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Kabelbinder : Auf ewig festgezurrt

  • -Aktualisiert am

Bild: Hellermann Tyton

Mit Kabelbindern werden Wahlplakate an Laternenmasten befestigt, Kriminelle fixiert und die Kabel der Waschmaschine gebündelt. Ein Bauteil, das unentbehrlich ist.

          5 Min.

          Taxifahrer sind meist gut informiert. Sie wissen, wo man Currywurst essen und günstig Winterreifen kaufen kann. Sind sie rund um Pinneberg unterwegs, also im Norden von Hamburg, dann haben sie vermutlich von der Revolution unter den Kabelbindern gehört, sitzt doch im Örtchen Tornesch der Weltmarktführer dieses Produkts. Die Hellermann Tyton GmbH stellt mit 2800 Mitarbeitern rund um den Globus Jahr für Jahr Millionen von Kabelbindern her. 7500 unterschiedliche Typen, alle drei Tage kommt ein neuer hinzu.

          Unser Taxifahrer kann sich ein Leben ohne Kabelbinder nicht mehr vorstellen. Die Trinkflaschen seiner Zwergkaninchen befestigt er damit am Maschengitter des Geheges. Im Badezimmer, erzählt er, hat er damit den Duschkopf an der ausgeleierten Halterung fixiert. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er kennt die Geheimnisse des Kabelbinders und ist gespannt darauf, endlich jenes neue Modell in die Hand zu bekommen, von dem die Gäste im Fond seines Wagens tuscheln: Binder der neuen Q-Serie, die zwar längst Einzug in die Montagehallen von Waschmaschinenherstellern und Autobauern gefunden haben, aber vom Normalbürger noch in keinem Baumarkt gekauft werden können.

          Kabelbinder haben mehrere Väter

          Die Q-Binder machen endlich Schluss mit dem, was das Hantieren mit diesen Befestigungsbändern bisher erschwert: Nachdem das Band um den Zaunpfosten, die Duschstange oder was auch immer geschlungen und das Ende durch den (Verschluss-)Kopf gesteckt ist, muss man umgreifen. Erst dann kann man das Band anziehen. Das geht künftig in einem Arbeitsschritt. Denn man hat den Kopf nach oben hin gabelförmig geöffnet. Das Bandende wird jetzt in den Spalt-Kopf gelegt und (ohne noch einmal loszulassen) festgezogen. Klingt unspektakulär, ist es aber keinesfalls. Denn wer an einer nur schwer zugänglichen Stelle - und das noch ohne Sichtkontakt - Leitungen zusammenbinden muss, der ist froh, das in einem Rutsch bewerkstelligen zu können.

          Kabelbinder sind keine neue Erfindung. Wie es aussieht, haben sie mehrere Väter. Sie scheinen jedoch nicht von Thomas & Betts erdacht worden zu sein, wie dieser in Memphis, Tennessee, ansässige Hersteller auf seiner Homepage den Eindruck erweckt. Dort ist zu lesen, dass sich das Unternehmen mit seinem 1958 entwickelten Ty-Rap-Kabelbinder einen Platz in der Technikgeschichte gesichert habe.

          Diese Aussage relativiert sich bei einer Recherche im Deutschen Patentamt. Dessen "Verbinder-Expertin" Dorte Otten-Dünnweber hat auf Nachfrage ihre einschlägigen Datenbanken durchsucht und ein am 1. Oktober 1954 eingereichtes Cabel Strap Patent (US2936980) von George M. Rapata hervorgezogen, einem Mitarbeiter der Chicagoer Illinois Tool Works. Damit war Rapata eindeutig schneller als Maurus C. Logan von Thomas & Betts, der seinen Binder erst Jahre später, am 24. Juni 1958, angemeldet hatte.

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