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Achterbahn an Deck : Nervenkitzel auf dem Ozean

  • -Aktualisiert am

Kann man mal machen. Bild: Hersteller

In der schon reichlich verrückten Welt der Kreuzfahrtschiffe setzt die „Mardi Gras“ noch einen oben drauf. Oder wie klingt eine ­Achterbahn an Deck, geplant und gebaut in ­München?

          6 Min.

          Wie vertragen sich g-Kräfte bis 1,2 mit der Fahrt an Bord eines Kreuzfahrtschiffes? Wo doch vielen Passagieren schon moderates Stampfen und Rollen des Rumpfs Probleme bereitet? Deshalb treiben die Konstrukteure so großen Aufwand für eine möglichst ruhige Fahrt, beispielsweise durch Stabilisatoren unterhalb der Wasserlinie. Anders sieht es aber aus, wenn die Beschleunigung dem Vergnügen dient. So wie bei „Bolt“. Sie ist die erste Achterbahn an Bord eines Kreuzfahrtschiffs: 220 Meter Strecke, bis zu 60 km/h schnell, beschleunigt beim Start wie ein Formel-Rennwagen und kreist in spektakulärer Dynamik fast 60 Meter über der Meeresoberfläche.

          Premiere hatte die Bahn in diesem Sommer bei der Jungfernfahrt der „Mardi Gras“ von Carnival Cruise Line in der Karibik. Bis zu 5200 Passagiere finden auf dem ausschließlich mit Flüssiggas betriebenen Schiff Platz. Entworfen und gebaut wurde das Fahrgeschäft von Maurer Rides aus München. Die Tochtergesellschaft des 1876 gegründeten Stahlbauunternehmens Maurer ist auf Achterbahnen und Transportanlagen spezialisiert. „Durchschnittlich bauen wir drei bis vier Achterbahnen im Jahr – jede davon ist ein komplexes Einzelstück“, sagt Marco Hartwig. Der Ingenieur für Maschinenbau und Systems Engineering arbeitet seit drei Jahren bei Maurer Rides und war Projektleiter der Achterbahn für den Kreuzfahrtriesen.

          Die Achterbahn vom Typ Maurer Spike Coaster auf der neuen Mardi Gras wird in der Kreuzfahrtindustrie kein Einzelstück bleiben. Carnival hat bereits eine baugleiche Bahn für ein zweites Schiff bei Maurer bestellt, die gerade gebaut wird. Für Dream Cruises haben die Münchner eine noch längere Bahn bereits fertiggestellt. Sie ist 303 Meter lang und damit Anwärterin auf den Titel der längsten Achterbahn an Bord eines Schiffes. Für die technische Abnahme hat Maurer die Bahn an Land in Güstrow aufgebaut, montiert werden soll sie in der MV Werft in Wismar.

          Hier ist alles eitel Sonnenschein, aber die Achterbahn Bolt muss auch dann sicher fahren, wenn es auf See mal kräftig schunkelt. Bilderstrecke
          Achterbahn an Deck : Nervenkitzel auf dem Ozean

          Achterbahn Bolt wurde in der finnischen Meyer Turku Werft installiert, wo das bisher größte Schiff von Carnival mit 17 Passagierdecks gebaut worden ist. Rund 130 Tonnen Stahl für Tragwerk und Fahrbahn haben die Krananlagen der Werft aufs oberste Deck des Kreuzfahrtschiffs gebracht. In Finnland hat auch Achterbahn-Fan Hartwig seine Premierenfahrt mit der fertigen Anlage absolviert. „Das war absolute Klasse“, sagt der Ingenieur und lacht – obwohl statt karibischer Traumstrände ein skandinavisches Industriegebiet als Kulisse diente.

          Die Idee, eine Achterbahn auf einem Kreuzfahrtgiganten zu verwirklichen, passt zur Entwicklung der Branche. Den Passagieren will man an Bord möglichst viel Abwechslung bieten. Im „Einbau neuer touristischer Highlights“ sieht man auch bei der Meyer Werft mit Hauptsitz in Papenburg einen Trend. Technische Innovationen würden von der Kreuzfahrtbranche schnell aufgegriffen. In den vergangenen Jahren hat die Werft nicht nur eine Achterbahn auf die Mardi Gras gebaut, sondern auch den Veranstaltungssaal „Theaterium“ für Aida Cruises und den ersten Klettergarten auf See gebracht.

          Spiel der g-Kräfte

          Daneben tummeln sich mittlerweile große Außenpools, aufwendige Wasserrutschen, Lasertag-Anlagen, Laufbahnen, Fallschirmsimulatoren und anderes mehr an Bord der Schiffe. Selbst Kartbahnen haben den Sprung aufs Meer geschafft. Die erste fährt seit 2017 auf der „Norwegian Joy“ von Norwegian Cruise Line. Kurz zuvor hat Carnival die Hängebahn „Skyride“ vorgestellt, bei der sich die Fahrgäste mit Fahrradpedalen voranbewegen.

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