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Digitale Steuerung : Die Kinder der LED-Revolution

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Schon leuchtet der Pool während des Sommerfests lila

Das Unternehmen Ledvance selbst ist ein Kind der LED-Revolution. Erst vor gut zwei Jahren wurde es von Osram abgespalten und bündelt nun das komplette Handelsgeschäft. Der strategische Fokus liegt mittlerweile nicht mehr auf den Leuchtmitteln, sondern auf Leuchten und branchenspezifischen Lichtlösungen. Die Langlebigkeit der LED macht das Ersatzgeschäft deutlich unattraktiver als zu Zeiten der Glühlampe. Auch der zweite große europäische Leuchtmittelanbieter reagiert auf diesen Trend: Philips hatte sein Lichtgeschäft bereits an die Börse gebracht und ändert nun sogar den Unternehmensnamen der neuen Tochtergesellschaft in Signify. Die Produkte sollen im Handel aber weiterhin unter der Marke Philips angeboten werden. Unter den für nichtprofessionelle Nutzer gedachten Neuheiten ragt besonders Hue Outdoor heraus. Damit übertragen die Niederländer den Grundgedanken von Hue in den Garten. Man tausche die bisherige Glühlampe gegen eine mit W-Lan-Empfänger ausgestattete Lampe aus. Sodann kann man über Tablet oder Smartphone die Lichtfarbe programmieren, schon leuchtet der Pool während des Sommerfests lila. Die für den Gebrauch im Haus gedachten Hue-Lampen erhalten in der nunmehr dritten Generation zusätzliche Fähigkeiten, etwa die, auf Musik oder das Geschehen in einem Computerspiel zu reagieren.

Eine wirklich revolutionäre Idee stellt Philips mit der Lifi-Technik vor. Daten sollen demnach künftig nicht mehr über das W-Lan, sondern über sichtbares Licht mit einer Wellenlänge nahe dem Infrarotbereich. Da Lichtwellen im Nanometerbereich viel kürzer sind als die Millimeterwellen, mit denen Funknetze arbeiten, stehen theoretisch viel größere Datenübertragungsraten zur Verfügung. Unter Laborbedingungen sollen schon mehr als 200 Gigabit je Sekunde erreicht worden sein. Philips spricht dagegen von heute realisierbaren 30 bis 40 Megabit je Sekunde, was der Leistungsfähigkeit heutiger W-Lan-Anschlüsse entspräche. Signify-Chef Erich Rondolat begründet die ersten Pilotversuche denn auch mit der drohenden Überlastung der WiFi-Netze durch das Internet der Dinge sowie der erhöhten Abhörsicherheit. „Es handelt sich nicht mehr um Science-Fiction“, sagt Rondolat. Die ersten LiFi-Lampen werden derzeit von der französischen Immobiliengesellschaft Icade in Paris erprobt.

Für professionelle Anwendungen in Büros, Fabriken und im Einzelhandel war ein Großteil der Lichtinnovationen auf der diesjährigen Light+Building reserviert. Das gilt insbesondere für die Software-Plattformen der großen Anbieter, wie sie Osram mit Lightelligence vorstellte. Den Grundgedanken formuliert Stefan Kampmann, Technikchef des Traditionsherstellers, wie folgt: „Das technische Licht ist der Steigbügelhalter für intelligentes Gebäudemanagement.“ Da jede Leuchte ohnehin an ein Stromkabel angeschlossen ist, so die Logik, können auch Bewegungsmelder oder Sensoren für die Luftqualität oder die Temperatur integriert werden. Werden die so gewonnenen Daten an einen externen Server weitergeleitet, dann können daraus wertvolle Informationen gewonnen werden, etwa um die Klimatisierung zu steuern oder auch nur die tatsächliche Raumbelegung zu analysieren. Die Osram-Plattform soll das technische Grundgerüst bieten, um das Internet der Dinge ins Gebäude zu bringen. Sie ist offen für externe App-Entwickler, die ihre Ideen ähnlich wie auf dem Betriebssystem eines Smartphones auf der Plattform für jeden Nutzer zur Verfügung stellen können.

Auch im digitalen Zeitalter, das ist die gute Botschaft der Messe, werden gutes Aussehen und handwerkliche Qualität nicht unwichtig, wie Sattler beweist. Mit Gioco präsentiert der schwäbische Mittelständler eine Leuchtenserie, deren Form in unterschiedlichen Größen konsequent dem Prinzip des italienischen Mathematikers Leonardo Fibonacci folgt. Die Außenkanten der Quadrate und Rechtecke bestehen aus eloxiertem Aluminium und sind perfekt gefügt. Die Lichtverteilung ist vollständig homogen, was bei mit LED erzeugtem Flächenlicht eine technische Herausforderung darstellt. Wer will, kann die Innenfläche mit schallabsorbierendem, schwarzem und mithin kaum sichtbarem Vlies ausstaffieren – und endlich herrscht Ruhe im dicht besetzten Großraumbüro oder dem trendigen Szenetreff. Modernes Licht ist eben mehr als der Ersatz der Glühlampe durch die LED.

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