https://www.faz.net/-gy9-6uk47

Kabelbinder : Auf ewig festgezurrt

  • -Aktualisiert am

Bild: Hellermann Tyton

Mit Kabelbindern werden Wahlplakate an Laternenmasten befestigt, Kriminelle fixiert und die Kabel der Waschmaschine gebündelt. Ein Bauteil, das unentbehrlich ist.

          5 Min.

          Taxifahrer sind meist gut informiert. Sie wissen, wo man Currywurst essen und günstig Winterreifen kaufen kann. Sind sie rund um Pinneberg unterwegs, also im Norden von Hamburg, dann haben sie vermutlich von der Revolution unter den Kabelbindern gehört, sitzt doch im Örtchen Tornesch der Weltmarktführer dieses Produkts. Die Hellermann Tyton GmbH stellt mit 2800 Mitarbeitern rund um den Globus Jahr für Jahr Millionen von Kabelbindern her. 7500 unterschiedliche Typen, alle drei Tage kommt ein neuer hinzu.

          Unser Taxifahrer kann sich ein Leben ohne Kabelbinder nicht mehr vorstellen. Die Trinkflaschen seiner Zwergkaninchen befestigt er damit am Maschengitter des Geheges. Im Badezimmer, erzählt er, hat er damit den Duschkopf an der ausgeleierten Halterung fixiert. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er kennt die Geheimnisse des Kabelbinders und ist gespannt darauf, endlich jenes neue Modell in die Hand zu bekommen, von dem die Gäste im Fond seines Wagens tuscheln: Binder der neuen Q-Serie, die zwar längst Einzug in die Montagehallen von Waschmaschinenherstellern und Autobauern gefunden haben, aber vom Normalbürger noch in keinem Baumarkt gekauft werden können.

          Kabelbinder haben mehrere Väter

          Die Q-Binder machen endlich Schluss mit dem, was das Hantieren mit diesen Befestigungsbändern bisher erschwert: Nachdem das Band um den Zaunpfosten, die Duschstange oder was auch immer geschlungen und das Ende durch den (Verschluss-)Kopf gesteckt ist, muss man umgreifen. Erst dann kann man das Band anziehen. Das geht künftig in einem Arbeitsschritt. Denn man hat den Kopf nach oben hin gabelförmig geöffnet. Das Bandende wird jetzt in den Spalt-Kopf gelegt und (ohne noch einmal loszulassen) festgezogen. Klingt unspektakulär, ist es aber keinesfalls. Denn wer an einer nur schwer zugänglichen Stelle - und das noch ohne Sichtkontakt - Leitungen zusammenbinden muss, der ist froh, das in einem Rutsch bewerkstelligen zu können.

          Kabelbinder sind keine neue Erfindung. Wie es aussieht, haben sie mehrere Väter. Sie scheinen jedoch nicht von Thomas & Betts erdacht worden zu sein, wie dieser in Memphis, Tennessee, ansässige Hersteller auf seiner Homepage den Eindruck erweckt. Dort ist zu lesen, dass sich das Unternehmen mit seinem 1958 entwickelten Ty-Rap-Kabelbinder einen Platz in der Technikgeschichte gesichert habe.

          Diese Aussage relativiert sich bei einer Recherche im Deutschen Patentamt. Dessen "Verbinder-Expertin" Dorte Otten-Dünnweber hat auf Nachfrage ihre einschlägigen Datenbanken durchsucht und ein am 1. Oktober 1954 eingereichtes Cabel Strap Patent (US2936980) von George M. Rapata hervorgezogen, einem Mitarbeiter der Chicagoer Illinois Tool Works. Damit war Rapata eindeutig schneller als Maurus C. Logan von Thomas & Betts, der seinen Binder erst Jahre später, am 24. Juni 1958, angemeldet hatte.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Die Kunst des Interviews

          Mehr als bloß Fragen stellen : Die Kunst des Interviews

          Unter den journalistischen Textformen ist das Interview noch immer das Stiefkind – vollkommen zu Unrecht: Ein gutes Interview ist nie nur eine Aneinanderreihung von Fragen und Antworten, sondern ein kleines Theaterstück.

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.
          Olga Tokarczuk und Peter Handke nach ihren „Nobel Lectures“ in Stockholm.

          Vorträge der Nobelpreisträger : Eine Rede aus zweiter Hand

          Peter Handke zitiert in seinem Vortrag vor allem eigene und fremde Werke. Dagegen bemüht sich Olga Tokarczuk um ein neues Ideal für die Literatur, das sich an der ältesten Erzählperspektive der Welt orientiert: der der Bibel.

          Klimademo in Madrid : 500.000 Demonstranten – oder 15.000?

          Eine halbe Million Menschen demonstrierten laut Greta Thunberg in Madrid für eine andere Klimapolitik. Die Polizei zählte allerdings deutlich weniger. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse verzerrt das Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.