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Smart Home : Tausche Daten gegen Rabatt

Colin Angle, CEO von iRobot, will nicht nur Saugroboter wie den Roomba 980 verkaufen Bild: AP

Wieder will ein Unternehmen im großen Stil Daten seiner Kunden zur Verfügung stellen. Dieses Mal dient ein Saugroboter als Sammler. Die Daten könnt ihr haben - unter einer Bedingung.

          Wenn Daten von Kunden ohne Einwilligung verkauft werden, ist die Aufregung immer groß. Und das zu Recht. Deswegen ist einem Unternehmen die Aufmerksamkeit sicher, selbst wenn es nur ankündigt, dass es so etwas tun will. So geschehen nach einem Interview von Colin Angle mit der Nachrichtenagentur Reuters. Angle ist Chef von iRobot. Das Unternehmen stellt die Saugroboter Roomba her. iRobot war ein Pionier in dieser Gattung, die mittlerweile auch deutsche Unternehmen wie Bosch, AEG und Miele als wichtiges Segment entdeckt haben. Auf der IFA Anfang September werden alle drei Unternehmen ein neues Produkt vorstellen.

          Angle schaut über den Roboterrand hinaus, indem er sein Produkt als Teil des Smart Home sieht. Noch sind es Wunschvorstellungen der Hersteller, doch in wohl ferner Zukunft werden in vielen Haushalten Kühlschranke, Waschmaschinen und Geschirrspüler stehen, die Verbindung mit dem Internet haben und somit über das Smartphone gesteuert werden können. Die Technik ist längst da, die Verkäufe noch nicht. Schlaue Lampen, Fernseher mit Internetanschluss, Überwachungskameras und vernetzte Lautsprecher wie Amazon Echo und bald Google Home sieht man schon eher bei Bekannten in der Wohnung stehen.

          Diese Dinge aus dem Internet of things können voneinander profitieren, indem sie Daten austauschen. Das funktioniert am einfachsten, indem die Geräte von einem Hersteller stammen. Außer Samsung, die sowohl in der Weißen als auch Braunen Ware viele Geräte zu bieten haben, gibt es keinen Hersteller, der solch ein Spektrum hat. Alternativ könnte der eine Hersteller dem anderen seine Daten verkaufen, die er vom Kunden gesammelt hat.

          Und genau das hat Colin Angle von iRobot vor. Potentielle Käufer könnten Amazon, Apple und Google sein. Sein Angebot: Daten von den Wohnungen der Kunden, die mit Roombas ihre Wohnung saugen lassen. Sie sind detailliert: Der Saugroboter weiß, wie viele Räume sein Herr hat und wie groß sie sind. Seine Sensoren wissen, wo Möbel stehen, sich Fenster, Türen oder Treppen befinden. Die Software kennt die bevorzugten Reinigungszeiten. Andere Saugroboter von Bosch oder Dyson wissen noch mehr über die Wohnung. Sie haben eine Kamera eingebaut, die bei Bedarf live streamt.

          Datentausch im Smart Home

          Wozu sollten nun Google, Amazon oder Apple diese Daten überhaupt kaufen? Eine Idee ist, dass sie damit ihre vernetzten Produkte optimieren. Bei den Lautsprechern kann man das vergleichen mit einem AV-Receiver, der eingemessen wird. Nur dass in diesem Fall Amazon & Co. das von Außen machen können. Wenn Echo oder Home in der Ecke stehen, daneben ein Schrank oder eine Tür ist, könnte die Software ihre Mikrofone und Lautsprecher der Umgebung anpassen. Sehr smart ist diese Idee nicht, denn die Produkte funktionieren in dieser Hinsicht erstaunlich gut. Was eher fehlt, sind Daten, die ihrer künstlichen Intelligenz noch mehr Geist einhauchen könnte.

          Nun hat der CEO von iRobot im Interview auch gesagt, dass er die Daten ohne die Genehmigung der Kunden nicht verkaufen würde, dass er aber darauf setzt, dass sie zustimmen, um ihr Smart Home optimieren zu können. Leider sind solche Worte oft deutlicher als jene in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Wer auf seinem Smartphone häufiger Apps installiert oder sein Betriebssystem auf Stand bringt, weiß, dass der Finger meist schneller tippt als die Augen lesen.

          Böse von Bose

          Und dann gibt es noch genügend Unternehmen, die erst gar nicht nachfragen. Jüngstes Beispiel ist Bose. Das Unternehmen hat mit Hilfe seiner App „Bose Connect” Daten der Kunden verkauft. Der Käufer wusste, welche Musik sie hören, wie lange und wie oft. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Bose hat sich danach damit verteidigt, dass der Kunde zustimme, wenn er die App installiert. Aber die Amerikaner wussten sicherlich auch, dass das kaum einer bemerkt hat.

          Ob iRobot, Bose oder andere Unternehmen, die Daten zur Verfügung stellen: Wir hätten da einen Vorschlag: Ihr macht in den AGB und an allen anderen wichtigen Stellen sehr deutlich, dass ihr Daten zur Verfügung stellen wollt. Wer einwilligt, bekommt einen deutlichen Rabatt beim Kauf des Produktes, vorausgesetzt die Daten werden anonymisiert weitergegeben. Schließlich steigert ihr euren Umsatz mit den Daten. Und wer nicht einwilligt, zahlt nicht mehr, sondern kauft gleich ein Produkt der Konkurrenz. Denn gerade auf dem Saugrobotermarkt ist Roomba nicht mehr das Maß aller Dinge.

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