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Grill Kenia im Test : Weber grillt

Der Grill Kenia kostet 4000 Euro. Bild: Dirk Wiedlein

Der Grill Kenia ist edel und gut. Das Besondere an ihm ist eine Kurbel, mit der sich bequem die Höhe des Rostes und somit die Temperatur einstellen lässt. Wäre da nur nicht der Preis.

          2 Min.

          Okay, Männer, lasst uns grillen. Und nicht über Geld reden. 4000 Euro sind kein Pappenstiel. Aber dieser Grill ist echt ein heißes Teil. Zugegeben, Kenia klingt nicht nach Luxus. Aber das Vorbild für diesen Grill haben die Erfinder nun mal in dem afrikanischen Land gefunden und ihr Produkt danach benannt. Nun steht er hier in Frankfurt, umringt von sechs Technikredakteuren, die in der Kälte darauf warten, dass das Rib-Eye medium wird und die Lammwürste die richtige Bräunung bekommen.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Holzkohle glüht ebenso vor sich hin wie die Frage, ob ein Grill so viel Geld kosten darf. Den Kollegen, der so heißt wie der bekannteste Grill-Hersteller (ohne mit ihm verwandt oder verschwägert zu sein), berührt der Preis nur am Rande. Während er das Gargut wendet, steht der Rest der Truppe immer noch fassungslos vor dem Kenia. Einige schütteln den Kopf, andere murmeln den Preis vor sich hin.

          Der Schock sitzt tief, es muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Also: Der Grill wirkt äußerst edel und schick. Das Gehäuse ist aus fünf Millimeter dickem Edelstahl, der nicht gebürstet ist. Sieht glänzend aus, braucht aber hin und wieder Pflege, weil Handabdrücke gut zu sehen sind. Der Griff des Deckels und der Kurbel sind aus Räuchereiche. Der Kenia steht auf vier feststellbaren Rollen, mit denen die 53 Kilogramm zuverlässig und komfortabel zum Ort des Geschehens geschoben werden können.

          Simple, aber klasse Idee: die Höhenverstellung über die Kurbel. Bilderstrecke
          Grill : Kenia

          Um ihn am Platz in Gang zu bringen, braucht es keine Gebrauchsanleitung. Erst Deckel, dann Rost abnehmen, Kohle auf das dicke Blech füllen und anzünden. Rost wieder drauf und warten. Zum Regulieren der Luftzufuhr gibt es an der Frontseite ein schickes Holzelement, das zur Seite geschoben den gestanzten Schriftzug „Kenia“ freigibt. Auf dem Deckel ist neben dem Thermometer ein konventioneller Luftschieber angebracht, er lässt sich jederzeit mit den Fingern anfassen – wie überhaupt der Kenia außen kaum heiß wird.

          Die Temperatur des Grillguts lässt sich mit diesem Grill auf geniale Weise anpassen: Mit einer Kurbel, die mit einem waagrecht verlaufenden Gewinde an der Rückseite verbunden ist, bestimmt man die Höhe des Rostes und somit die Entfernung zur Kohle. Sie sitzt an der rechten Seite des Gehäuses. Der Mechanismus ist leichtgängig, die Höhe exakt einzustellen. Was der Hersteller noch verbessern könnte, ist der schwache Anschlag. Ist der Rost am Ende angelangt, lässt sich die Kurbel dennoch mit etwas Mühe weiterdrehen.

          Die Sache war schnell geklärt

          Während Steak und Würste also unter geschlossenem Deckel vor sich hin garen, das Gesprächsthema vom Preis zu anderen Testobjekten wechselt, richten sich plötzlich wieder alle Augen auf den Grill. Der Deckel klemmt, weil er sich aufgrund der Hitze verzogen hat und sich weder leicht abziehen noch wieder aufsetzen lässt. Eine ähnliche Auswirkung hat die Hitze auf das Holzelement an der Front, auch dieses klemmt. Weil jenes Exemplar ein Vorserienmodell war, haben wir den Hersteller rasch auf den Defekt hingewiesen. Ein paar Mails, ein Telefonat, und die Sache ist geklärt. Ein neues Modell, dieses Mal eines aus der Serie, steht kurz darauf auf dem improvisierten Grillplatz. Würste und Fleisch sind schon im Magen verschwunden. Die reichlich aufgelegte Kohle aber noch nicht in der Auffangschale.

          Also gilt es, den Kenia noch einmal herauszufordern. Der Deckel, der sich beim neuen Modell noch keinen Millimeter verzogen hat, wird nun einem Stresstest unterzogen. Mit geöffneter Luftzufuhr muss der Grill alles geben. Der Zeiger des Thermometers, das deutlich näher am Grillgut und damit am Geschehen ist als bei einem kugelförmigen Exemplar, steigt Grad um Grad, bis er den Höhepunkt des Skala erreicht hat: 350 Grad Celsius. Und der Deckel? Ist noch immer top in Form.

          Das Grillen ersetzte mittags die Kantine, abends nach Dienstschluss zeigt das Thermometer immer noch 100 Grad. Das wäre noch genug für Garen bei Niedrigtemperatur. Schnell entsorgen lässt sich die Asche, die in eine herausziehbare Metallschale fällt. Der Grill funktioniert hervorragend und sieht teuer aus. Das ist er wohl auch.

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