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Kabelbinder : Auf ewig festgezurrt

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Das kann man heilen. Dazu muss man sie nur eine Weile ins Wasser legen. So lange, bis der Gleichgewichtszustand mit einem Wassergehalt von 2,5 Prozent wieder erreicht ist. Den haben neu im Regal auftauchende Kabelbinder immer. Dafür sorgen die Hersteller mit einem simplen Kunstgriff. Zu den frisch aus den Spritzgießmaschinen kommenden (vollkommen trockenen) Kabelstrapsen packen sie einige Tropfen Wasser mit in die Tüte. Gerade so viel, dass es vom Polyamid aufgenommen werden kann.

Schwerlast-Kabelbinder aus Edelstahl

Vom richtigen Feuchtegrad hängt auch das zuverlässige Funktionieren des Schlosses ab. Nur wenn die federnd gelagerte "Zunge" des Kabelbinder-Schlosses mit der vorgegebenen Spannkraft in die Verzahnung greift, bleibt das Band dauerhaft geschlossen. Das klappt eigentlich immer, dennoch hat man sich bei Hellermann Tyton eine Alternative zu diesem Allerweltsverschlussprinzip einfallen lassen: Das Ganze funktioniert mit einem zahnlosen Band. Um es im Schloss zu fixieren, bedient man sich eines kleinen, glasfaserverstärkten Stifts, der mit einer speziellen Zange in das Band gedrückt wird.

Vollkommen anders schließen Schwerlast-Kabelbinder aus Edelstahl. Sie halten extrem große Kräfte aus und sind zudem temperaturbeständig. Sie werden daher gern in der chemischen Industrie und im Bergbau eingesetzt. Ihre (nicht lösbare) Schließe hat ein durchaus pfiffiges Innenleben: Eine - oder bei breiteren Bändern auch zwei kleine Kugeln werden in einem konisch zulaufenden Gehäuse von dem unter Spannung stehenden Band so stark verkeilt, dass sie dauerhaft fest sitzen und den Edelstahl-Straps festhalten. Für starre Rohre ist dieser Binder nicht geeignet, da so der fürs Verkeilen benötigten "Rücksprung" nicht entsteht. Will man mit ihm starre Objekte bündeln, muss man einen elastischen Puffer zwischen Rohr und Stahlband legen.

„Autotools fürs rationelle Bündeln“

Kabelbinder werden in der Industrie, dort wo an Fertigungsstraßen Produkte in großer Stückzahl hergestellt werden, nur in Ausnahmefällen mit der Hand eingebaut. Längst haben diese Aufgaben eigens dafür entwickelte Apparate übernommen, die ähnlich den Druckluftschraubern von der Decke der Montagehallen hängen und von den Werkern wie Pistolen geführt werden - mit dem Unterschied, dass an Stelle eines Projektils ein Kabelbinder aus dem Gerät schnellt. Ein klauenartiger Vorsatz schlingt den Binder um den Kabelbaum, zieht den Kabelbinder fest und schneidet das überschüssige Ende ab.

In weniger als einer Sekunde erledigen die von Hellermann Tyton angebotenen "Autotools fürs rationelle Bündeln" den Einbau eines Kabelbinders. Damit denen der Nachschub nicht ausgeht, werden die Bindestrapse von einer Bandspule abgewickelt, auf der bis zu 3000 (kleine) Kabelbinder Platz finden. Doch es geht noch schneller. Nur eine halbe Sekunde wird für das Binden und Festzurren eines Kabelbinders benötigt, wenn die Binder am Verwendungsort aus Kopf und Band zusammengesetzt werden. Dazu werden beide Teile separat von der "Endlosrolle" zugeführt, was noch einen weiteren Vorteil hat: Die Bänder können genau in der benötigten Länge abgeschnitten werden. Es entsteht kein Abfall. Keine Auffangbehälter müssen entleert werden. Und: Der Nachhaltigkeitsbeauftragte kann das abfallfreie Abbinden in seinen Katalog der guten Taten aufnehmen.

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