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Klepper Backyak : Aus einem Zweier mach fünf Sportgeräte

  • -Aktualisiert am

Großer Silberfisch: Der Klepper Backyak als Kajak-Zweier mit Kinderluke Bild: Hersteller

Kajak, Spielboot, Floß, Katamaran, Schlitten, alles leicht zu schultern - das will der Klepper Backyak sein. Das Faltboot lässt sich in sechs Teile zerlegen und als Rucksack transportieren.

          5 Min.

          Das zum technischen Klassiker gewordene Faltboot des 20. Jahrhunderts wurde nach Art des Kajaks, eines Jagdboots der Polarvölker, geformt. Mit seinem zerlegbaren Holzgestell und einer Haut aus Stoff und Gummi hat diesen für Wildwasser wie Wanderfahrt geeigneten Bootstyp 1904 der Architekturstudent Alfred Heurich erfunden. Er stammte aus dem - damals deutschen - Metz, war 21 Jahre jung und hatte im Münchener Völkerkundemuseum einen Eskimo-Kajak gesehen. Seinen etwa 4,50 Meter langen und 50 Zentimeter schmalen, zerlegbaren Luftikus soll Heurich binnen drei Wochen gebaut haben. Materialwert: 30 Mark. Es war keineswegs das erste zerlegbare Boot der Geschichte, aber mit ihm begann eine modische "Sportfexerei", die sich von Bayern aus in die ganze Welt verbreitete. Bis in die sechziger Jahre blieb das Faltboot ein brummendes Geschäft, bevor die Vorteile der Boote aus Kunststoff es zu einer teuren Liebhaberei mit nostalgischem Anstrich werden ließen.

          Zum Zusammenbauen: Klepper Backyak

          Am 30. Mai 1905 befuhr Heurich mit seinem Luftikus von Bad Tölz aus die Isar bis nach München. Fünf Stunden dauerte die etwa 50 Kilometer lange Fahrt, die nicht ohne Risiken war, aber viel Beachtung fand. 1907 hatte Heurich dann mit dem Delphin einen gemütlicheren Bootstyp entwickelt, und es griff der Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper ins Geschehen ein. Der war stark an - heute würden wir sagen - Trendsportarten interessiert. Er erwarb von Heurich eine Lizenz und firmierte danach als Allein-Fabrikant des nun in Serie gefertigten Delphin. In der Folge verband sich der Name Klepper immer mehr mit dem modischen Sportgerät Faltboot. Es kamen neue, technisch wie qualitativ stark verbesserte Boote heraus. Der geschickte Vermarkter Klepper machte - mit Unterstützung zahlloser begeisterter Nutzer - schließlich ein schickes, für Reiseabenteuer mit begrenztem Risiko stehendes Kultobjekt aus der Erfindung des in den Hintergrund abgedrängten und darob verbitterten Heurich.

          Die Teile des Bootskörpers passen in einander

          Bootskörper lässt sich in sechs Teile zerlegen

          Diese - jedem Faltbootfreund geläufige - Geschichte muss man im Hinterkopf haben, um die aktuelle Neuheit aus Rosenheim richtig zu bewerten: Nach mehr als 100 Jahren hat die Klepper Faltbootwerft AG vergangene Woche wieder einen Prototyp eines Architekten und Designers präsentiert. Aber diesmal ist es kein "Hadernkahn", sondern ein zerlegbarer Kajak-Zweier aus Karbon. Das 5,40 Meter lange und 60 Zentimeter breite Boot namens Backyak hat zwei Sitzluken für Erwachsene und eine dritte, in die ein Kind passt oder die man als Ladeluke nutzen kann. Der Clou von Backyak aber ist, dass sich der Bootskörper in sechs Teile zerlegen lässt, die ineinander passen. Die beiden mittleren Sektionen nehmen jeweils die kleineren und schmaleren Bootsteile auf und werden zu Tragebehältnissen. Klepper spricht von Rucksäcken, aber es sind eher Tonnen im abgerundeten Format von 90 × 60 × 40 Zentimeter, die allerdings im Verhältnis zu ihrem Volumen verblüffend leicht sind. Jede Tragetonne wiegt rund zehn Kilogramm. Die Tragkraft wird mit 250 Kilogramm angegeben. In die Behältnisse passen auch die teilbaren Paddel, die ebenfalls aus Karbon sind.

          Die großen Sektionen werden zu zwei Tragetonnen, jede wiegt rund zehn Kilo

          Der Zweier-Kajak mit den zweieinhalb Plätzen ist allerdings nur eine von fünf Nutzungsformen des Backyak. Die entstehen dadurch, dass die Segmente anders zusammengefügt und mit weiterem Zubehör verbunden werden. Erste Variante: Das Boot wird in zwei Teile zerlegt und die Überschrift lautet: Fun. Die beiden Hauptsektionen erhalten hinten einen stumpfen Abschluss, und es entstehen zwei 2,70 Meter kurze Spielboote. Wie sie sich fahren mögen, darüber soll hier nicht spekuliert werden. Aber so viel ist klar: In dem einen Bötchen sitzt man anders herum als im Zweier. Aus dessen schmal geschnittenem Heck wird beim zweiten Fun-Boot also ein Bug.

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