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Digitale Steuerung : Die Kinder der LED-Revolution

  • -Aktualisiert am

Siegeszug der LED: Hinter fast jeder neuen Leuchte sorgen Leuchtdioden für das richtige Licht. Bild: Winterhagen

Die LED ist überall und mittlerweile auch für jeden erschwinglich. Große Lichtanbieter nutzen daher zunehmend die Möglichkeiten, die eine digitale Steuerung bietet.

          Die Welt ist erobert. Alle Gegner, die zuletzt noch verzweifelt kämpften, haben den Spielplan räumen müssen. Leidenschaftliche Risiko-Spieler wissen, dass sie an diesem Punkt eine folgenschwere Entscheidung treffen müssen. Die Steine einräumen und zu Bett gehen? Oder nochmals eine Partie wagen, die sich weit in die Nacht ziehen kann? Nachdem die LED den Lichtmarkt komplett umgekrempelt hat, haben die Aussteller auf der weltgrößten Lichtmesse Light + Building in Frankfurt das Spiel fortgesetzt. Nicht die hohe Energieeffizienz der Leuchtdiode, einer klassischen Glühlampe zehnfach überlegen, zählt dabei. Und auch nicht die Tatsache, dass sich eine kleine, fast punktförmige Lichtquelle in nahezu jeder Form verbauen lässt und so den Leuchtenmarkt um skurrile Formen erweitert hat. Das neue Spiel heißt nicht mehr „Welt erobern“, sondern „Welt verbessern“. Möglich werden soll das, indem das Licht zum Teil des Internets der Dinge wird und Aufgaben übernimmt, die zum Teil weit jenseits der klassischen Beleuchtung liegen.

          Es einfach nur hell zu machen – und das in möglichst schöner Verpackung – reicht nicht einmal mehr, um eine Tischleuchte für das Büro zu verkaufen. Das zeigt kaum ein Exponat so deutlich wie die mit dem Designpreis prämierte Bicult-LED von Trilux. Sie erkennt per Bluetooth den müden Angestellten, sobald dieser sich mit dem Smartphone in der Tasche seinem Arbeitsplatz nähert. Dann schaltet sie nicht nur die nach unten gerichtete Schreibtischbeleuchtung ein, sondern strahlt nach oben die Decke mit so großer Helligkeit an, dass zumindest bei einer Raumhöhe bis drei Meter eine zusätzliche Deckenleuchte unnötig ist. Über das Bluetooth-Protokoll ruft die Leuchte ihren im selben Raum installierten Geschwistern zu, ebenfalls das an die Decke strahlende Licht anzuschalten. Dem Chef die eigene Anwesenheit vorzugaukeln, indem man das Licht nicht abstellt, wird so zum heillosen Unterfangen. Dafür aber soll der Schreibtischarbeiter gesünder leben. Denn die Lichtfarbe der Bicult-LED schwankt automatisch mit dem Tagesverlauf. Morgens ist der wachmachende Blaulichtanteil höher, abends der des beruhigenden Rotlichts. Die Kurve, welche die Farbverteilung steuert, ist sowohl von der Jahreszeit als auch vom geographischen Standort abhängig, so dass sich am Schreibtisch der natürliche Tagesverlauf nachempfinden lässt. Eulen mit versetztem Tagesrhythmus können trotzdem manuell eingreifen.

          Lichtschalter mit Pfiff. Bilderstrecke

          Menschenzentrierte Beleuchtung nennen Ingenieure diese Technik, die den biologischen Rhythmus unterstützen soll. Sie ist mitnichten eine esoterische Angelegenheit. Die Erkenntnis, dass die Produktion des Schlafhormons Melatonin über die Blaulichtaufnahme der Ganglien-Zellen im menschlichen Auge gesteuert wird, ist seit 2002 durch die Arbeit des Neurologen Russel Foster belegt. Vor dem Siegeszug der LED waren entsprechende Leuchten jedoch unbezahlbar. Jetzt präsentierte Ledvance in einem Hinterzimmer der Messe die erste Büro-Hängeleuchte für den Massenmarkt, deren Lichtfarbe ebenfalls mit dem Tagesverlauf wechselt. Dafür wird das Licht von 240 LEDs, die Hälfte warmweiß, die andere kaltweiß, so gemischt, dass die Lichtfarbe zwischen 2700 und 6500 Kelvin schwankt. Die vollautomatische Steuerung ist in einem Drehschalter mit kleinem Display verborgen, der in der Anschlussdose eines normalen Lichtschalters montiert werden kann. Über das Funkprotokoll Zigbee kommuniziert sie mit der Leuchte. Eine Smartphone-Steuerung sei für Großraumbüros und Besprechungszimmer nicht praktikabel, argumentiert Ledvance-Fachmann Dieter Lang. „Wir wollen eine einbaufertige Nachrüstlösung, deren Installation von jedem Elektriker vorgenommen werden kann.“ So ist denn in den Schalter auch ein einfacher GPS-Sensor integriert, der die ortsabhängige Steuerung vornimmt. Eingreifen kann der Mensch über ein Drehrad oder einige wenige vorinstallierte Stimmungen. Noch handelt es sich um einen Prototyp, die Entscheidung über eine Serienproduktion soll aber demnächst fallen.

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