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De Longhi Maestosa im Test : Majestätischer Heiratsantrag

Kaffeevollautomat Maestosa von De Longhi Bild: Hersteller

Kaffeevollautomaten nerven häufig, weil sie nicht das machen, was sie sollen. Anders die De Longhi Maestosa. Sie bezirzt ihre Nutzer nicht nur mit attraktivem Espresso.

          3 Min.

          Die Suche nach einem guten Kaffeevollautomaten kann sich so gestalten wie die Suche nach dem richtigen Partner. Man findet immer wieder einen Haken, und es bleibt einem nichts anderes übrig, als weiter zu suchen. So enttäuschten in den vergangenen Jahren die Produkte von den einschlägigen Herstellern fortwährend. Meist war der grobe Mahlgrad ein Haken, manche ließen sich nicht einfach reinigen, andere waren zu laut, und einige schäumten die Milch nicht ordentlich.

          Als wir nun mit der Neuen von De Longhi Kaffee trinken sollten, waren die Vorbehalte entsprechend groß. Zudem kann einem die falsche Wahl teuer zu stehen kommen. Die Maestosa kostet 2500 Euro. De Longhi bewirbt sein Premiummodell als „ersten Kaffeevollautomaten mit Manufakturcharakter“. Das Design ist gelungen. Vom wellenförmigen Edelstahlgehäuse setzt sich das dunkle Glas der Front kontrastreich ab. In diese ist der fünf Zoll große Farbbildschirm integriert, der bei Bedarf leicht gekippt werden kann.

          Wir sind wahrlich keine Freunde von Kaffeemaschinen, die mit einem großen Bildschirm und mehr als einem Dutzend – hier sind es sogar 20 – Kaffeevariationen auf sich aufmerksam machen wollen. Aber die Maestosa lässt sich derart leicht und fehlerfrei bedienen, dass diese Funktion auch den Kollegen von Anfang an sympathisch war. Klickt man direkt auf das Bild eines Espressos, Kaffees oder Doppio, surrt die Mühle los und füllt Glas oder Tasse. Wählt man das Plus-Zeichen, lassen sich die Parameter für die Getränke ändern, die Einstellungen speichern und in einem Profil ablegen.

          Das Display lässt sich auch kippen. Bilderstrecke

          Die Paradedisziplin eines jeden Vollautomaten sollte der Espresso sein. Denn schmeckt dieser nicht, haben auch die Getränke mit geschäumter Milch Geschmacksdefizite. Bisher scheiterten nahezu alle bisher getesteten Vollautomaten an dem Espresso, weil das heiße Wasser zu schnell durch das gepresste Mehl schoss. Dies war nicht zu verhindern, weil selbst bei maximaler Mehlmenge und minimaler Wassermenge der Mahlgrad in der kleinsten Einstellung noch zu grob war. Die Maestosa kann die Bohnen sogar so fein mahlen, dass die Maschine es nicht mehr schafft, das Wasser durchzupressen. Der Mahlgrad wird nicht manuell durch ein Rädchen im Bohnenbehälter verändert, sondern digital am Bildschirm, woraufhin die Mühle die Stahlscheiben enger stellt. Der Clou an der Maschine: Jeder der zwei Bohnenbehälter hat sein eigenes Mahlwerk.

          So laufen dann beim Ristretto in etwas mehr als 20 Sekunden etwa 32 Milliliter Espresso bei etwa 14 Gramm Mehl in die Tasse. Das ist nicht perfekt, und Freunde von Siebträgermaschinen werden einwenden, dass man mit ihren Maschinen noch exakter vorgehen kann. Ja, aber der Espresso, den die Maestosa macht, steht geschmacklich einem Espresso aus einer Siebträgermaschine in nichts nach.

          Vollautomaten fürs Leben gefunden?

          Ein Kaffeevollautomat für 2500 Euro muss natürlich noch mehr können, als guten Espresso zu machen. Also hat De Longhi das Menü vollgepackt mit verschiedensten Varianten: Neben Cappuccino, Latte macchiato und Flat White kann die Maestosa auch Americano, Espresso macchiato oder Long zelebrieren. Wie gut diese Getränke werden, entscheidet das Verhältnis von Kaffee und Milchschaum und dessen Konsistenz. Diese lässt sich in drei Stufen einstellen. Der Schaum ist sehr ordentlich, kann allerdings nicht mithalten mit der geschäumten Milch, die ein Barista gemacht hat. Die kleinstmögliche Menge etwa für einen Flat White oder Cappuccino ist meist etwas groß, eine klassische Tasse läuft dann fast über. Allerdings hört die Maestosa während des Prozesses sowohl bei Kaffee als auch Milch auf, wenn man die Stopptaste drückt.

          Sie schäumt übrigens nicht nur Milch, sondern auch Schokolade. In ein für diesen Zweck mitgeliefertes Behältnis wirft man ein paar Stückchen Schokolade, gibt Milch hinein, und die Maschine wirft einen Rührstab an, der mit Hilfe heißen Dampfes so lange beides miteinander erhitzt und vermengt, bis eine heißer Kakao dabei herauskommt. Funktioniert und schmeckt. Gibt es doch noch einen Haken, oder haben wir mit der Maestosa den Vollautomaten fürs Leben gefunden? Um ganz sicher die richtige Wahl zu treffen, muss sich der Automat gut reinigen lassen.

          Würde sie nur nicht so viel kosten

          Also, die Brühgruppe sitzt hinter dem Wassertank. Eigentlich reicht es, sie alle drei bis vier Tage abzuspülen, wir haben es täglich getan, weil sie sich schnell herausnehmen lässt. Es finden sich kaum Pulverreste auf dem Sieb, nur dort, wo der Kaffee austritt, sammeln sich ein paar Tropfen Flüssigkeit. Das Innere der Maschine ist übersichtlich gestaltet und leicht zugänglich, so dass sich diese Flächen mit einen Lappen flott säubern lassen. Das Gleiche gilt auch für den Auffangbehälter. Wie bei den meisten Herstellern ist auch der Milchbehälter der Maestosa so konstruiert, dass man ihn einfach abziehen kann, um ihn in den Kühlschrank stellen zu können. Das hat den weiteren Vorteil, dass die Maschine selbst nicht in Berührung mit Milch kommt. Es genügt, den Behälter zu zerlegen und zu reinigen.

          Die Maestosa von De Longhi ist der erste Vollautomat, der unser Herz erobert hat. Der Espresso schmeckt hervorragend, die Bedienung ist einfach, sie lässt sich gut reinigen, und der Milchschaum überzeugt ebenso. Für kalte Tage hält sie sogar eine heiße Schokolade bereit. Würde sie nicht so viel kosten, wäre die Suche erst einmal eingestellt.

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