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Kapselmaschine Qbo im Test : Das Eckige muss ins Eckige

Die neue Kapselmaschine Qbo mit dem Milkmaster Bild: Hersteller

Qbo will den Markt der Kapselmaschinen erobern. Dafür hat man sich nette Funktionen einfallen lassen. Dahinter steckt ein Unternehmen, das selbst auf dem Markt vertreten ist.

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          Der Eindruck, den die Werbung gern verbreitet, täuscht: Der Kapselkaffee ist noch lange nicht des Deutschen liebstes koffeinhaltiges Getränk. Lediglich 5,5 Prozent des Kaffees wurde im vorigen Jahr auf diese Weise zubereitet. Dafür lag das Wachstum bei sechzehn Prozent. Diesen Schwung will Qbo mit eigenen Kapseln und Maschinen nutzen.

          Qbo? Dahinter steckt niemand anderes als die Tchibo-Gruppe, die diese eigenständige Marke mit Sitz in der Schweiz gegründet hat. Damit macht sich der Konzern selbst Konkurrenz: Tchibo bietet unter dem Namen Cafissimo seit nunmehr elf Jahren Kaffee in Einzelportionen an. Vieles deutet nun darauf hin, dass Qbo vor allem die jüngere Generation ansprechen soll. Christian Ulmen wirbt für das Produkt, die Kapseln sind nur online bestellbar oder in einem hippen Store in Berlin zu kaufen, die Maschine ist mit einer App bedienbar, und die leeren, also verbrauchten Kapseln sind frei von Aluminium. Helfen ein bisschen Internet, ein bisschen Berlin und ein bisschen Öko, um Nespresso und den anderen Kapselsystemen Konkurrenz zu machen?

          Zunächst versucht es Tchibo mit überlegtem Design. Das Konzept versteckt sich im Namen: Englisch gesprochen wird aus den beiden Buchstaben „Qb“ das Wort „Cube“. Der Würfel ist die zentrale Form dieses Produkts. Nicht nur die Kapseln sind kleine Würfel, sondern auch die Kaffeemaschine mitsamt dem Wasser- und Kapselauffangbehälter; sie alle haben eine ähnliche Form. Das ist durchdacht und sieht nach unserer Einschätzung überzeugend aus.

          Legt man die Kapseln ein, von denen es zehn Sorten (vier verschiedene Espressi und sechs Caffé Crema) gibt, zeigt das in Schwarz-Weiß angenehm zurückhaltend gestaltete Display die Kaffeesorte einschließlich ihrer Herkunfts- und Geschmacksbeschreibung. Die Maschine liest dazu einen Code aus, der sich auf der Kapsel befindet. Drei Brühoptionen stehen nun zur Auswahl: Espresso, Caffè und Caffè Grande. Mit dem Drehknopf oberhalb des Bildschirms wählt der Benutzer eine aus.

          Das Display lässt sich über Stellrad rechts bedienen

          Eigentlich würde diese Funktionalität schon fast genügen, um ernsthaft mit Nespresso und anderen Marken konkurrieren zu können. Der Kaffee schmeckt - im Rahmen dessen, was diese Gerätegattung kann - gut, das Design überzeugt, und die Handhabung ist einfach. Auch wenn die Maschine hin und wieder befiehlt, den Kapselbehälter zu leeren, obwohl gar keine drin war. Von dem unsäglichen Trend, Kaffeemaschinen mit einer App zu steuern, hat sich auch Tchibo anstecken lassen. In der Maschine steckt ein W-Lan-Modul, das Verbindung mit einem Smartphone aufnimmt. Vieltrinker können sich ein Profil anlegen, in dem sie ihre favorisierte Kaffeesorte ebenso hinterlegen können wie die Zubereitungsart. Wer auf die App-Spielerei verzichten will, muss leider Einschränkungen hinnehmen. Den Ristretto, also den kurzen Schwarzen, bietet Qbo nur in der App als Option an.

          Ebenso unverzichtbar scheint für die Hersteller, dass jede Kapselmaschine auch Milch aufschäumen können muss. Der Milkmaster kostet optional 70 Euro oder ist im Gesamtpaket enthalten, wenn man 350 Euro ausgibt. Qbo führt hier das Design gekonnt fort, der Behälter mit Aufsatz integriert sich geschickt in die gesamte Erscheinung. Allerdings wird die Handhabung dadurch eingeschränkt. Der Milkmaster sitzt vor dem Wassertank, so dass ein Nachfüllen nach sich zieht, dass man den Milchbehälter abnehmen muss. Dieser verbindet sich im Übrigen mit der Elektronik der Maschine über einen vierpoligen Kontakt.

          Schließt man ihn an, stellt sich das Display automatisch um und bietet Auswahlmöglichkeiten wie Cappuccino oder Latte Macchiato an. Die Vielfalt der Getränke ergibt sich letztlich nur durch die Menge der Milch, die aufgeschäumt wird. Egal ob Cappuccino oder Latte Macchiato, die Konsistenz des Schaums ist die gleiche. Er eignet sich eher für einen Flat White als für einen Latte Macchiato, weil der Schaum doch zu schnell zerfällt.

          In der täglichen Handhabung hat die Qbo ihr Stärken und Schwächen. Wie bei allen Kapselmaschinen reinigt sie ihr Inneres nach dem Anschalten und vor dem Abschalten. Hat sie einige Bezüge hinter sich, fordert sie eine Reinigungskapsel, die beiliegt. Bis hierhin ist die Reinigung der Maschine eine einfache Sache. Nimmt man sich den Milkmaster vor, wird es etwas komplizierter. Beim Zerlegen fühlt man sich wie ein Kind, das sich mit dem neuesten Lego-Modell beschäftigt. Dank guter Anleitung bekommt man das System zwar schnell zerlegt und zusammengebaut. Jedoch zog der Milkmaster nach der vierten Reinigung Luft, so dass wir abermals den Behälter auseinandernehmen mussten, weil ein Teil nicht fest genug saß. Das Gleiche passierte uns vor Kurzem noch einmal.

          Insofern gilt unser Plädoyer auch hier: Mit Kapselmaschinen macht man am besten einen Espresso oder Caffé Crema. Das gelingt einfach und schnell. Geschmacklich ist das Ergebnis in Ordnung, auch wenn das Getränk mit einem aus einem Siebträger gezogenen nicht ganz mithalten kann. Zu beachten ist dabei immer noch der Preis. 37 Cent für eine Kapsel ist in Relation zu sieben Gramm Bohnenkaffee noch immer erschreckend. Und der Umweltaspekt spricht nach wie vor gegen diese Gerätegattung. Auch wenn Tchibo darauf hinweist, dass die Kapseln aus Plastik sind und so im Gelben Sack entsorgt werden können.

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