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LED-Ersatzlampen : Im Kronleuchter offenbaren sich die Schwächen

  • -Aktualisiert am

LED-Retrofit: Die Leuchte von Osram sieht aus wie eine Glühbirne Bild: Osram/dpa

LED bieten nicht nur Effizienz und hohe Lebensdauer - mit dieser Technik ist auch eine erstaunliche Lichtqualität erreichbar. Wer fürs traute Heim allerdings auf Billigware setzt, kann unliebsame Überraschungen erleben.

          Über viele Jahrzehnte hatte Kunstlicht nur eine Aufgabe - Helligkeit ins Dunkel zu bringen. Mit der LED-Technik wandelten sich die Ziele. Zunächst noch standen Effizienz und Lebensdauer der LED-Lampen und -Leuchten im Mittelpunkt, nun haben die Lichthersteller in seltener Eintracht alles Zaudern eingestellt und rechtzeitig zur „Light & Building“ in Frankfurt (30. März bis 4. April) eine „Revolution“ der Lichttechnik ausgerufen.

          Dank vernetzter und flexibel steuerbarer Leuchten soll Halbleiterlicht Kranke rascher gesunden, Schüler fleißiger lernen und Kunstwerke oder schnöde Automobile in nicht gekanntem Glanz erstrahlen lassen. Auch im Büro und zu Hause soll es lichttechnisch künftig richtig dynamisch zugehen. Tatsächlich können Lichtplaner mit Tausenden feinfühlig gesteuerter roter, grüner, blauer und weißer LED-Chips eine erstaunliche Lichtqualität zustande bringen. Und die Stärken der LED-Leuchtmittel hinsichtlich Langlebigkeit und Lichtausbeute sind unbestritten. Aber bei der Lichtqualität sogenannter LED-Retrofits fürs traute Heim wird die Sache schwieriger.

          Abwägung von Kosten und Nutzen

          Wer nicht gleich in neue Leuchten investieren möchte, sondern vielmehr LED-bestückten Birnen-, Kerzen- oder Spotersatz in die altbewährten Fassungen schraubt oder steckt, kann unliebsame Überraschungen erleben. Zwar gibt es inzwischen eine Reihe brauchbarer LED-Ersatzlampen, doch manchmal geht es noch recht individuell zu in Lichtqualität und -farbe. Ursache sind kleine, im direkten Vergleich aber durchaus sichtbare Abweichungen in der Farbtemperatur oder dem Abstrahlwinkel. Auch Markenhersteller sind davon betroffen. Schraubt man den LED-Ersatz in eine frei stehende, einflammige Leuchte, spielen derlei Abweichungen keine große Rolle; im Kronleuchter hingegen erkennen sogar Unerfahrene rasch, wie viele Variationen von „Warmweiß“ es geben kann.

          Das ist seitens der Hersteller kein böser Wille, sondern eine schiere Abwägung von Kosten und Nutzen. Die Herstellung der kleinen Hochleistungsleuchtchips ist kompliziert, Serienstreuungen sind unvermeidlich. Deshalb wird am Ende der Fertigung jeder einzelne Leuchtchip automatisiert vermessen und in sogenannte Bins sortiert. Je feiner sortiert wird, desto höher die Kosten. Das bedeutet: LED-Lampen aus einer Charge eines Herstellers können (müssen aber nicht) Licht unterschiedlicher Qualität liefern. Je billiger die LED, desto größer das Risiko. Hinzu kommen Unterschiede von Marke zu Marke.

          Standardisierung ist schwierig bis unmöglich

          Die LED-Entwicklung ist noch im Fluss, was eine Standardisierung gegenwärtig schwierig bis unmöglich macht. Ständig werden LED-Leuchtmittel weiter verbessert. Jede neue Generation (im Abstand von sechs bis zwölf Monaten) unterscheidet sich hinsichtlich ihres Innenlebens (Chips, Optik, Treiber) deutlich vom Vorgänger und ist in gewisser Weise Unikat. In drei bis fünf Jahren dürfte die Dynamik schwinden, die Entwicklung in eine Sättigung laufen. Ende des Jahrzehnts wäre die Zeit dann reif für herstellerübergreifende Vereinbarungen, die neben dem Zhaga-Standard (der den elektrischen und mechanischen Anschluss betrifft) auch die Qualität „der lichttechnischen Innereien“ einbezieht.

          Einen Schritt in diese Richtung will Osram in der kommenden Saison intern vollziehen. Bis zum Herbst wollen die Münchner eine modulare LED-Plattform für den Retrofit-Markt auf die Beine stellen, mit einheitlichen Schnittstellen für Treiber, Chipmodul und Optik: eine gleichsam „aufwärtskompatible“, zukunftssichere Plattform, auf der man dank modularer Architektur LED-Retrofits unterschiedlicher Qualität aufbaut. Der neue LED-Baukasten soll zunächst 40 Lampentypen umfassen. Die Plattform verkürzt nach Unternehmensangaben die Entwicklungszeiten der Lampen um die Hälfte und reduziert die Vielfalt unterschiedlicher Bauteile: So braucht man zum Beispiel nur vier unterschiedliche Gehäusevarianten. Chipfertigung und Endmontage sind in Deutschland angesiedelt.

          Einen anderen Weg verfolgt man beim Weltmarktführer Philips als Mittel gegen den lichttechnischen Flickenteppich: Dort sollen Lampen und Leuchten sich künftig über ein Netzwerk gegenseitig kalibrieren und so Farbkonsistenz garantieren. Eine Lösung allerdings eher für den professionellen Anwender, der höheren Kosten wegen. In einem sind sich die beiden in der Welt führenden Lichttechnik-Unternehmen einig: Der LED-Umsatz soll weiter wachsen. Rund 30 Prozent betrug der LED-Umsatzanteil beider Unternehmen im vergangenen Jahr. Osram will bis 2017 die 50-Prozent-Marke überschritten haben, Philips bis 2020 drei Viertel der Umsätze mit Halbleiterlicht generieren. Wachstumstreiber sind bislang die professionellen Anwender. Endverbraucher sind zögerlicher, als den Herstellern lieb ist, sie investieren noch nicht gern ins Halbleiterlicht.

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