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Grubenwasser : Pumpen, pumpen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag

  • -Aktualisiert am

Mit 100 bar wird das Grubenwasser aus dem Berg geschafft. Entsprechend wuchtig sind die Rohrleitungen Bild: Dietmar Klingenburg

Nicht nur die Abfälle kerntechnischer Anlagen werden die Menschheit noch lange beschäftigen. Auch wenn in Deutschland die letzte Tonne Steinkohle gefördert sein wird, kann man die Gruben nicht einfach abschließen.

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          Bergleute sprechen von „beibrechendem Mineral“ und beschreiben mit diesem sperrigen Begriff einen eher trivialen Sachverhalt: Der auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein in Essen stehende 35 Meter hohe und als architektonisches Meisterwerk vielgelobte Kubus des von der Folkwang Universität der Künste genutzten Sanaa-Gebäudes wird mit 30 Grad warmem Grubenwasser beheizt. Dazu hat man in dessen (ungedämmte) Betonaußenschale rund drei Kilometer Kunststoffrohr verlegt und damit, wie es heißt, ein „bahnbrechendes Energiekonzept“ realisiert. Das ist mutig. Denn die in unmittelbarer Nähe aus rund 1000 Meter Tiefe mit dem Grubenwasser an die Erdoberfläche geholte Energie lässt man schlicht verpuffen.

          Diese Verschwendung meint man sich leisten zu können. Denn in der Wärme des Grubenwassers sieht man einen „Windfall profit“, wie man ihn schon immer in beibrechendem, nicht dem eigentlichen Zweck der Grabungen entsprechenden Fördergut gesehen hat. Diese Sichtweise könnte sich ändern. Denn wenn Ende 2018 die letzte Tonne Steinkohle in Deutschland gefördert sein wird, so die derzeitige Planung, verschieben sich die Prioritäten. Dann rückt die deutsche Kohle mit attraktiven Verbrennungstemperaturen von mehreren hundert Grad in den Hintergrund, und es gewinnt möglicherweise der Energiegehalt des Grubenwassers an Bedeutung – von dem reichliche Mengen vorhanden sind. Zwar ist mit 30 Grad warmem Wasser nicht allzu viel Staat zu machen, doch lassen sich damit immerhin Gewächshäuser heizen und Wärmepumpen betreiben.

          Die Dampfmaschine brachte den Durchbruch

          Grubenwasser zu fördern ist notwendig, seit man mit dem Bergbau in größere Tiefen vorgedrungen ist. Anfangs schaffte man das Wasser mit an umlaufenden Ketten befestigten Ledersäcken (Bulgen) nach oben, wobei man sich für den Antrieb auf Muskelkraft verließ, bevor man es schaffte, dafür Wasserräder einzusetzen. Den Durchbruch zu den für einen industriellen Abbau erforderlichen höheren Förderleistungen brachte dann die Dampfmaschine. Mit ihr und leistungsfähigen Kolbenpumpen konnte Wasser auch aus großen Tiefen gefördert werden, was notwendig war, neigen sich doch die Kohleflöze des Ruhrgebiets mit rund fünf Grad nach Norden in den Untergrund ab, so dass im Laufe der Zeit immer tiefere Schächte ins Erdreich getrieben werden mussten, um an das „schwarze Gold“ zu kommen.

          Doch das Pumpen von Grubenwasser, das sich aus „Porenwasser“ und in die Tiefe sickerndem Grundwasser zusammensetzt, ist nur ein Teil dessen, was Fachleute unter „Wasserhaltung“ verstehen. Wie ein Schweizer Käse ist der Untergrund des Ruhrgebiets bis ins Münsterland „hinauf“ auf Tiefen von bis zu 1400 Meter ausgehöhlt. Durch Zusammenlegen zahlloser Zechen ist über Jahrzehnte ein Gewirr aus horizontalen Stecken entstanden, die im Bereich des aktiven Bergbaus begangen werden können. Zum Teil ist das sogar dort möglich, wo man den Kohleabbau längst beendet hat. Der Grund: Man muss an die Pumpen herankommen, sie warten können. Doch „wasserwegig“ ist das ganze System. Das bedeutet, dass tief unter der Erdoberfläche unterschiedlich große Rinnsale fließen. Das Wasser folgt der Schwerkraft, sammelt sich am tiefsten Punkt und wird von da nach Obertage gepumpt.

          Wo welche Wassermengen strömen, wissen die Wasserhaltungsexperten der RAG Deutsche Steinkohle genau. In einem umfassenden Monitoring hat man in den vergangenen zwei Jahren alle Informationen (Lage, Wassermengen und -qualitäten, Hohlraum- und Steckenprofile, geologische Besonderheiten) in eine dreidimensionale Computerdarstellung gepackt. Sie zeigt die „Wasserprovinzen“ tief unter der Erdoberfläche sowie die sie verbindenden Strecken, so dass man jetzt daran gehen kann, das System zu optimieren. Konkret heißt das, die Wasserhaltungskosten sollen „kurz gehalten“ werden.

          100 Millionen Euro pro Jahr

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