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Metallbaukasten : Heben und heben lassen

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Modellbauer Georg Eiermann mit dem Kran, den Meccano zum 100jährigen Bestehen herausbrachte. Bild: Peter Thomas

Kranmodelle aus dem Metallbaukasten sind so alt wie das Konstruktionsspielzeug selbst. Gemeinsam ist sämtlichen Modellen, dass sie die mechanischen Prinzipien ihrer Vorbilder faszinierend vermitteln.

          Diese Sache hat nicht nur einen Haken, sondern viele: Da gibt es die kleine Metallkugel mit angesetztem Drahthäkchen. Am anderen Ende der Skala finden sich komplexe Kranflaschen mit diversen Umlenkrollen. Dazu kommen Greifer und andere Spezialkonstruktionen. Nein, hier ist nicht von echten Hebezeugen die Rede, sondern von deren Funktionsmodellen aus verschiedenen Metallbaukasten-Systemen. Solche Miniaturen aus Blech und Messing waren am vergangenen Wochenende beim Deutschlandtreffen der Metallbaukasten-Szene zu sehen. Unter den Modellen fanden sich Schwimm-, Hafen-, Bau-, Werft-, Mobil- und Eisenbahnkrane unterschiedlicher Maßstäbe.

          Ein Gaststar für Kranmodellbauer bei dem Treffen, das vom Freundeskreis Metallbaukasten ausgerichtet wird, war Michel Bréal aus Frankreich. Er und Bernard Garrigues reisten mit dem Großmodell eines Abraumbaggers („das Original wiegt 14 000 Tonnen“) aus dem Baukastensystem Meccano zur Ausstellung. Zu dem Leviathan gehören auch auf der Struktur montierte Service-Krane. Sie erscheinen gegenüber dem gigantischen Schaufelrad aber winzig. Zurzeit sorgt Bréal mit seinem Modell eines Spezialkrans für den Hafen- und Molenbau („Blocksetter“) für Furore.

          Das Modell aus Meccano-Elementen wird von dem französischen Verlag Hachette in Fortsetzung vertrieben – leider nur in Frankreich und England. „Im August 2015 habe ich mit dem Bau des Prototypen begonnen, im August 2018 kam die erste Lieferung in den Handel“, berichtet Monsieur Bréal. Vorbild des Modells sind Titelbilder klassischer Anleitungsbücher von Meccano aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

          Das Deckelbild eines alten Meccano-Baukastens für den deutschsprachigen Markt zeigt das Modell eines Derrick-Krans. Bilderstrecke

          Ob Eitech, Märklin, Meccano, Stabil, Stokys, Trix oder andere Metallbaukastensysteme: Das technische Grundprinzip, wonach aus perforierten Standard-Elementen durch Schraubverbindungen komplizierte Konstruktionen entstehen können, passt gut zu klassischen Krankonstruktionen. Tatsächlich gab wohl vor fast 120 Jahren ein Hafenkran in Liverpool den Impuls für die Erfindung des modernen Metallbaukastens durch Meccano-Gründer Frank Hornby. Einen „Blocksetter“ aus grün und rot lackierten Teilen, den Meccano zum 100. Geburtstag der Marke auf den Markt brachte, zeigte Metallbaukasten-Konstrukteur Georg Eiermann. Das Modell folgt einer Bauanleitung aus den 1970er Jahren.

          Wer für sein Kranmodell konkrete historische Vorbilder wählt, muss oft erst aufwendig recherchieren, bevor es ans Planen und Bauen geht. Beispiel Hamburg: Norbert Klimmek zeigte beim Treffen in Bebra ein im Bau befindliches Modell des 150-Tonnen-Krans, den die Märkische Maschinenbau-Anstalt Ludwig Stuckenholz 1887 in die Hansestadt lieferte. Es war seinerzeit der stärkste Kran der Welt. Das Modell entsteht aus schwarzen Märklin-Teilen und Messing. Eine Quelle für den Bau ist das Buch „Hiev op!“.

          Historische Detektivarbeit steckte auch im Modell des Schwimmkrans der britischen Admiralität, das Geert Vanhove aus Belgien ausstellte: Es gab zwar einen historischen Modellplan für diesen Kran. Damals hatte aber ein unglücklicher Bildausschnitt dazu geführt, dass der Ponton falsch wiedergegeben wurde. Die neue Miniatur auf Basis von Zeichnungen und Fotos hat nun den korrekten Schiffsrumpf als Basis. Ob reales Vorbild wie beim HDW-Werftkran von Günther Lages aus Deutschland oder frei geplantes Modell nach typischen Konstruktionsmerkmalen wie beim großen Stückgut-Hafenkran von Patrick Boizard aus Frankreich: Gemeinsam ist sämtlichen Kran-Modellen, dass sie die mechanischen Prinzipien ihrer Vorbilder faszinierend vermitteln.

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