https://www.faz.net/-gy9-9xhv1

Scharf oder schön : Mit dem Bug fängt alles an

  • -Aktualisiert am

Die haben Schneid: 80-Meter-Yacht "Excellence" mit Wavepiecer-Front. Nicht zu sehen, weil unter Wasser: der Wulstbug. Bild: MYS/van Oossanen

Es ist erstaunlich, welche Formen es heute auf Jollen, Yachten oder Schiffen gibt. Schräg, gerade, rückwärts geneigt: Mal ist es Design, mal hat es handfeste Vorteile.

          5 Min.

          Er ist senkrecht, vorwärts, neuerdings sogar rückwärts geneigt. Zum Deck weit ausgekragt oder umgekehrt schmaler werdend. Es gibt ihn mit und ohne Nase. Mal ist er schlank gestreckt wie ein Messer oder bullig wie eine Festung. Je nach Bootstyp durchschneidet der Bug die Wogen oder hebt den Rumpf über das Wasser. Neben Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten für spezielle schiffbauliche Anwendungen spielen bei Freizeitbooten Moden eine Rolle. Jollen und Yachten sind Luxusartikel. Das führt zu seltsamen Formen.

          Bis vor einigen Jahren war der Bug fast jedes schwimmenden Untersatzes vorwärts geneigt. Ganz gleich ob Jolle, Yacht oder Kreuzfahrtschiff: Seitlich gesehen, ragte er stets vorwärts. Die Blaupause dazu waren historische Segelschiffe. Jeder kennt die Windjammer mit ihren kühnen Klippersteven. Deren Buge verkörperten schwimmendes Fernweh. Die Vorderkante war konkav, nach innen eingezogen, ihre Kante unten am Wasser schnittig schmal. Das nötige Volumen zum Anheben des Gefährts in hohen Wellen steckte weiter oben im weit ausgekragten Bug. Eine clevere Form, die widerstandsarme Fahrt und Auftrieb in stürmischer See in Einklang bringt.

          Der Nachteil ist die späte Volumenzunahme beim vor- und rückwärts schaukelnden, stampfenden Schiff auf hoher See. Gischt gelangt an Deck, bei schneller Fahrt durch hohe Wogen wäscht das Meer über den Bug bis hinauf zur Brücke. Unwohlsein von Passagieren und Besatzung ist da noch das kleinere Übel. Das Schiff vibriert, Aufbauten leiden, Frontscheiben werden zertrümmert. Bei Sturm wird das Tempo so weit gedrosselt, dass das Schiff soeben noch steuerfähig bleibt.

          Bugoberkante in Zugrichtung des Vorstags: Dehler 30 One Design Bilderstrecke
          Der Bug : Scharf und schön

          Eine gestreckte Wasserlinie mit einem steilen Vorsteven und geschickt im Bug des Schiffs untergebrachtes Volumen lässt das Gefährt ruhiger im Wasser liegen. Deshalb lief die „Costa Smeralda“ als Prototyp einer neuen Kreuzfahrtschiffgeneration mit einem senkrechten, die Wogen messerartig durchschneidenden Vorsteven vom Stapel. Diese Form war schon bei den Oceanlinern des frühen 20. Jahrhunderts üblich, etwa den Schnelldampfern der Imperator-Klasse, wie sie Blohm + Voss für Hapag baute, der „France“ oder der Olympic-Klasse der Reederei White Star. Es geht um jeden Meter Wasserlinie. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leistet der senkrechte Vorsteven. Der Wunsch nach großer Geschwindigkeit und Seegängigkeit formt bis heute die schmalen Kriegsschiffe mit ihrer schlanken, schnittigen Vorschiffspartie.

          Kurios ist der bei großen Fracht- und Kreuzfahrtschiffen übliche Wulst vor dem Bug. Die seit den dreißiger Jahren entwickelte Nase soll das Wellenbild des Schiffs durch eine Überlagerung der zweiten, der eigentlichen Bugwelle durch die vordere der wulstartigen Verlängerung des Rumpfs günstig beeinflussen und so den Wasserwiderstand reduzieren. Die vor dem Bug angebrachte Verlängerung streckt zugleich die effektive Wasserlinie. Das spart Treibstoff.

          Weitere Themen

          VW Tiguan 2.0 TDI Elegance Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : VW Tiguan 2.0 TDI Elegance

          Mit dem Tiguan rollt der VW das SUV-Feld von hinten auf: Mehr als 760 800 Kunden entschieden sich bis Ende vergangenen Jahres allein in Deutschland für das kompakte SUV mit dem Phantasienamen Tiguan. Die jüngste Modellpflege im Sommer 2020 brachte dem Dauerbrenner mehr Digitalisierung, neue Infotainment- und Assistenzsysteme sowie ein erweitertes Motorenprogramm. Was das jüngste Modell alles kann und ob sich ein Kauf lohnt erfahren Sie in unserem Fahrbericht.

          Topmeldungen

          Corona-Test in Sachsen

          RKI-Zahlen : Gesundheitsämter melden 10.810 Neuinfektionen

          Die Zahl der neuen Corona-Fälle ist im Vergleich zur Vorwoche stark gestiegen. Wegen Ostern sind die Zahlen aber nur bedingt aussagekräftig. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 140,9.
          Tränengaseinsatz in Minneapolis

          Tödliche Schüsse auf Schwarzen : Biden ruft Demonstranten zur Ruhe auf

          Der Tod von George Floyd löste in den Vereinigten Staaten schwere Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Nun stirbt im selben Bundesstaat abermals ein Schwarzer durch eine Polizeikugel. Präsident Biden bittet Demonstranten eindringlich um Gewaltverzicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.