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Kernkraftwerk Fukushima : Ein Sarg aus Eis gegen die Strahlung

  • -Aktualisiert am

Gefasst: In rund 1000 Tanks wird das radioaktiv kontaminierte Kühl- und Grundwasser gelagert Bild: AP

In den Havariereaktor von Fukushima dringen täglich 400 Kubikmeter Grundwasser. Nun soll der Wasserzufluss mit einer Sperrwand aus gefrorenem Boden gestoppt werden.

          Im Ruhrgebiet muss auf ewig gepumpt werden. Niederschlags- und Quellwasser, aber auch Bade- und Toilettenabwasser müssen bis zum Sankt Nimmerleinstag aus einer riesigen Bodensenke herausgeholt werden, die sich als Folge des Steinkohlebergbaus über Jahrzehnte gebildet hat. Zudem ist es notwendig, Jahr für Jahr eine Milliarde Kubikmeter Grubenwasser auch aus längst stillgelegten Zechen herauszuschaffen, damit sich diese mit Nickelsulfat, Mangan und Eisenoxiden kontaminierte Brühe nicht mit dem Oberflächenwasser vermischt. Allein dafür sind Pumpen mit einer Leistung von 70 MW rund um die Uhr im Einsatz.

          Würde man die Pumperei einstellen, stünde die Gegend zwischen Duisburg und Moers ziemlich schnell zum Teil bis zu zwölf Meter unter Wasser. Da wären selbst vierstöckige Häuser nicht mehr zu sehen. Einen kaum minder langen Atem wird man auch in Japan haben müssen, wenn man die Auswirkungen der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima, eine Folge des Tsunami vom 11. März 2011, in den Griff bekommen will. Noch ist es zu früh, sich konkreter mit Konzepten eines „sicheren Einschlusses“ oder alternativ mit Demontageplänen zu beschäftigen.

          Radioaktives Kühlwasser

          Derzeit geht es vor allem darum, die drei geschmolzenen Reaktorkerne und mehrere Abklingbecken so ausreichend mit Wasser zu versorgen, dass sich Nuklearmaterial nicht erhitzen und außer Kontrolle geraten kann. Dabei fallen große Mengen an radioaktiv verseuchtem Kühlwasser an. Allein in den vier Reaktorgebäuden sollen knapp 80 000 Kubikmeter (stark) belastetes Wasser stehen, das man erst einmal hier belassen will. So lange, bis eine effektiv arbeitende Filteranlage in Betrieb genommen wird, was für 2014 vorgesehen ist. Noch steht die Wasseraufbereitung in Fukushima in den Anfängen. Zwei mit veralteter Technik arbeitende Filteranlagen hat man mittlerweile installiert.

          Sie arbeiten jedoch wenig effizient. Das darin behandelte Wasser darf nicht in die Umwelt entlassen werden, es wird daher in Tanks zwischengelagert. Gegenwärtig gibt es auf und rund um das Kraftwerksgelände etwa 1000 Tanks, in denen 450 000 Kubikmeter kontaminiertes Wasser lagern. Und es werden täglich mehr. Denn durch Risse und Löcher in den Gebäudewänden und in den Containments (Sicherheitsbehälter) strömt ständig Grundwasser, das im Bereich des Kraftwerks recht hoch ansteht, in die Anlage und muss abgepumpt werden. 400 Kubikmeter sollen das täglich sein. Das sind Mengen, die man auch mit immer mehr Tanks nicht bewältigen kann.

          Hier muss eine andere Lösung gefunden und das Problem an der Wurzel gepackt werden: Man will verhindern, dass das Grundwasser in den Keller des Reaktorgebäudes eindringt.Unter normalen Umständen ist das eine von Bauingenieuren leicht lösbare Aufgabe. Um eine wasserabweisende Sperrwand herzustellen, arbeitet man entweder mit überschnittenen Bohrpfählen, oder man treibt eine aus eng zusammenstehenden Lamellen bestehende (Stahlbeton-)Schlitzwand in den Boden. Im ersten Fall wird gebohrt, die entstandenen Löcher füllt man mit Armierungsstahl und Beton. Dagegen werden Schlitzwände gebaggert, mit Spezialgerät, mit dem ein längliches und recht schmales Aushubprofil möglich wird.

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