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Geschichte des Schirms : Der nächste Regen kommt bestimmt

Tropfschutz: Auf der Spree leitet einer das Wasser zum anderen Bilderstrecke

Eine deutsche Erfindung

Wie viele bahnbrechenden Entwicklungen ist auch der moderne Taschenschirm eine deutsche Erfindung. Er wurde von Hans Haupt aus Breslau im Jahr 1928 konstruiert und wegen des kleinen Formats Knirps genannt. Grundbestandteile sind ein Stock, der zusammengeschoben werden kann, und geteilte Spannstreben, die sich durch die Hebelwirkung der Querstreben beim Öffnen auseinanderfalten. So wird die Größe etwa halbiert. Heute gibt es Versionen mit mehrfach geklappten Streben, die ein Miniformat ermöglichen. Schiene und Stock dreifach geteilt seien Standard, sagt Knut Schröder vom Schirmhersteller Knirps. Mehr sei auch schon versucht worden, mache das Zusammenfalten aber zu kompliziert.

Andere Weiterentwicklungen dienen ebenfalls dem Komfort. Ein Automatikschirm öffnet sich selbständig, weil eine beim Schließen gespannte Druckfeder den Schieber nach oben bewegt. Im geklappten Zustand wird die Mechanik von einem Verschluss gehalten, der durch Tastendruck gelöst wird. Erstmals vorgestellt wurde ein solcher Mechanismus schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es unter den Taschenschirmen Vollautomaten, die sich auf Knopfdruck nicht nur öffnen, sondern auch schließen. Dafür wird eine Feder durch kräftiges Zusammenschieben des Teleskopstocks über Seilzüge vorgespannt.

Viele unterschiedliche Formen und Größen

Schirme haben die Erfinder immer wieder zu neuen und gelegentlich kuriosen Entwicklungen angeregt. Aus dem Jahr 1773 stammt, offenbar inspiriert von Benjamin Franklins Blitzableiter, ein Schirm mit Metallspitze, Verbindungsdraht und Eisenkugel als Erdung. Kaufen wollte ihn aber kaum jemand. Wellington, der Sieger von Waterloo, besaß einen Schirm, in dem ein Degen versteckt war. Heute gibt es im Handel viele Formen und Größen. Es gibt Schirme, die Esstische schützen, und solche, deren Griff zu einer Sitzgelegenheit ausgeklappt werden kann. Mehr als Scherzartikel wird für eine Handvoll Euro ein Hutschirm angeboten, der nicht in der Hand gehalten, sondern mit einem ringförmigen Band auf dem Kopf getragen wird. Sein größter Nachteil neben dem geringen Tragekomfort ist die Windanfälligkeit; schon bei mäßiger Brise verabschiedet sich der Schutz gegen schlechtes Wetter.

Ohnehin ist der Sturm der größte Feind des Schirms. Bis heute besteht die Gefahr, dass er unter das Dach fährt und so kräftig in die Plane bläst, dass sie überdehnt wird - in der Folge klappt das Gestänge nach oben.

Mit der neuesten Entwicklung, die kürzlich aus den Vereinigten Staaten herübergeschwappt ist, kann das nicht passieren. Der Nubrella ist ein durchsichtiger kugelförmiger Schirm, der über Kopf und Schultern gestülpt wird und nicht nur gegen Regen, sondern auch gegen Zugluft und Kälte schützen soll. Er entfaltet sich wie ein Lampion und ist angeblich bis zu einer Windgeschwindigkeit von 70 km/h getestet. Weil er fest mit Haltebändern sitzt, hat sein Träger sogar die Hände frei. Wir hatten noch keinen im Gebrauch, glauben aber, dass der Nubrella allein wegen seiner Abmessungen eher ein Regenschutz für die Besitzer geräumiger Autos ist.

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