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Highend-Kopfhörer im Vergleich : Goldjunge und Silberpfeil

Final D8000 Pro und Sendy Audio Peacock Bild: Hersteller

Feines aus Fernost: Final aus Japan und Sendy Audio aus China bauen magnetostatische Kopfhörer der Oberklasse. Der goldene ist sogar der günstige. Wir wollten beide gar nicht mehr absetzen.

          3 Min.

          Wenn Sennheiser Ende dieses Jahres seine Kopfhörersparte einem Schweizer Unternehmen übergibt, das Marktführer für Hörgeräte ist, lohnt sich umso mehr ein Blick in ferne Länder, wo sich altbewährte Marken noch halten und neue entstehen können. Japan pflegt weiterhin die Tradition des Highend. Marken wie Stax gelten nach wie vor als Referenz. Den Namen Final hört man hier selten. Dabei baut das alteingesessene Audio-Unternehmen seit acht Jahren edle Kopfhörer, die sich in Japan etabliert haben.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hingegen ist Sendy Audio aus China noch relativ jung. Die Marke entspringt dem Unternehmen Sivga, das seit fünf Jahren Kopfhörer für den Massenmarkt produziert. In China entstehen im Audiobereich immer mehr Firmen, die den Vorteil nutzen, dass sowohl Forschung und Entwicklung als auch Produktion an einem Standort sind.

          Beiden Marken haben wir uns von oben genähert und ihre Flaggschiffe ausprobiert. Der Sendy Audio Peacock kostet 1500 Euro, in Deutschland vertrieben von Audionext. Final verlangt mit 4000 Euro fast das Dreifache für sein Topmodell, das hierzulande von Audiotrade an die Händler verteilt wird. Beides sind magnetostatische Kopfhörer. Bei dieser Technik werden ganz dünne Leiterbahnen auf die Membran gebracht, um diese durch parallel sitzende Magneten in Schwingung zu bringen. Das Verfahren wird immer beliebter, für viele Herstellern gehört es fast schon zum guten Ton.

          Der Peacock kommt mit Holzmuscheln. Bilderstrecke
          Im Vergleich : Sendy Audio Peacock und Final D8000 Pro

          Vom Aussehen her könnten beide Kopfhörer nicht unterschiedlicher sein. Der Peacock von Sendy Audio präsentiert sich in einem eher verspielten Gewand. Das Leder des Bügels ist mit gelben Nähten abgesteppt, die mächtigen Polster sind ebenso aus Leder. Für die Muschel hat Sendy Audio lackiertes Holz gewählt, um den Grill, der sich darin aufspannt, mit echtem Gold zu überziehen. Das alles macht aus dem Peacock eine warme, freundliche Erscheinung, die manchem vielleicht zu gülden rüberkommt. Die Mischung aus Holz und Leder an einem Magnetostaten dürfte manchen an die amerikanische Marke Audeze erinnern.

          Ganz anders der Final D8000 Pro Edition: Mit seinem silberfarbenen Gehäuse aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung bestehend, dem schwarzen Lederbügel und den schwarzen Kunststoffpolstern wirkt er wie ein technokratisches Statement japanischer Ingenieure. Wer ihn greift und aufsetzt, fühlt sich wie auserwählt. Eine vergleichbare Erscheinung in der Welt der Kopfhörer kennen wir nicht. Obwohl das Gehäuse massiv und schwer aussieht, kommt der D8000 Pro „nur“ auf ein Gewicht von 523 Gramm. Damit ist er etwa 50 Gramm leichter als der Peacock von Sendy Audio. Der Goldige trägt sich etwas angenehmer als der Silberling. Die doppelte Bügelkonstruktion des Peacock verteilt das Gewicht besser. In beiden Muscheln haben die Ohren genügend Platz und Luft. Der Kunststoff des D8000 Pro gefällt auf der Haut genauso wie das Leder des Peacock.

          Auf die Membran kommt es an

          So wichtig der Sitz eines Kopfhörers, so bedeutend ist sein Klang. Sowohl Final als auch Sendy Audio versuchen diesen unter anderem dadurch zu beeinflussen, dass die Membran mit einem technischen Kniff so konstruiert wird, dass sie sich kontrollierter bewegt. Die Japaner haben das Aluminiumband, das auf der Membran sitzt, kreisförmig angeordnet. Es wird in die Folie geätzt und nicht geklebt. Die Folie hat zudem eine leicht wellige Form. Aufgrund dieser Eigenschaften soll sich die Membran möglichst schnell und kontrolliert bewegen. Um ähnliche Eigenschaften geht es den Ingenieuren von Sendy Audio. Sie haben eine „Quad-Former-Technologie“ entwickelt. Kurz erklärt: Die Chinesen verdoppeln die Magneten und Spulenseiten, sodass sie auf vier Spulen je Seite kommen.

          Leichtfüßiger Geselle und ehrliche Haut

          All das scheint zu wirken. Die Chinesen und Japaner – was gerade beim Preis des Final auch zu erwarten ist – liefern beachtliche Qualität. Immer wieder faszinierend ist die Erkenntnis, dass der Klang unterschiedlich, aber auf hohem Niveau sein kann. Sendy Audio präsentiert mit dem Peacock einen unterhaltsamen Allrounder. Der Peacock ist ein entspannter und leichtfüßiger Geselle, der dennoch auf großer Bühne unterwegs ist, ohne dabei schludrig zu sein. Details sind ihm wichtig, er weiß, wo er sie platziert, und er löst mitunter so fein auf, dass man sich über Töne erschrickt, die man bis dato in diesem Lied noch nicht gehört hat. Disziplin ist beim Bass angesagt. Exakt muss er sein, aber er trägt nie dick auf. Mit dem Peacock kann man stundenlang unterwegs sein, ohne dass er einen nervt.

          Dafür fordert der D8000 Pro mehr Aufmerksamkeit vom Hörer. Er ist eine ehrliche Haut. Beschönigen ist nicht so sein Ding. Er versucht Musik so wiederzugeben, wie sie aufgenommen wurde. Ganz neutral ist er nicht. Er drückt mehr auf den Bass als der Peacock, und den Höhen verleiht er einen zarten Glanz. Sein stolzer Blick ist immer nach vorne gerichtet. Dabei hat er eine direkte Art. Das macht ihn als wahrhaftigen Freund mitunter etwas anstrengend, auch weil er bei schlecht produzierten Alben die Schwächen schonungslos offenlegt. Dafür ist jeder Gang ein besonderes Ereignis.

          Die Reise in den Fernen Osten lohnt sich. Beide Kopfhörer pflegen ihre Klangkultur auf überzeugende Art.

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