https://www.faz.net/-gy9-6uk47

Kabelbinder : Auf ewig festgezurrt

  • -Aktualisiert am

20 Handschellen viel schwerer als ein Päckchen Kabelbinder

Dass der Kabelbinder nicht schon viel früher das Licht der Welt erblickt hat, liegt wesentlich nicht an mangelnder Phantasie und Innovationskraft. Ursache war vor allem, dass der für diese Teile erforderliche Werkstoff lange nicht zur Verfügung stand: Plastik. Nur mit flexiblen und zudem widerstandsfähigen Kunststoffen lassen sich Bänder produzieren, die nicht reißen - und an die sich ein Schloss angießen lässt, aus dem das "eingeschlaufte" Band nicht herausrutscht.

Leichter als Handschellen

Diese Anforderungen sind längst in einer nur schwer zu überblickenden Variantenvielfalt erfüllt. Kabelstrapse oder Ratschbänder, wie diese Teile auch genannt werden, nutzt man heute in der Forstwirtschaft zum Anbinden neu gepflanzter Bäume. Wahlplakate werden damit an Laternenmasten gebunden, und auch die Polizei nutzt sie bei Großeinsätzen, hat sie doch erkannt, dass 20 Handschellen deutlich mehr Platz wegnehmen und viel schwerer sind als ein Päckchen Kabelbinder.

„Mindesthaltekraft“

Heute sind Kabelstrapse aus keinem Industriezweig mehr wegzudenken. In der Automobilindustrie bündelt man mit ihnen die zu dicken Strängen zusammengefügten Kabelbäume, die für die Signal- und Stromübertragung zuständig sind. Auch die quer durch einen Schiffsrumpf oder hinter der Kabinenverkleidung von Flugzeugen verlaufenden Adern werden mit Kabelbindern gebündelt. Und nicht nur das: Die Ratschband-Hersteller sind schon vor geraumer Zeit dazu übergegangen, ihre Binder um Halterungen zu ergänzen, die direkt mit dem Kabelbinder verbunden sind. Das sind angegossene "Propfen", die in dafür eigens gestanzte Löcher einer Karosserie gesteckt werden. Oder es sind röhrenartige Verdickungen, die man über Haltedorne schiebt.

Kabelbinder sind widerstandsfähig. Wer je versucht hat, ein solches Band mit den bloßen Händen aufzureißen, kennt deren Stabilität. Je nach Einsatzzweck kann die variieren. Die Hersteller sprechen von der "Mindesthaltekraft", die für jeden Typ akribisch ermittelt wird und zwar nach einem vom amerikanischen Militär entwickelten Messverfahren (Military Specification and Standards). Dazu wird der Kabelbinder über einen in Längsrichtung zweigeteilten Dorn geschoben, der dann mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit auseinander gedrückt wird, so lange, bis der Binder reißt.

Der richtige Feuchtegrad

Es ist trivial: Die Haltekraft des Kabelbinders wird durch die Dicke des Bindenbandes und durch das verwendete Material bestimmt. In der Regel ist das Polyamid, besser bekannt unter dem Dupont-Markennamen Nylon. Mit diesem Superplastik lassen sich stabile, abriebfeste und zudem bei höheren Temperaturen formbeständige Kabelbinder herstellen. Müssen sie extremen Belastungen standhalten, wechselt man zu "veredeltem" Polyamid, das wie Normal-Nylon (PA66) hygroskopisch ist. Das bedeutet, die Kabelbinder können Wasser aufnehmen und wieder abgeben - und tun das auch. Das ist auch für Hobby-Binder interessant. Denn wer Kabelstrapse lange im Keller herumliegen lässt, stellt fest, dass die starr und störrisch werden - und sich nur noch schwer verarbeiten lassen.

Weitere Themen

Nissan Leaf Video-Seite öffnen

Fahrbericht : Nissan Leaf

Nissan bietet sein Elektroauto jetzt auch mit größerer Batterie und 217 PS an. Das wirkt. Aber die unnötig lange Ladezeit und der Komfort enttäuschen.

Echt Plastik

Schmuck aus Kunststoff : Echt Plastik

Polycarbonat statt Gold: Svenja John gestaltet Schmuck aus Kunststoff für selbstbewusste Kundinnen. Die Anregungen kommen aus der Natur, das Knowhow von der Industrie.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.