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Gravelbike Grandone von Idworx : Schotterbike de Luxe

  • -Aktualisiert am

Das Gravelbike Grandone von Gerrit Gaastra Bild: Hersteller

Von einem stilbildenden Fahrradhersteller wie Idworx erwartet man nicht, dass er einer Mode folgt. Was kommt dabei heraus, wenn er es aber doch tut?

          Jeder, der was auf sich hält, hat jetzt ein Rennrad fürs Grobe im Programm. Das Gravelbike ist eben schwer in Mode. Es ist ja auch nicht so schwer, eins auf die dickbereiften Räder zu stellen. Etwas gestrecktere, komfortablere Rennrad-Rahmen, gern auch mit dem guten alten Begriff Randonneur gekennzeichnet, gibt es zuhauf. Und wenn dann Reifen der Dimension 28 × 2,00 (nach der europäischen Reifennorm ETRTO 50-622) vorn und hinten zwischen den Rohren durchpassen, muss nur noch ein im Abwärtsbogen weit ausgestellter Lenker dran, und schon ist das Schotterbike so gut wie fertig. Und die Jubeltester überschlagen sich förmlich: Mit dem Gravelbike kann man tatsächlich in sportlicher Haltung durch Wald und Feld düsen! Der Querfeldeinsport musste eben erst einmal so richtig out sein, um das Cyclocross-Rad unter neuem Namen und technisch modernisiert topmodisch werden zu lassen.

          Dass Gerrit Gaastra, Fahrradhersteller in vierter Generation, mit seiner Marke Idworx jedem Trend hinterherlaufe, lässt sich nicht einmal mit dem bösesten Willen behaupten. Preislich, vor allem aber qualitativ ganz oben im Spektrum des Marktes angesiedelt, sind die Räder des Niederländers im besten Sinne konservativ und von schlichter Eleganz. Gaastra, der auch als Berater in der Fahrradbranche aktiv ist, hat sich mit seinem Unternehmen Bike Basics in der Nähe von Bonn angesiedelt. Die Räder, die dort gebaut werden, passen einerseits gut an den Niederrhein, denn Modelle wie das oPinion oder der lange Jahre weiterentwickelte Easy Rohler wirken wie eine moderne Neudefinition des Hollandrads: auf tadellose Funktion und robuste Langlebigkeit ausgelegte Gebrauchsräder für Vielfahrer. Andererseits kommen mit denselben Tugenden von Idworx sehr puristische Mountainbikes, denn der Chef, der hinterm Haus sich einen Privat-Trail leistet, war und ist gern mit und ohne Verbrennungsmotor auf zwei Rädern im Gelände unterwegs.

          Wie die Modellbezeichnungen Rockn Rohler und Rock oPinion andeuten, ist die Kettenschaltung auch beim Geländerad nicht Gaastras Sache. Stattdessen werden die Getriebenaben von Rohloff und die Tretlagergetriebe von Pinion als Schaltungen verbaut.

          Hinteres rechtes Ausfall-Ende des Rahmens

          Nun aber hat Gaastra ein Rad mit 2×11-Kettenschaltung kreiert namens Grandone. Ob man das buchstabengetreu, englisch oder italienisch ausspricht, bleibt genauso dem persönlichen Geschmack überlassen wie das, was man aus dem Rad macht. Es kann ein nacktes Gravelbike sein, aber genauso ein mit Beleuchtung (SON), Schutzblechen und Gepäckträgern voll ausgestattetes Reiserad, ein Fitnessbike oder ein Pedelec. Zwei Versionen, ein schwarz glänzendes Gravelbike und ein goldgelbes Reiserad, wurden zur Probe gefahren.

          Zunächst die Preise: Mit rund 3900 Euro ist die Variante „Sport“, das Fitnessbike mit flachem Lenker, am günstigsten. Das Gravelbike mit rundem Rennlenker kostet rund 4000, das Modell „Travel“ in der Zweitfarbe Gelb (weitere sind möglich) etwas über 4500 Euro mit kleinen Extras wie Low Rider und verstärktem Gepäckträger. Wer Karbonfelgen haben möchte, ist mit rund 700 Euro zusätzlich dabei. Und für rund 2800 Euro lässt sich ein Grandone gleich oder später zu einem Elektrorad mit dem Neodrives-Nabenmotor Z20 von Alber aufrüsten.

          Dass man dafür ein in Finish und Funktion absolut erstklassiges Rad bekommt, möchte man erwarten. Das ist auch so, man kann hingucken, wo man will. Ob es nun die Verlegung der Kabel und Züge ist, ein besonderes Steckenpferd von Gaastra, oder die Montage von Komponenten, man findet keine Schwachstellen, sondern immer wieder besonders durchdachte und dazu elegante Lösungen. Wahre Schmuckstücke sind die Ausfall-Enden, die Schraubachsen, Scheibenbremsaufnahme, Schaltwerkträger, Ständer und Gepäckträger-Streben in geradezu mustergültiger Aufgeräumtheit dicht bei dicht sortieren.

          Die Karbon-Gabel und der Rahmen aus dreifach konifiziertem Aluminiumrohr (6061 T6), der mit ovalem Querschnitt am Steuerrohr angreift, zeigen schon optisch die steife Robustheit, die den Fahreindruck des komplett etwas mehr als elf Kilo wiegenden Gravelbikes prägt. Dass das Grandone dennoch ohne wie auch mit Vollausstattung durchaus komfortabel wirkt, ist abgesehen von der mäßig gestreckten Randonneur-Geometrie in erster Linie dem Reifenvolumen geschuldet (G-One von Schwalbe, 28 × 2,00). Bremsen und Naben kommen wie die Schaltwerke von Shimano (Ultegra und XT). Der Antriebsstrang, an der Kurbel (FSA Energy, Innenlager FSA T47/30) hat man 46 und 30 Zähne, hinten Ritzel mit elf bis 40 Zähnen, darf als eher ungewöhnlich gelten. Zu dem Aussehen des Pizzablechs für die größere Untersetzung schweigt des Sängers Höflichkeit: Die Bremsscheibe auf der anderen Seite spielt dahinter Verstecken.

          Ganz abgesehen von seiner Exklusivität und der stupenden Verarbeitungsqualität gefällt an dem Rad, dass es einen hohen, nämlich vielfältigen und dauerhaften Gebrauchsnutzen verspricht. Und in diesem Sinne ist Gerrit Gaastras Grandone zwar ein sehr modisches Rad, aber eben auch ein typisches Idworx.

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