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Kunststoffrohre lösen sich auf : Alte Fußbodenheizungen vor dem Infarkt

Mürbe und mit Rissen: Wenn die Rohre der alten Fußbodenheizung ihre Weichmacher verloren haben, hilft auch keine Innensanierung mehr. Bild: Hersteller

Betagte Heizschlangen im Estrich haben ein Problem: Sie werden brüchig. Wenn es noch nicht zu spät ist, lässt sich dagegen etwas zu vertretbaren Kosten machen - mit einer Innensanierung.

          In vielen deutschen Wohnstuben tickt unter den Füßen der Bewohner unbemerkt eine Zeitbombe. Vor drei oder vier Jahrzehnten wurden Fußbodenheizungen aus Kunststoffrohren verlegt, die jetzt ihre Lebensdauer erreicht haben; sie lösen sich allmählich auf. Damals wusste man es noch nicht besser, aber das Material, meist Polyethylen, Polybuten oder Polypropylen, verliert mit der Zeit seine Weichmacher, es wird spröde und bekommt Risse. Schuld daran ist neben dem heißen Wasser der Sauerstoff, der von außen durch den Estrich und den Kunststoff ins Heizungswasser diffundiert und die Stabilisatoren mitnimmt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Normalerweise hat sich der Gehalt an freiem Sauerstoff aus der Erstbefüllung im geschlossenen System bald an den Metallteilen bis auf einen unbedeutenden Rest abreagiert. Das Heizungswasser ist aber bereit, neuen über die maroden Rohre aufzunehmen. Der steigende Sauerstoffgehalt des Heizungswassers bildet an den Metallteilen des Systems Rost, der sich mit der Zeit im Rohrnetz ablagert. Die Anlage verliert also nicht nur Wasser, sondern setzt sich auch zu, die Heizwirkung nimmt ab. Spülen mit frischem Wasser verschärft das Problem, da mit ihm weiterer Sauerstoff ins System eingebracht wird. Weil die Brocken unkontrolliert fortgeschwemmt werden, droht zudem ein Rohrverschluss.

          Das Elend findet erst mit Materialien ein Ende, die Anfang der neunziger Jahre verbaut worden sind. Die jüngeren Rohre sind mit einer Barriere aus EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer) beschichtet und damit sauerstoffundurchlässig. Ob man über neuen oder alten Kunststoffrohren herumläuft, lässt sich an deren Enden feststellen. Wenn sie mit der Aufschrift DIN 4726 versehen sind, können sie nach heutigem Wissensstand noch viele Jahre problemlos ihren Dienst versehen. Wenn nicht, wird über kurz oder lang eine Sanierung fällig.

          Während der Sanierung bleibt das Haus bewohnbar

          Die gute Nachricht ist, dass dazu nicht unbedingt alles aufgerissen werden muss. Die TGA Rohrinnensanierung AG aus Fürth hat mit Unterstützung der Hochschule Berlin-Wildau ein Verfahren namens Oxyproof entwickelt, wie die Rohre mit einer Auskleidung von innen wieder dicht zu bekommen sind. Es unterscheide sich von anderen Systemen zur Rohrsanierung dadurch, dass es als einziges erwiesenermaßen und auf Dauer dicht sei, sagt TGA-Vorstand Karim Kudsi - getestet von der Materialprüfanstalt in Darmstadt und mit der DIN 4726 (Rohrleitungen aus Kunststoff für Warmwasser- und Fußbodenheizungen) ausgezeichnet. Vom eigenen Produkt ist das Unternehmen überzeugt: Es gibt zehn Jahre Garantie.

          Warme Schlange: Sauber verlegt und mit modernen Kunststoffrohren ausgestattet, kann eine Fußbodenheizung viele Jahrzehnte überdauern, ohne Ärger zu machen. Bilderstrecke

          Vor der Sanierung steht die Zustandsanalyse mit einem mobilen Labor, die TGA für pauschal 360 Euro anbietet. Am Wasser und seinen Bestandteilen lässt sich einiges ablesen, weitere Einblicke gewährt die thermographische Aufnahme. Mit ihr kann eine Art Röntgenbild der Fußbodenheizung gemacht werden, auf dem der Fachmann erkennen kann, wo Schäden aufgrund des Alters oder auch durch schlampige Installation den Durchfluss behindern. Bedenken, ein Unternehmen, das Rohre saniere, werde schon allein deshalb marode Leitungen diagnostizieren, zerstreut Kudsi: früher oder später seien die alten Rohre ohnehin fällig. Rechtzeitige Diagnose erspart aber die Totalsanierung. „20 bis 30 Prozent der Weichmacher müssen noch im Kunststoff vorhanden sein“, sagt er, dann könne der Prozess gestoppt werden. Wenn nicht, muss man aufreißen und neu verlegen. Falls der Boden ohnehin neu gemacht werden soll, empfiehlt er natürlich neue Rohre.

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