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Tennis-Schläger mit Sensoren : In jedem steckt ein kleiner Nadal

Unauffälllig: Dem Aero Pro Drive sieht keiner an, dass er Daten senden kann. Bild: Hersteller

Die Play-Reihe von Babolat misst mit integrierten Sensoren die Fähigkeiten des Tennisspielers. Der Vergleich mit anderen oder gar Profis führt dann zu interessanten Ergebnissen.

          3 Min.

          Im Tennis geht es nicht nur um Punkte, sondern auch ums Gefühl. Jeder Spieler, egal ob er als Profi tagtäglich den Schläger schwingt oder als Freizeitspieler nur von Zeit zu Zeit, entwickelt ein mehr oder weniger sicheres Gespür dafür, über welche Fertigkeiten er verfügt. Allerdings neigen viele Hobbyspieler dazu, ihr Können zu überschätzen. Misslingen ihnen Schläge oder gehen sie gar als Verlierer vom Platz, versuchen sie ihre Misserfolge mit immer gleichen Ausreden zu kaschieren: Schuld ist der Wind oder die Sonne oder der holprige Platz, nicht selten eine Verbindung aus mehreren dieser gefühlten Widrigkeiten. Mit dieser Art der Selbsttäuschung dürfte jedoch ein Stück weit Schluss sein, sobald ein Spieler zu einem jener vier Schlägermodelle der Play-Reihe greift, um die der Sportartikelhersteller Babolat seine Produktpalette erweitert hat: Neben dem Pure Drive und dem AeroPro Drive stehen nun auch der Pure Drive FS sowie der Pure Drive Lite als Einstiegsmodell für Kinder und Jugendliche kurz vor der Markteinführung. Als Vorreiter im Tennis folgen die Franzosen mit ihrem System Babolat-Play dem Trend zum Tracking, der vor allem den Fitnessmarkt längst erfasst hat.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die mobile Messgeräte für Rackets anbieten, hat das Lyoner Unternehmen drei Sensoren in den Schlägergriff integriert: zwei für die Schlagbewegung und einen für den Aufprall des Balles. Ein Spieler erhält also Daten darüber, mit welcher Technik und Kraft er den Ball trifft und wie es um seine Spielintensität (Ausdauer) bestellt ist. Beim Abgleich von persönlichem Spielgefühl und der Wirklichkeit kann es durchaus zu Überraschungen kommen: Man lernt sich ein Stück weit neu kennen.

          Verbindung über Bluetooth zu Laptop oder Smartphone

          Das Testmodell, der Graphitschläger Pure Drive Play mit seinem 645 Quadratzentimeter großen Kopf und dem gewohnt offenen Besaitungsbild von 16 Längs- und 19 Quersaiten, ist gut ausbalanciert und bewegt sich mit seinen 300 Gramm in der üblichen Gewichtsklasse. Die 20 Gramm, die für den Einbau des Chips und des Lithium-Ionen-Akkus nötig sind, wurden aus dem Innern des Griffes entfernt. Damit bleiben sowohl Gewicht als auch Balance des Play-Modells gegenüber dem herkömmlichen Pure Drive erhalten. Sehr zur Freude des feinfühligen Spielers, der sich an veränderte Racket-Eigenschaften nur schwer gewöhnen kann oder mag. Trotz des geringen Gewichts hält der Akku acht Stunden durch, dann muss er für drei Stunden ans Netz. Der Chip speichert 200 Stunden.

          Datensammelstelle: Unter der Klappe verbergen sich Elektronik und Akku.
          Datensammelstelle: Unter der Klappe verbergen sich Elektronik und Akku. : Bild: Hersteller

          Am Griffende befinden sich jene beiden Knöpfe, durch die das Play-System aktiviert sowie über Bluetooth eine Verbindung zu einem Laptop oder Smartphone hergestellt wird. Auf diese Weise wird nach Spielbeginn das Muster jedes ausgeführten Schlags aufgezeichnet und in einen eigenen Internetaccount oder eine Applikation übertragen. Play misst, wie lange die Nettospielzeit beträgt, wie oft Vorhand oder Rückhand ausgeführt werden, ob der Ball sauber in der Schlägermitte, dem Sweetspot, oder knapp daneben getroffen wurde, ob die Schläge überrissen als Topspin oder unterschnitten als Slice gespielt wurden und wie hoch die Zuschlaggeschwindigkeit bei Auf- oder Grundschlägen oder bei Schmetterbällen war. Traditionelle Spielertypen, die ihre Rückhand einhändig und mit wenig Handgelenkeinsatz spielen, werden womöglich baff sein: Bei ihnen wird das Play-System nur selten Topspin messen, sondern vor allem flache Schläge. Bei der jüngeren Spielergeneration, die beidhändig zur Sache geht, ist ein erhöhter Wert überrissener Schläge zu erwarten.

          Weltweiter Vergleich möglich

          Über die Technik-Messung liefert Play die hilfreichsten Daten zum eigenen Leistungsvermögen. In puncto Ausdauer- sowie Kraftdaten werden Freizeitspieler fortgeschrittenen Alters dagegen schnell an ihre natürlichen Grenzen stoßen. Doch wer den Filzball nicht regelmäßig technisch sauber rund um die Mitte des Schlägerkopfes trifft, der weiß, woran er bei der nächsten Trainingseinheit zu arbeiten hat.

          Gleichwohl werden die jeweiligen Daten zu Technik, Ausdauer und Kraft gleichwertig behandelt, wenn es um den „Pulse“ geht, vergleichbar dem Handicap im Golf. Die prozentualen Werte werden vom System addiert und durch drei geteilt. Das Ergebnis dient vor allem dazu, den Wettbewerbsgeist zu fördern. Denn über den Pulse-Wert kann sich jedes Mitglied der Babolat-Community mit anderen Spielern auf der Welt vergleichen und sich in einer virtuellen Rangliste verbessern. Daneben kann sich jeder Aktive wie bei einem Computerspiel acht Leistungslevels nach oben arbeiten. Damit wird vor allem ein junges Publikum angesprochen.

          Für Doppel-Spieler nur bedingt geeignet

          Beim Aufschlag misst Play die Zuschlagbewegung, allerdings nicht die Geschwindigkeit des Balles; dazu wäre ein externes Kamerasystem wie das bei Profiturnieren übliche Hawkeye vonnöten. Der Spieler erhält also eine Prozentzahl, die sich auf eine absolut gesetzte Aufschlaggeschwindigkeit eines Profis wie Rafael Nadal - 210 Kilometer in der Stunde - bezieht. Der Spanier mit seinem AeroPro Drive, mit 349 Euro um fünfzig Euro teurer als die anderen Play-Modelle, ist also das Maß aller Dinge. Die anderen Community-Mitglieder können erkennen, wie viel Nadal in ihnen steckt - zumindest anteilig.

          Nur bedingt aussagekräftig ist Play für all jene, die oft am Netz den Abschluss suchen oder vor allem Doppel spielen. Denn ein Volley wird nicht als solcher erkannt, sondern als Slice gemessen. Zumindest beim Training ist dieses Handicap aber leicht zu umgehen. Weil nämlich nach Schlageinheiten Tags gesetzt werden können, sind die Daten einer definierten Volley-Session gut nachvollziehbar. Danach wird man sehen, ob das eigene Gefühl trügt.

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