https://www.faz.net/-gy9-7mh89

Halogen-Scheinwerfer : Beim TÜV geht uns ein Licht auf

Billiger China-Export - ja oder nein?

Wir haben uns also einen Satz besorgt. Die Lampen machen einen hochwertigen Eindruck, sie sind hinter dem Sockel aber ein gutes Stück länger als die H4, weil die Leuchtdioden mit einem kleinen Gebläse von hinten gekühlt werden. In manchen Fahrzeugen könnte der Raum knapp werden. Eine große E13 ist am Kopf aufgedruckt. Vor jede Lampe wird ein Steuergerät in Form eines kleinen flachen Kastens (60×50×15 Millimeter) geschaltet, die Steckverbindung der H4 passt. Das Licht hält, was Carled 24 verspricht: extrem hell, Ablend- und Fernlicht getrennt. Etwas irritiert sind wir nur, weil der Anbieter betont, das sei kein billiger China-Export - und dann ist die bebilderte Anleitung zum Zusammenbauen mit chinesischen Schriftzeichen unterlegt.

Hier wären wir am Ende mit der Empfehlung, wüssten wir nicht, dass Leuchtmittel und Scheinwerfer zulassungstechnisch zusammengehören. Deshalb sind die Rückleuchten mit Bremslicht und europäischer Zulassung, die wir als Zubehör für unseren Land Rover erworben haben, eine Einheit aus Reflektor, LED und Glas, die sich nicht öffnen lässt. Das macht uns stutzig. Auf zum TÜV also, was macht der mit so einer Lampe?

Ohne Zulassung fährt es sich nicht gut

Mit der E-Nummer sei die H4-LED eigentlich typgeprüft und damit zugelassen, meint der Ingenieur von der Frankfurter Prüfstelle. Eine solche habe er noch nie gesehen; er habe aber doch Zweifel und würde jedenfalls bei den Spezialisten um Rat fragen. Von der Zentrale des TÜV Süd bekommen wir dann die Auskunft, dass eine Verwendung statt der H4 trotz der E-Nummer nicht zulässig sei. Denn in den Scheinwerfern dürften nach den Bestimmungen der Staßenverkehrszulassungsordnung (Paragraph 49) nur solche Lichtquellen betrieben werden, die auch dafür bestimmt sind. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kommt zum gleichen Ergebnis. Hinter dem E-Zeichen müsse eine weitere Nummer stehen, etwa R37 (Glühlampen) oder R128 (LED). Eine R-Nummer gibt es bei näherem Hinsehen tatsächlich, und zwar R10 auf dem Steuergerät. Bestanden wurde demnach die Prüfung der Funkentstörung. Und siehe da, hinter ellenlangem Kleingedruckten gesteht der Anbieter, er könne für eine Zulassung nicht garantieren. Es sei nicht ausgeschlossen, meint das KBA, dass durch die E-Nummer „bei dem Verbraucher der Eindruck erweckt wird, dass es sich um ein genehmigtes Produkt handelt“.

Wir müssen also leider abraten, denn mit illegalen Leuchtmitteln ist man ohne Betriebserlaubnis unterwegs, auch wenn sie noch so gut sind. Das gilt erst recht für die vielen LED, die für alle Fassungen angeboten werden, die im Auto üblich sind. Die meisten Anbieter verkaufen sie ausdrücklich für den Einsatz jenseits der öffentlichen Straßen. Diese LED kosten als China-Import nur ein paar Euro, brauchen nur etwa ein Fünftel des Stroms der herkömmlichen Leuchte bei gleicher Helligkeit, sprechen schneller an (ein Vorteil beim Bremslicht) und halten angeblich fast ewig, was noch zu beweisen wäre. Die Varianten mit hoher Leistung (bis zu 20 Watt für rund 30 Euro) sind freilich wahre Blender. Da ist es ein Segen, dass sie verboten sind.

Weitere Themen

Topmeldungen

Abgrenzung von der AfD : Das Ende eines Ausflugs

Die Union besinnt sich endgültig wieder auf die Erkenntnis, dass sie mit einer Wendung nach rechts weniger Zustimmung zurückgewinnt, als sie in der Mitte verliert.

„Kleiderpolizei“ im Hochsommer : Liberté, Egalité, Décolleté

Es ist sehr heiß. Während die einen nur an Abkühlung denken, stören sich die anderen an freizügiger Sommerkleidung. In Frankreich wehren sich viele Frauen auf Twitter gegen diese Verurteilung.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.