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Holzpaletten : Alles paletti

Das Leben auf Paletten: 95% des Warenverkehrs wird auf Holzpaletten bestritten. Bild: Max Kesberger

Ohne Holz läuft im Warenverkehr gar nichts. Die Güter werden durch Kisten geschützt und ruhen auf Transportpaletten aus Latten. Doch die Holzpalette bekommt Konkurrenz.

          6 Min.

          Manchmal muss man sich wundern, was so alles auf den Straßen unterwegs ist. Selbst ein Trumm wie ein 68 Tonnen schwerer und mehr als 16 Meter langer Industrieofen kann auf Rädern bewegt werden, um zum Kunden zu kommen. Eingeschränkt wird der freie Gütertransport nur durch enge Straßen und Brücken – untendurch in der Höhe, obendrauf durch das Gewicht.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die übergroßen Transporte fahren nachts, sie brauchen eine Sondergenehmigung der durchfahrenen Landkreise. Zum Glück sind solche Brocken die Ausnahme. Die weitaus meisten Güter, die in Strömen um die Welt jagen, lassen sich zum Transport schichten und stapeln. Damit sie unterwegs nicht beschädigt werden, wird ihnen eine schützende Hülle verpasst.

          Das Material der Wahl für die Kisten ist fast immer Holz, so auch beim großen Ofen. „Es lässt sich leicht verarbeiten, ist stabil, leicht und hygienisch“, sagt Joachim Hasdenteufel, der Vorsitzende des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen (HPE). Transportmittel aus Holz sind außerdem einfach zu reparieren, sie können Luftfeuchtigkeit aufnehmen und laden sich nicht elektrostatisch auf.

          Naturholz führt zu Problemen

          Holzmechaniker mit Fachrichtung Verpacker, wie sie Hasdenteufels Unternehmen Hapack in Montabaur beschäftigt, müssen sich freilich auch mit anderen Materialien auskennen, darunter Kunststoffe und Metalle. Denn manche Kunden brauchen Stoß- und Schwingungsschutz, Kühlelemente oder Folien, in denen die Waren eingeschweißt sind. Ohne Holz geht aber so gut wie nichts. Verwendet wird in der Regel Sperrholz in Stärken zwischen 9,5 und 18 Millimeter, Standard ist 12,5. Außerdem Grobspanplatten (OSB); die Platten aus feinen Spänen, wie sie im Möbelbau verwendet werden, sind nicht robust genug.

          Holz in Form von stabilen Brettern wird gelegentlich für Kisten und für den Unterbau verwendet, hauptsächlich aber für Transportpaletten. Die Palette ist eine segensreiche Erfindung, denn sie erlaubt, die zu transportierenden Güter zu bewegen, ohne sie einzeln anzufassen. Paletten bestehen im Prinzip aus einer Plattform aus Brettern, die auf Distanzstücken ruht und so das Transportgut ein Stück vom Boden entfernt.

          Die Zinken des Gabelstaplers fassen darunter und heben die Plattform samt Gepäck an. Die weitaus meisten Paletten sind aus Holz. Das hat seinen Grund in den guten mechanischen Eigenschaften und dem günstigen Preis. Weil die Palette mit dem Gepäck reist, das auf ihr transportiert wird, gibt es im internationalen Verkehr indessen eine Schwierigkeit: Naturbelassenes Holz kann von Schädlingen befallen sein, der Import unerwünschter Kleinlebewesen rund um die Welt führt dann mit etwas Pech zu herben Schäden in der Waldwirtschaft.

          Weniger Feuchtigkeit, weniger Gewicht

          „Wegen der Forstschädlinge werden die Exportpaletten hitzebehandelt“, erklärt Hasdenteufel. Im Kern müssen dazu eine halbe Stunde lang 56 Grad Celsius erreicht werden. Die deutschen Hersteller werden in der Produktion überwacht; ob die aus dem Ausland kommenden Paletten entsprechend behandelt sind, ist Sache der dortigen Behörden.

          Beim Empfänger ist das nur schwer zu überprüfen. In der Praxis erfolgt die Hitzebehandlung in der Trockenkammer. Dort wird dem frischen Holz bei rund 40 Grad die Feuchtigkeit entzogen. Das beugt nicht nur dem Schimmelbefall vor, sondern verringert auch das Gewicht und verbessert die Festigkeit.

          Die rasche Trocknung ist einer der Gründe, warum für die Transportpaletten meist Fichte verwendet wird. In vier Tagen ist sie bereit zur Verwendung, Buche dauerte zwei Wochen, sagt Hasdenteufel. Fichtenholz hat wenig Astlöcher, es ist leicht und hoch belastbar. Hartholz arbeitet im Gegensatz zum Nadelholz stärker und neigt dazu zu reißen. Der Verpackungsspezialist Hapack fertigt auf Kundenwunsch allerdings auch Paletten aus Buche an, die eine höhere Traglast haben. Außerdem ist der Ausziehwiderstand der Nägel viel höher. Das Transportgut kann deshalb direkt auf die Palette verschraubt werden.

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