in mehreren Ausführungen als sonnenförmige Scheibe, das Licht spendet eine LED. Frühere Modelle hatten eine zylindrische Form und waren mit Halogenlampen bestückt. Manchmal sind sie noch im Handel erhältlich.

          Steigert sich in bis zu zehn Stufen

          Die Funktion ist bei allen dieselbe. Das Licht setzt eine halbe Stunde vor der eingestellten Weckzeit ein und steigert sich dann in bis zu zehn Stufen, je nachdem, wie hell man es am Ende haben möchte. Das Spitzenmodell HF 3520 für knapp 160 Euro (Preisempfehlung) hat gar deren 20 und wartet dazu mit einem morgendlichen Rot über Orange bis zu einem hellen gelben Licht auf, außerdem hat es eine Einschlaffunktion - das Licht geht langsam aus. Wenn das Licht die höchste eingestellte Helligkeit erreicht hat, die halbe Stunde also um ist, ertönt zur Sicherheit ein fast konventioneller Wecker. Fast deshalb, weil statt eines Klingelns die Vögel zwitschern. Je nach Modell lassen sich verschiedene Arien einstellen, außerdem sind die Geräte auch als Radiowecker zu gebrauchen.

          So weit die Theorie. Wir haben seit Jahren eines der Vorläufermodelle der aktuellen Linie im Gebrauch und genießen das sanfte Wecken. Allerdings ist die Reaktion, wenn das Licht angeht, höchst individuell - der eine wird schon bei geringer Lichtintensität wach, der andere überhaupt nicht. Selbst das bis zur voreingestellten Lautstärke anschwellende Vogelgezwitscher ist nicht unbedingt eine Garantie; wer am Wald wohnt, greift besser auf den Radiowecker zurück oder steigert die Lautstärke zum wilden Gezeter. Liegen zwei im Bett, wird man Weckzeit und Lichtintensität so wählen, dass der Empfindlichere zur angepeilten Zeit aufwacht und den anderen dann behutsam weckt. Hier liegt zugleich die Schwäche des Systems: Selbst ein und derselbe Schläfer reagiert auf das Licht nicht immer gleich, die Weckzeit ist also mehr eine Zeitspanne. Wer sichergehen will, stellt so ein, dass der Ton auf jeden Fall gerade noch reicht - und wird dann zwar sanft, aber meist etwas zu früh vom Licht geweckt.

          Eine zweite Tücke zeigt sich im Gebrauch. Das Licht lässt sich auch einfach nur als Licht verwenden, das Radio als Radio. Beides funktioniert gut, wenngleich Philips von einem Dauereinsatz der LED abrät, die sich im Gegensatz zur alten Halogenbeleuchtung nicht austauschen lässt. Allerdings merkt sich der Wecker die zuletzt eingestellte Lichtintensität und Lautstärke - wer nicht zurückstellt, verschläft vielleicht am nächsten Morgen oder steht senkrecht im Bett.

          Nach kurzer Zeit wird man solche Bedienungsfehler nicht mehr machen, und wer die Vorteile des Systems angenehm findet, nimmt den Makel gern in Kauf. Wir hatten kurze Zeit das Einsteigermodell 3505 für knapp 120 Euro im Test (der tatsächliche Verkaufspreis im Handel liegt deutlich darunter). Es hat neben dem Radio nur zwei Klingeltöne, Vogelgezwitscher und Gezwitscher mit Kuckuck (das Spitzenmodell hat fünf) und zehn Stufen. Die flache Scheibe ist gefällig, sie erinnert an den vollen Mond. Die Bedienung auf der berührungsempfindlichen Oberfläche ist so gut wie selbsterklärend, so dass man sich die Anleitung nicht unbedingt von Anbieter herunterladen muss.

          Die Übergänge zwischen den Stufen sind sanft, beim alten Modell waren sie etwas grob. Vollkommen ausreichend zum Wecken sind die möglichen 200 Lux in der höchsten Stufe, das Spitzenmodell erreicht sogar 300. Damit lässt sich dann auch mal das Schlafzimmer beleuchten. Die Ziffern der Zeitanzeige können in mehreren Stufen gedimmt werden, in der hellsten reichen sie manchen Leuten als Nachtlicht. Alle Modelle haben einen Testmodus und eine Schlummerfunktion: Wer auf den Rand der Scheibe drückt, schaltet für neun Minuten den Ton aus, das Licht bleibt aber an. Wird der Wecker ausgeschaltet, bleibt er nur für diesen Tag stumm. Das ist gut so, denn am nächsten Morgen will man wieder geweckt werden. Erst nochmaliges Ausschalten beendet die Funktion ganz.

          Wenn wir uns etwas wünschen dürften, wäre es eine Speicherfunktion für die Einstellungen - nicht nur für den separaten Gebrauch des Radios und des Lichts, sondern auch, wenn man einmal den Stecker gezogen hat.

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