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Grubenwasser : Pumpen, pumpen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag

Das ist eine lohnende Aufgabe. Mit rund 70 MW Anschlussleitung ist das Pumpen des Grubenwassers überaus energieintensiv. Rund 100 Millionen Euro werden jedes Jahr an der Ruhr für die Wasserhaltung ausgegeben. Und weil man die Pumpen „auf ewig“ betreiben muss, damit sich das salzhaltige und mit Nickelsulfat, Eisenoxiden und Mangan kontaminierte Grubenwasser nicht mit dem Grundwasser des Deckgebirges vermischt (und es unbrauchbar macht), werden diese Kosten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag anfallen. Man spricht daher von den Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus.

Welche Optimerungsmöglichkeiten gibt es? Zuallererst ist darauf zu achten, dass sich das Wasser aus stillgelegten Bergwerken nicht in noch betriebene Gruben ergießt. Das schafft man mit geschickt installierten Vertikalsperren (Dämmen). Zudem versucht man einzelne Wasserprovinzen zusammenzulegen, so dass möglichst wenige Pumpstationen (zentrale Wasserhaltungen) benötigt werden. An der Ruhr sind es derzeit acht, nach dem Ende der Kohleförderung wird diese Menge schrumpfen. Ein weiteres Ziel ist es, das Niveau des Grubenwassers gerade so weit steigen zu lassen, dass der Kontakt mit dem Grundwasser vermieden wird. Im „Stillstandsbereich“ ist das bereits gelungen. Wie hoch man es im nördlichen Ruhrgebiet wird steigen lassen, ist zur Zeit noch nicht abzusehen: Je höher es ansteht, desto geringer sind die Pumpkosten: Wenn man die heute im Jahr gepumpte eine Milliarde Kubikmeter nur 100 Meter weiter oben aufnehmen könnte, ließen sich die Wasserhaltungskosten um bis zu zehn Prozent mindern.

Eine weitere Option bieten die Pumpen selbst. Unterhalb des Förderturms der Zeche Zollverein auf Sohle 14 und damit in rund 1000 Meter Tiefe stehen heute sechs mannshohe Kreiselpumpen, die das aus mehreren Provinzen zusammenfließende Grubenwasser mit einem (Anfangs-)Druck von 100 bar nach oben fördern. Entsprechend dick sind die Wände der Rohrleitungen, die Schrauben an den Verbindungsflanschen bringen es auf Oberarmstärke.

Die „sichersten Dämme der Welt“: Ein Restrisiko bleibt

Dieses Anlagenkonzept hat sich bewährt. Doch die Pumpenkammer muss ständig mit Frischluft versorgt, „bewettert“ werden, was einen zweiten Schacht nebst stromfressender Ventilatoren erforderlich macht. Das ist aufwendig und teuer. Im südlichen Ruhrgebiet hat man daher damit begonnen, Pumpenkammern komplett abzuschaffen und nicht mehr mit Kreisel-, sondern mit Tauchpumpen zu arbeiten. Die werden von der Erdoberfläche aus über viele Meter hinab ins Grubenwasser gehängt. Daher braucht man weder Maschinenräume, die trocken gehalten werden müssen, noch einen Wetterschacht.

Auf ewig pumpen, pumpen, pumpen – das muss man nicht nur untertage. Zu den Ewigkeitslasten gehört auch, dass man im gesamten Bereich des Steinkohlebergbaus (links und rechts des Rheins) alles Niederschlags- und Quellwasser sowie das Haushalts-Abwasser fortschaffen muss. Auch diese Wässer müssen gepumpt werden, denn über die Jahrzehnte kam es in der Region zu erheblichen Bergsenkungen. In extremen Fällen sackte die Erdoberfläche samt Fluss- und Bachbetten um bis zu 25 Meter ab, es entstanden riesige Senkungsmulden. An anderen Stellen kam es zu einer Umkehr des Gefälles, Bäche flossen plötzlich rückwärts. Nicht selten überflutete der stinkende Inhalt der „Köttelbecke“, wie man die abwasserführenden Fließgewässer nannte, ganze Landstriche. Krankheiten, vor allem Typhus, breiteten sich aus, so dass man sich schon vor gut 100 Jahren daran machte, den Pumpbetrieb zu organisieren. Für diese Aufgaben wurden die Emscher Genossenschaft, der Lippeverband und später die Lineg (Linksrheinische Entwässerungsgenossenschaft) gegründet.

Die Regionen, die diese drei Organisationen trocken halten müssen, sind gleichsam riesige Badewannen, die gegen den Rhein durch die „sichersten Dämme der Welt“, wie es heißt, abgeschottet sind. Doch ein Restrisiko bleibt. Sollte geschehen, was nicht geschehen darf, stünde etwa die Gegend zwischen Duisburg und Moers zum Teil bis zu 12 Meter unter Wasser. Selbst vierstöckige Häuser wären nicht mehr zu sehen.

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