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Kaffeemühle Zuriga G2 im Test : Die Schweizer mahl wieder

Kaffeemühle G2 von Zuriga Bild: Hersteller

Jede Espressomaschine braucht eine Mühle als Spielpartner. Die G2 von Zuriga arbeitet mit Ruhe und Präzision. Für das Scheibenmahlwerk haben sich die Schweizer etwas besonderes einfallen lassen.

          3 Min.

          Kaffeemühlen seien wichtiger als die Espressomaschinen selbst, heißt es häufig. Das ist natürlich übertrieben. Hinter dieser Überhöhung steckt eine gut gemeinte Warnung. Wer viel Geld für eine Espressomaschine ausgibt, sollte an der Mühle nicht sparen. Einige Hersteller bieten deshalb gleich beides an, seit Neuestem auch Zuriga. Damit die Espressomaschinen E2 und E2-S einen standesgemäßen Spielpartner bekommen, haben die Schweizer ihre eigene Kaffeemühle entwickelt.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die G2 hat das gleiche minimalistische Designkonzept wie die Maschinen: verchromten Stahl mit Nussbaumholz- und Glaselementen, dessen Oberfläche nur von wenigen Knöpfen und Aufschriften unterbrochen wird. Da es an einer Mühle mehr zu drehen und zu drücken gibt als an einer Maschine, ist das Design der G2 nicht ganz so konsequent und minimalistisch geraten wie das der E2. Aber nebeneinanderstehend, bilden beide Geräte eine harmonische Einheit.

          Die G2 ist eine Mühle mit Scheibenmahlwerk. Solche Geräte findet man in den meisten Cafés, aber oft auch in den Küchen von ambitionierten Espressomachern. Dennoch gibt es weiterhin Mühlen mit Kegelmahlwerk. Wer zu Hause einen Kaffeevollautomaten stehen hat, wird immer einem Kegelmahlwerk zuhören, wie es Bohnen zerkleinert. Die konische Variante hat neben ihrer kompakten Bauform zwei weitere Vorteile. Erstens erhitzen sich Bauteile weniger, weil sie langsamer rotieren. Zweitens hat ein Kegelmahlwerk keinen Totraum, weil sich das Mahlgut komplett löst und nach unten fällt. Bei Mühlen mit Scheibenmahlwerk bleibt immer ein Rest hängen, der beim nächsten Bezug hinausgeschleudert wird. Deshalb war bisher die Baratza Sette 270 unser Favorit. Zuriga hat es geschafft, die Menge an Restmehl im Totraum immerhin auf 1,5 Gramm zu reduzieren.

          Minimalistisches Designkonzept: verchromter Stahl mit Nussbaumholz- und Glaselementen Bilderstrecke
          Im Test : Zuriga G2

          Die mögliche Hitzeentwicklung von Mühlen wird erst dann ein Problem, wenn ein Dutzend Besucher auf einmal auftauchen und alle Espresso trinken wollen. Dann können sich die Stahlscheiben erhitzen und die Bohnen warm werden, was unter Fachleuten nicht gern gesehen wird. Zuriga versucht die Wärmeentwicklung aus einem anderen Grund zu reduzieren. Wärme kann die Anordnung und das Verhalten der Bauteile im Mahlwerk beeinflussen – wenn auch nur minimal. Dann würde die Mühle möglicherweise nicht mehr präzise arbeiten. Die Entwickler haben deswegen die beiden Scheiben voneinander entkoppelt, sodass sich die entstehende Wärme an der rotierenden Scheibe möglichst wenig auf andere Bauteile überträgt.

          Wie in vielen anderen Mühlen auch bewegt sich in der G2 die obere Scheibe nicht, während die untere sich dreht – in diesem Fall mit 1200 Drehungen je Minute. Im Unterschied zur Konkurrenz ist die obere Scheibe auch dann fest, wenn der Mahlgrad eingestellt wird. Normalerweise wird ein gröberer Mahlgrad dadurch erreicht, dass sich die obere Scheibe entfernt, um mehr Abstand zwischen den Scheiben zu schaffen. In der G2 wird der unterschiedliche Abstand durch das Hoch- und Herunterbewegen der unteren geregelt.

          Keine Klümpchenbildung

          Wie ein Schweizer Uhrwerk mahlt die G2 die Bohnen. Dabei fällt das Mahlgut klumpenfrei ins Sieb und bildet einen einheitlichen Berg. Das ist keineswegs Standard. Wir hatten schon einige Mühlen wie etwa die Eureka Mignon im Probebetrieb, die während des Mahlvorgangs immer wieder kleine Klümpchen im Sieb hinterließen – was nicht dramatisch ist, wenn man sie auflöst. Zuriga verhindert die Klümpchenbildung durch eine Art Klappe, die an der Stelle sitzt, wo das Mehl die Scheiben verlässt und sich auf den Weg in den Schacht macht.

          Die G2 bietet ganz klassisch einen Timer, damit Nutzer immer die gleiche Menge Mehl für ein oder zwei Tassen beziehen können. Das setzt voraus, dass man die gewünschte Menge vorher durch Wiegen ermittelt und die Bohnensorte die gleiche ist. Als empirischer Richtwert gilt: Bei nicht allzu dunkel gerösteten Bohnen entspricht eine abgelaufene Sekunde etwa einem Gramm ausgegebenem Mehl. Die ablaufende Zeit stellt die G2 auf einer schicken Anzeige dar, die aus 65 winzigen, hinter der Oberfläche sitzenden LED besteht. Alternativ zum Timer lässt sich über einen kleinen Drehschalter die zeitlose Variante wählen. Dann mahlt die Mühle so lange, bis man ein zweites Mal den Bezugsschalter drückt.

          Leise und präzise

          Im täglichen Gebrauch zeigt die G2, wie präzise und einfach bedienbar sie ist. Sobald die Bohnen in den 250 Gramm fassenden Behälter aus Glas mit Nussbaumholzdeckel gefüllt sind, nähert man sich schnell dem geeigneten Mahlgrad und der dazu passenden Menge. Die Skala für die Einstellung des Mahlgrads ist übersichtlich, er lässt sich im Unterschied zu einigen anderen Mühlen wirklich stufenlos verstellen, es rastet während des Drehens nichts ein. Die G2 mahlt ziemlich leise, sie macht noch weniger Geräusche als die Mahlkönig X54, die wir im vergangenen Jahr ausprobiert hatten. Da ein veränderter Mahlgrad die Mehlmenge beeinflusst, muss man diese entsprechend anpassen. Auch das ist flott vollbracht. Drückt man einmal den Drehschalter, lässt sich die auf dem Display angezeigte Zeit durch Drehen nach links oder rechts bis auf die Zehntelsekunde verringern oder erhöhen.

          Produkte aus der Schweiz haben ihren Preis. Da Zuriga für seine Espressomaschine E2-S schon 1680 Euro verlangt, war es klar, dass sich die G2 nicht im unteren Preissegment bewegt. Mit 890 Euro liegt sie aber auch nicht im oberen. Es gibt Mühlen, die sich jenseits von 1000 Euro bewegen. Wer schon die E2-S besitzt, wird an der G2 nicht vorbeikommen, da beide optisch ein unschlagbares Duo bilden. Doch wer mit einem Produkt der Konkurrenz seinen Espresso macht, sollte sich auch mal die Mühle von Zuriga anschauen. Sie überzeugt mit hochwertiger Verarbeitung, feinen Materialien, exakter Technik, Stil und kompakten Maßen. Die G2 lässt sich in Deutschland im jüngst eröffneten Zuriga Store in München betrachten.

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