https://www.faz.net/-gy9-77qus

Lawinenverschüttetensuchgeräte : Wer suchet, der findet

  • -Aktualisiert am

Die besten Geräte kosten rund 350 Euro. Das Ortovox funktioniert wie ein Klapphandy. Bild: Hersteller

Das Ski- und Snowboardfahren abseits der Piste boomt. Doch bevor man sich in den unverspurten Schnee wagt, sollte man ein Lawinenverschüttetensuchgerät umschnallen. Vier Geräte im Test.

          Lawinen sind für Skitourengeher und Freerider abseits der Pisten eine ständige Gefahr. Das hat eine Serie von Unglücken mit Todesfällen in den vergangenen Wochen in den Alpen gezeigt. Ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) ist noch immer die einzige Möglichkeit, Verunglückte ohne den Einsatz von Rettungskräften zu finden und vor dem Erstickungstod zu bewahren. Zwar ist in viele Skibekleidungen eine Halbleiterdiode des Recco-Systems integriert, doch ist das kein Ersatz für ein LVS. Nur Rettungsdienste mit speziellen Suchgeräten können einen Skifahrer mit Recco-System unter einer Lawine orten. Meist trifft die Bergrettung jedoch zu spät am Unglücksort ein, um helfen zu können. Die Überlebenswahrscheinlichkeit unter den Schneemassen nimmt bereits nach 15 Minuten rapide ab.

          Digitale Anzeige mit Richtungspfeilen

          Rund 350 Euro kosten das Arva Link, Mammut Pulse Barryvox, Pieps DSP und Ortovox S1+. Alle Geräte arbeiten mit drei Antennen, die eine schnellere und genauere Suche eines Verschütteten ermöglichen als ältere Modelle mit nur zwei oder einer Antenne. Jedes hat eine Sende- und Empfangsfunktion. Im Sendemodus wird ein elektromagnetisches Signal mit einer Frequenz von 457 Kilohertz übermittelt, das andere LVS empfangen und orten können. Alle Modelle lokalisieren einen Vermissten ab einer Distanz von weniger als 50 Meter. Sie haben zudem eine digitale Anzeige, die im Empfangsmodus Richtung und Distanz zum Verschütteten weist. Falls mehrere Menschen gleichzeitig in eine Lawine geraten sind, besteht die Möglichkeit, das Signal eines gefundenen LVS mit einer Markierungsfunktion auf dem eigenen Gerät auszublenden, so dass das eigene LVS nach dem Signal der nächsten Person sucht.

          Das Mammut Pulse Barryvox ist kompakt und liegt daher gut in der Hand

          Die technischen Merkmale der vier Modelle sind ähnlich. Erhebliche Unterschiede gibt es in Design und Bedienung. Das Mammut ist äußerst kompakt und liegt am besten in der Hand, auch für kleine Hände ist eine sichere Handhabung kein Problem. Der Hersteller Pieps ordnet alle Tasten an der Oberfläche an, das Gerät ist daher sehr übersichtlich. Auch die handliche Form überzeugt. Gleiches gilt für das Link von Arva, dessen Form der des Pieps DSP ähnelt. Allerdings dient der Markierungsschalter zum Ausblenden eines Signals zugleich als Druckknopf für den Wechsel zwischen Sende- und Empfangsmodus. Unfreiwillig schaltet man so schnell mal von der Such- in die Sendeeinstellung, wenn man das gefundene Gerät markieren möchte. Hier sollte nachgebessert werden. Beeindruckend ist das Design des Ortovox S1+, das wie ein Klapphandy funktioniert. Ist das Gerät geschlossen, sendet es. Wird es aufgeklappt, schaltet es automatisch in den Suchmodus. Die Größe des Apparats erschwert allerdings eine einhändige Bedienung. Die Umhängetaschen der Suchgeräte sind entweder mit Reißverschluss oder Klipp ausgestattet. Beides ist mit dicken Handschuhen schwer zu bedienen, zumal ein Reißverschluss auch klemmen kann. Pieps benutzte vor Jahren einen Klettverschluss, eine ebenso einfache wie langlebige Lösung.

          Üben mit dem eigenen Suchgerät ist Pflicht

          Beim Test in den Bergen überzeugten alle vier Kandidaten. Mehrere vergrabene Geräte wurden schnell und präzise geortet. Die Ausblendung eines gefundenen Geräts funktionierte bei den getesteten LVS reibungslos. Das Pieps fand regelmäßig am schnellsten das Signal, das Piepsen bei Annäherung an den Verschütteten war allerdings sehr leise. Das Ortovox S1+ überzeugte mit einer guten Anzeige, die bei geringer Suchdistanz von Richtungspfeilen in einen Kreis wechselt und dem Benutzer das hoffnungsvolle Gefühl gibt, den Verschütteten einzukreisen.

          Das Arva Link ortete im Nahbereich sehr gut und führte bis auf wenige Zentimeter ans vergrabene Gerät heran, ein Manko ist, wie beschrieben, die Markierungstaste. Mammut hat sein Gerät mit einem hilfreichen, sehr lauten Piepsignal ausgestattet. Allerdings forderte das Pulse Barryvox während der Suche mehrmals zum Stehenbleiben auf, um seine Daten neu zu kalibrieren. Im Ernstfall dürfte das den unerfahrenen Benutzer unnötig verunsichern. Der Test zeigte: Technik und Bedienung der LVS haben sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich verbessert. Geübte Benutzer können innerhalb weniger Minuten mehrere Geräte finden. Trotz aller Fortschritte bleibt aber umfangreiches Üben mit dem eigenen Suchgerät Pflicht - am besten in einem Lawinenkursus.

          Weitere Themen

          Orangerie des Motorsports

          KTM : Orangerie des Motorsports

          KTM ist nach Stückzahlen inzwischen Spitzenreiter in Europa. Der Motorradhersteller aus Österreich hat viel vor und setzt sich mit der neuen Motohall ein Denkmal.

          Warum die Europawahl so wichtig ist Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Warum die Europawahl so wichtig ist

          Die Europawahl steht kurz bevor. Doch viele Menschen interessieren sich nicht für die EU. Warum die Wahl dieses Mal richtungsweisend ist und was das Europaparlament mit einer Salatschleuder zu tun hat, erklärt unser Video.

          Die Europawahl läuft Video-Seite öffnen

          Niederlande machen den Auftakt : Die Europawahl läuft

          Mit der Öffnung der Wahllokale in den Niederlanden hat die EU-Parlamentswahl begonnen. Auch die Briten, die wegen des Brexits eigentlich nicht mehr teilnehmen sollten, stimmen heute ab. Die Europawahl erstreckt sich insgesamt über vier Tage; in Deutschland wird am Sonntag gewählt.

          Topmeldungen

          Bayern-Sieg im DFB-Pokal : Geballte Münchner Klasse

          Nach dem Meistertitel in der Fußball-Bundesliga sichert sich der FC Bayern nun das Double. Die Münchner setzen sich im Pokalfinale gegen RB Leipzig durch. Vorstandschef Rummenigge bestätigt anschließend: Trainer Kovac bleibt.
          Coworking in Berlin

          Arbeitsumfeld : Frauen sind in wärmeren Räumen produktiver

          In Büros sollten höhere Temperaturen eingestellt werden, empfehlen Forscher aus Berlin und den Vereinigten Staaten. Sie haben ein Experiment gemacht, demzufolge Frauen mit zunehmender Wärme leistungsfähiger werden. Aber was ist mit den Männern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.